Entscheidung im Rems-Murr-Kreis Die Zukunft der Wieslauftalbahn ist gesichert

Die neuen Regio-Shuttles haben Diesel-Norm 4, sind barrierefrei und mit einer Klimaanlage ausgestattet. Foto: Landratsamt Rems-Murr

Die Verantwortlichen entschließen sich nach einer Besichtigung in Immendingen zum Kauf der angebotenen Gebrauchtfahrzeuge. Die Kosten steigen allerdings von 5,8 auf knapp 6,6 Millionen Euro.

Aktuell sind noch die mehr als 30 Jahre alten Züge auf der 11,5 Kilometer langen Strecke entlang der Wieslauf zwischen Schorndorf und Rudersberg-Nord unterwegs. In absehbarer Zeit werden dort als Übergangslösung zwar keine neuen, aber zumindest nicht ganz so alte Shuttles verkehren. Als Übergangslösung kommen gebrauchte Fahrzeuge zum Zug.

 

Ausflug in den Kreis Tuttlingen zur Inspektion der Züge

Der entsprechende Beschluss im Rems-Murr-Kreistag fiel bereits Ende 2023. Die finale Kaufentscheidung folgte allerdings erst in vergangenen Woche, als die Mitglieder der Zweckverbandsversammlung Wieslauftalbahn bei einem Trip nach Emmendingen im Landkreis Tuttlingen die Gebrauchtfahrzeuge inspizierten. Die vier gebrauchten Regio-Shuttles haben Diesel Euro Norm 4 und sind komfortabler, barrierefrei sowie mit einer Klimaanlage ausgestattet.

Nötig ist der Austausch der Fahrzeuge, weil es für die bisherigen nur noch mangelhaft Ersatzteile gibt. Ein Neukauf ist allerdings nicht finanzierbar. Kleiner, aber kostspieliger Haken der Gebrauchtwagenlösung: Weil ein Motorenaustausch in allen vier Zügen notwendig ist, klettert die zuvor auf 5,8 Millionen Euro taxierte Kaufsumme auf nun knapp 6,6 Millionen Euro. Immerhin, die Zahlung beinhaltet eine Hauptuntersuchung sowie eine Generalüberholung mitsamt Motorentausch.

Der „Wiesel“ ist als Zubringerbahn Rückgrat und damit wichtiger Bestandteil des ÖPNV im Rems-Murr-Kreis. Täglich klettern rund 4000 Fahrgäste hinein und am Ziel wieder hinaus, das macht im Jahr rund eine Million Passagiere. Der Deal stellt die Entscheidungsträger offenkundig zufrieden: „Mit dieser finalen Kaufentscheidung ist der ‚Wiesel’ endgültig auf ein tragfähiges Zukunftsgleis gesetzt“, sagt Landrat Richard Sigel, zugleich Verbandsvorsitzender des Zweckverbands Wieslauftalbahn. „So positiv die Aussichten für einen komfortablen Betrieb der Wieslauftalbahn sind, so schade ist es gleichzeitig, dass die intensiven und aufwendigen Bemühungen für den Erwerb neuer Fahrzeuge aus Kostengründen vorerst erfolglos bleiben“, ergänzt der Kreischef.

Elektrifizierung der Strecke „schlichtweg nicht finanzierbar“

Eine Elektrifizierung der Strecke mit passenden Fahrzeugen oder gar Wasserstoffzüge im Wieslauftal seien mangels ausreichender Förderung von Bund und Land „schlichtweg nicht finanzierbar“. Doch nun sei „mit unserer guten Lösung“ der verlässliche Betrieb der Wieslauftalbahn zumindest für die nächsten zehn Jahre sichergestellt.

Im laufenden Jahr 2024 werden zunächst zwei Fahrzeuge gekauft, zwei weitere im Jahr 2025. Alle Züge werden neu lackiert und optisch an das Design der bisherigen Wieslauftalbahn angepasst. Die ersten beiden Fahrzeuge stehen bereits im vierten Quartal dieses Jahres zur Verfügung. Die zwei weiteren Fahrzeuge werden voraussichtlich Anfang 2026 ausgeliefert. Da der Zweckverband der Wieslauftalbahn umlagefinanziert ist, trägt der Rems-Murr-Kreis 65 Prozent der Kosten. Weitere Finanzierungspartner sind die Stadt Schorndorf und die Gemeinde Rudersberg mit jeweils 17,5 Prozent.

Die Werkstatthalle muss allerdings noch ausgebaut werden

„Gemeinsam mit allen Beteiligten haben wir eine gute und finanziell stemmbare Lösung gefunden“, freut sich Rudersbergs Bürgermeister Raimon Ahrens. „Der Kauf der vier Züge ist ein schönes Signal, insbesondere für unsere Bürgerinnen und Bürger in Haubersbronn und Miedelsbach“, sagt der Schorndorfer OB Bernd Hornikel.

Perspektivisch ist allerdings für die neuen Züge ein 120 000 Euro teurer Ausbau der Werkstatthalle erforderlich. Der könnte jedoch auch erst im Jahr 2025 stattfinden. Für eine zeitgleiche Unterbringung von alten und zwei neuen Fahrzeugen sei bis dahin ausreichend Platz vorhanden, heißt es.

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