Entscheidung zu neuer Schienenstrecke Bahn soll Marbach via Talheim ansteuern

Die Fotomontage ist noch Zukunftsmusik: eine Bahn bei Beilstein. Foto: Hans-Joachim Knupfer

Der Heilbronner Kreistag hat entschieden, die historische Schienenstrecke zwischen Marbach am Neckar und Heilbronn wegen einer Reaktivierung näher untersuchen zu lassen. Die Variante über Abstatt mit zwei Großarbeitgebern ist damit fürs Erste aus dem Rennen.

Neckarwestheim wird zwar nicht an einer neuen direkten Stadtbahnstrecke zwischen Marbach und Heilbronn liegen, entpuppt sich aber mehr und mehr zu einem Schicksalsort für die Reaktivierung der vor Jahrzehnten stillgelegten Verbindung. Im Sommer waren dort in der Reblandhalle die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie präsentiert worden, die gleich vier Varianten eine auskömmliche Wirtschaftlichkeit attestiert hatte. An selber Stelle beschloss der Heilbronner Kreistag am Montag nun, welche Option detailliert untersucht werden soll. Das Gremium sprach sich bei nur sieben Gegenstimmen für die wohl kostengünstigste Verbindung aus: die historische Route über Ilsfeld, Talheim und Sontheim nach Heilbronn.

 

Bosch und Magna werden nicht an der Stecke liegen

Aus dem Rennen ist damit die kürzeste Strecke über Abstatt entlang der Autobahn und Untergruppenbach, die einige Räte vor allem wegen der Nähe zu den Großarbeitgebern Bosch und Magna favorisiert hatten. Schon zuvor waren bei einem vorgeschalteten Votum aus finanziellen Gründen und wegen der schwierigen infrastrukturellen Umsetzbarkeit die beiden weiteren denkbaren Untervarianten des Abstatt-Astes ausgesiebt worden: zum einen die Trasse mit direktem Stopp bei Bosch sowie die Linie mit einem Schlenker über Flein. Für den Landkreis Ludwigsburg war längst unstrittig, in welchen Kommunen die Stadtbahn einen Halt machen sollte. Die Strecke wird sich, so sie tatsächlich kommt, am Verlauf der alten Bottwartalbahn orientieren und von Marbach über Murr, Steinheim, Großbottwar und Oberstenfeld nach Beilstein führen.

Am Ende brachen alle Fraktionen im Heilbronner Kreistag geschlossen oder mehrheitlich eine Lanze für die Talheim-Route. Gleichwohl war es bei den meisten auch eine Millimeterentscheidung, wie die jeweiligen Vertreter der politischen Gruppierungen hervorhoben. Ausschlaggebend war dann insbesondere, dass die Talheim-Variante „durch die Orte durchgeht, sehr nah bei den Menschen in der Region“ und somit gut zu erreichen sei, wie der CDU-Fraktionschef Nico Morast hervorhob. Im Prinzip gehe es darum, ob man die Bahn direkt zu den Bürgern bringen oder an den Ortschaften vorbei führen wolle, sagte auch Bernd Bordon (SPD) – der sich als Bürgermeister von Ilsfeld schon im Vorfeld für eine Schienenstrecke über seine Gemeinde starkgemacht hatte.

Eine Rolle spielte bei der Abwägung für die Fraktionen zudem, dass die Kosten mit geschätzt 366 Millionen Euro bei der Talheim-Strecke am geringsten ausfallen würden und die höchste Förderquote winkt, weil eine alte Verbindung reaktiviert wurde. Ins Kontor schlug zudem, dass die Hochschule in Sontheim angeschlossen würde.

Planungen werden nun vertief

Mit dem Votum des Kreistags können nun die Planungen für die Trasse vertieft und die Standardisierte Bewertung beauftragt werden. Letztere ist Grundlage für eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung, die es braucht, um Bundesmittel abschöpfen zu können, erklärt Andreas Fritz, der Pressesprecher des Landratsamts Ludwigsburg. Falle das Ergebnis der Standardisierten Bewertung positiv aus, müssten die beteiligten Kommunen und Kreise „in ihren Gremien einen Grundsatzbeschluss fassen, ob das Projekt realisiert werden soll“. Anschließend könnten die weiteren Planungen forciert und die Aufnahme in das Förderprogramm des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) beantragt werden. „Zu einer zeitlichen Komponente werde ich mich nicht äußern können“, schränkte allerdings der Heilbronner Landrat Norbert Heuser ein, womit offen bleibt, wann im Optimalfall die Bagger anrücken könnten, um die Trasse zu bauen.

Hans-Joachim Knupfer von der Bürgeraktion Bottwartalbahn, die sich für die Wiederbelebung einer Schienenstrecke zwischen Marbach und Heilbronn starkmacht, freut sich, dass der Kreistag nun immerhin eine Weichenstellung vorgenommen hat. „Jetzt gibt es eine klare Grundlage für die weiteren Planungen“, sagt er. Die auserkorene Streckenführung ermöglicht aus Sicht der ehrenamtlichen Verkehrsexperten „eine attraktive Verkehrsanbindung für den Weinort Talheim“.

Bei der Prüfung durch die Fachbehörden müsse sich in der Folge allerdings zeigen, ob die Streckenführung über Talheim „und durch das naturbelassene enge untere Schozachtal dem Anspruch an eine moderne, zügig befahrbare und verkehrlich befriedigende Straßenbahntrasse“ gerecht werde. Auch die Frage nach einer sinnvollen Linienführung innerhalb vom Stadtgebiet Heilbronn sei noch zu untersuchen. Es werde sich zeigen, ob das Ergebnis zur Talheimer Variante passe.

Dass der Kreistag die historische Trasse favorisiert, ist für Knupfer und seine Mitstreiter ohne Belang. „Die Bahn-Tradition ist für uns ein starker Antrieb, aber jede neue Bahnstrecke muss in erster Linie den heutigen strukturellen Verhältnissen und fachlichen Ansprüchen gerecht werden, da sind wir völlig nüchtern und neutral“, erklärten die Bahnfreunde in einem Statement.

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