Stuttgart - Weil die Corona-Warn-App enttäuscht, haben die Regierungschefs einen Kurswechsel vollzogen: Die Länder sollen sich auf eine einheitliche Event-App verständigen, um Restaurant-, Kino- und Konzertbesuche zu ermöglichen. Damit soll die Gesundheitsbehörde im Falle des Infektionsausbruchs bei einer Veranstaltung direkt auf die Daten zugreifen und die Kontaktverfolgung aufnehmen. Die Zettelwirtschaft wäre überwunden. Die Einigung erfolgt eventuell schon an diesem Montag bei der Gesundheitsministerkonferenz.
Konkret soll sich der Besucher auf dem Smartphone via QR-Code einchecken – eventuell in Verbindung mit einem negativen Coronatest. Danach werden die Nutzer vor dem Risiko einer Corona-Infektion gewarnt, falls ein anderer Gast positiv getestet wurde. Als Favorit für eine bundeseinheitliche Lösung kristallisiert sich die Luca-App heraus, deren Entwicklung von dem Musiker Smudo (Fantastische Vier) unterstützt wurde und die nun in zahlreichen Talkshows zum Thema wird.
Der Datenschutzbeauftragte ist angetan
Der Landesdatenschutzbeauftragte Stefan Brink äußert sich fast euphorisch: Luca sei ein „kluger und innovativer Ansatz“. Seine Behörde habe die App technisch und rechtlich geprüft – „sie erfüllt unsere hohen Datenschutz-Standards“, so Brink. Die Dokumentation der Kontakte werde auf „technisch höchstem Stand verschlüsselt“. Es liege allein „in der Hand des Luca-Nutzers, ob, wann und mit wem er diese sensiblen Daten teilen möchte“.
Das Sozialministerium in Baden-Württemberg begrüßt das bundeseinheitliche Verfahren und stellt fest, dass „die landesweite Einführung der App Luca im Land intensiv geprüft wird“, wie der Sprecher Markus Jox sagt. „Die umfassenden Vorteile der Anwendung werden hier klar gesehen.“ Hinter Luca verberge sich ein komplexes System, das den sicheren Kontaktdatenaustausch zwischen Bürgern, Veranstaltern und Gesundheitsämtern ermöglicht. Thüringen hat mit den Betreibern schon einen Vertrag abgeschlossen. Ob Baden-Württemberg folgt, werde sich „zeitnah“ entscheiden, so Jox. Im Südwesten wird die App in den drei Gesundheitsämtern Reutlingen, Bodenseekreis und Breisgau-Hochschwarzwald geprüft. „Mit dem Abschluss der Pilotierungsphase ist in Kürze zu rechnen“, sagt Jox. „Zudem ist eine Informationsveranstaltung für alle Gesundheitsämter geplant.“
Sormas ist mittlerweile überall eingerichtet
Gut vorstellbar sei etwa auch ein kombinierter Einsatz von Corona-Warn-App und Luca-App. Erwünscht ist in jedem Fall die Unterstützung durch den Bund, vor allem um die nötigen Schnittstellen herzustellen. Denn jede neue, bundeseinheitliche Lösung muss mit der neuen Kontaktverfolgungssoftware der Gesundheitsämter, Sormas, kompatibel sein. Luca wird als Ergänzung angesehen, um nach einem Corona-Ausbruch den Datenabruf durch die Ämter zu vereinfachen. Sormas wurde vom Bund eingeführt und ist nach einer langen Anlaufphase nun in allen Gesundheitsämtern des Landes eingerichtet.