Zwischen Winnenden und Winterbach, Fellbach und Weinstadt stehen die Pflanzen in diesem Jahr gut da, sie und die Früchte sind gesund, das Aroma passt und die Menge stimmt. Die Kunden profitieren davon, ein Pfund kostet zurzeit um die drei Euro, oft auch weniger. Etwa bei den Früchtle vom Schmidener Feld. Bei Abnahme von einem Kilogramm verlangte Philipp Bauerle im Hofladen und an den Verkaufsständen vor dem Wochenende 5,50 Euro, bei fünf Kilo sank der Preis fürs Kilo auf 3,90 Euro. „Jetzt aktuell gibt es die süßesten Beeren“, freut er sich, dass Qualität und Quantität heuer die schlechte Erdbeersaison des vergangenen Jahres wett machen.
Niedriges Preisniveau im Großhandel
Im Moment sind die Sorten Sinfonie, Flair und Florence dran – deren Namen klingen nicht nur gut, sondern es stimmt auch die Menge. Philipp Bauerle baut auf rund zwölf Hektar Erdbeeren an, zwischen Fellbach und dem Lindle hat er fünf Hektar neu bepflanzt: „Da haben wir super Böden.“ Er vermarktet direkt, in den Großhandel gehe fast nichts. Die Anlagen auf dem Schönbühl in Weinstadt hat er aufgegeben, die Pflanzen untergepflügt. Dort stehen jetzt Rebstöcke fürs Weingut von seinem Bruder Johannes.
Wie groß die Fläche seiner Erdbeerfelder ist, möchte Mathias Kilburger aus Weinstadt nicht sagen. Aber er gehört zu den namhaften Erdbeerbauern im Remstal, seine Felder sind größtenteils in Beutelsbach. Für Mathias Kilburger ist es die 38. Erdbeerernte, er hat also schon viel erlebt. Auch er ist bis jetzt „mit der Qualität sehr zufrieden, mit dem Aroma auch“. Allerdings sagt er das nicht vom Preis – und meint damit den Großhandelspreis. Das sei „eine Schwierigkeit, das Preisniveau ist zu nieder“. Aber, so seine Erfahrung, betrifft das „die gesamte Feldproduktion.“ Das Sortiment von Kilburger umfasst im Sommer viele Sonder- und Beerenkulturen sowie Tafeltrauben, er spricht von „Terminkulturen“. Im Winter setzt er auf Feldsalat. „Alle sparen“, beobachtet er und bedauert, dass in der Politik Entscheidungen getroffen würden, „ohne mit den Verbänden zu sprechen“, und prognostiziert: „Es wird sich vieles ändern.“ Ein Beispiel: dieses Jahr hat er zum ersten Mal keine Felder für Selbstpflücker vorgesehen.
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Bei Philipp Bauerle ist das Feld für Selbstpflücker auch in diesem Jahr gegenüber der Verkaufsscheuer in Schmiden auf der anderen Straßenseite ausgewiesen. Mindestens noch bis zum Ende der Pfingstferien will er das Angebot noch aufrechterhalten. Es kämen viele Familien mit Kindern. Das beobachtet auch die Familie Häußermann vom Heidenhof in Leutenbach. Sie haben sich dieses Jahr zum ersten Mal entschieden, ein Feld für Selbstpflücker zu öffnen. „Ganz spontan“ habe ihr Sohn über Instagram die Information verbreitet, und es laufe gut, sagt Petra Häußermann. „Es kommen auch ältere Leute“, freut sie sich über den Zuspruch. Den erhöhten Kontrollaufwand auf den Feldern nehme man gern in Kauf.
Petra Häußermann beobachtet, dass die Verbraucher „bewusster“ einkauften. In den vergangenen Jahren hätten sie bei der Abnahme von drei Schalen einen Spezialpreis gemacht. „Das ist super gelaufen.“ Dieses Jahr ziehe das Angebot nicht, „die Leute kaufen lieber nach Bedarf und nicht nach Menge“. Der günstigere Preis sei nicht mehr alleine ausschlaggebend. Man wolle nichts wegwerfen. Auf der einen Seite findet das die Landwirtin gut, auf der anderen verändere es den Absatz. Ihre Familie baut auf rund vier Hektar Erdbeeren an und vermarktet sie direkt im Hofladen beziehungsweise an Verkaufsstellen. Mit Sorge beobachtet sie, wie Discounter und Supermärkte die Preispolitik negativ bestimmen, „der Anbauer verdient da nicht mehr viel“.
Und was hat der Mindestlohn für Folgen?
Harald Kauffmann, Landwirt aus Schmiden, hat indes schon vor zwei Jahren die Reißleine gezogen. Er baut keine Erdbeeren mehr an und konzentriert sich auf Kartoffeln, Getreide und Weihnachtsbäume. Er habe nur noch „vier Reihen Erdbeeren, alle anderen Anlagen habe ich untergepflügt“. Er sei gespannt, wie es bei seinen Kollegen weitergehe, jetzt wo der Mindestlohn von zwölf Euro beschlossen worden sei.
Philipp Bauerle hat für die Beerensaison weitere Erntehelfer eingestellt. Im Moment läuft in seinem Betrieb noch die personalintensive Spargelernte, Himbeeren und Süßkirschen werden auch schon gepflückt. Beim Mindestlohn von zwölf Euro denkt er nicht nur an die Belastung für seinen Betrieb, sondern auch an die Erntehelfer. Auch in deren Heimatländern „wird alles teurer - Sprit, Lebensmittel und Energie“. Ihm gehe es im Betrieb nicht anders, angefangen bei den Bedarfsmitteln bis hin zum Dünger. „Bisher spiegelt sich das in den Preisen nicht wider.“
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