Erdhebungen in Böblingen Was passierte, als sich die Erde hob?
Zwischen 2006 und 2008 gab es in Böblingen fehlerhafte Erdwärmebohrungen – mit verheerenden Folgen. Wir haben die Ereignisse kurz zusammengefasst.
Zwischen 2006 und 2008 gab es in Böblingen fehlerhafte Erdwärmebohrungen – mit verheerenden Folgen. Wir haben die Ereignisse kurz zusammengefasst.
In Zeiten, in denen Öl, Gas und Kohle zum Heizen in Verruf geraten sind, setzen Kommunen für ihre Neubauten vermehrt auf Geothermie, also auf Wärme aus der Erde, so beispielsweise die Gemeinde Weil im Schönbuch. Das Thema dürfte aber bei vielen Böblingern unschöne Erinnerungen an Millionenschäden wecken.
Die Bohrungen
Begonnen hat alles mit Erdwärmebohrungen im Böblinger Stadtgebiet. Zwischen 2006 und 2008 hat die inzwischen insolvente Firma Gungl an sieben Stellen Erdwärmesonden verlegt. Offenbar wurden die Löcher unzureichend abgedichtet.
Der Untergrund
Böblingen liegt teilweise auf Gipskeuper, in dem auch Anhydrit enthalten ist. Dieser wandelt sich unter Wassereinwirkung in Gips um und vergrößert sein Volumen um bis zu 50 Prozent.
Die Schäden
Über Jahre quoll das Mineral also unter dem Böblinger Stadtgebiet. Straßen rissen, Leitungen und Rohre platzten, aber auch Häuser wurden sowohl vertikal als auch horizontal verschoben. Die Hausbesitzer meldeten und dokumentierten ihre Schäden, und sie organisierten sich in der Interessengemeinschaft Erdhebungen (IGE). Mehr als zehn Jahre nach den fehlerhaften Bohrungen kam dann die Entwarnung: Der Untergrund hatte sich beruhigt, die Sanierungen in den betroffenen Gebieten konnten beginnen.
Die Entschädigung
Die Situation war komplex, viele Firmen hatten in der fraglichen Zeit gebohrt. Schließlich wurde festgestellt, dass die Allianz-Versicherung für die Schäden zahlen soll – jedoch nur für die, die zwischen Ende Oktober 2011 und Ende Dezember 2014 entstanden sind. Sie stellt mittels Gutachten zwei Schadengebiete fest, an die jeweils insgesamt fünf Millionen Euro ausgezahlt werden sollten. Dazu gibt es noch pro Gebiet eine Million obendrauf.
Die Auszahlung
Für die Schäden in den Hebungsgebieten Nord und Süd ist die Versicherungssumme ausgezahlt worden – je fünf Millionen Euro. Stadt und Landkreis haben ihre Ansprüche auf Entschädigung hintangestellt.
Der Prozess
Im Hebungsgebiet Süd gibt es die Besonderheit, dass beispielsweise das Landratsamt die Zone in zwei Schadenfälle einteilt. Das hieße, es gibt zehn statt fünf Millionen Euro. Die Allianz hält mit Gutachten dagegen. Die Erde habe sich im südlichen Gebiet schon vor der fehlerhaften Bohrung gehoben. Das Verfahren ruht aktuell, während die Streitparteien versuchen, sich zu einigen.