Manche Bilder bleiben. Wie die von den Menschen, die das Flugzeug nicht loslassen wollten – auch nicht, als die Maschine abhob. Sie klammerten sich fest, bis sie herunterfielen. Es waren solche Aufnahmen vom Flughafen in Kabul, die im August 2021 um die Welt gingen.
Wenige Monate später schlossen sich die Ampelparteien zu einer Regierung zusammen. Es war womöglich noch unter dem Eindruck der Bilder von der Evakuierungsmission, dass sie in ihren Koalitionsvertrag schrieben: „Wir werden unsere Verbündeten nicht zurücklassen.“ Außerdem setzte die Regierung eine Enquetekommission ein, um den Gesamteinsatz auszuwerten.
„Strategisch gescheitert“
Dieses Gremium stellt in dieser Woche nun seinen Zwischenbericht vor. Auf 330 Seiten beschreibt die Kommission, wie Deutschland gemeinsam mit seinen internationalen Partnern „strategisch gescheitert“ sei. Das ist wenig überraschend und doch frappierend. Und es sollte Deutschland an seine Verantwortung und sein Versprechen an die Verbündeten erinnern. Tausende der Ortskräfte, die die Bundeswehr bei ihrem Einsatz unterstützten und deshalb nun akut gefährdet sind, warten bis heute darauf, nach Deutschland ausreisen zu dürfen.
Der Bericht liest sich wie eine lange Liste von Verfehlungen: Die Ressorts hätten sich schlecht untereinander abgestimmt, die Bundeswehr sei nicht ausreichend ausgestattet gewesen, man habe die Taliban unterschätzt und Geld falsch verteilt. Vor allem habe eine „realistisch umsetzbare kohärente Strategie zur Förderung eines stabilen Afghanistans“ gefehlt. Der Ansatz, den die Deutschen und ihre Partner verfolgten, hatte keine Chance, die Lage im Land zu verbessern. Afghanistan blieb in einem desaströsen Zustand zurück.
Umso peinlicher ist es, dass Deutschland den Ortskräften ein Versprechen gab, das es bis heute nicht ganz eingelöst hat. Der Einsatz in Afghanistan mag abgeschlossen sein. Die Verfehlungen aber gehen weiter.