Esslingen - In der langen Liste derer, die die Esslinger Stadtgeschichte geprägt haben, nimmt er einen prominenten Platz ein: Eberhard Klapproth hat die Geschicke der Stadt von 1966 bis 1989 als Oberbürgermeister gelenkt „und sich dabei herausragende Verdienste erworben“, wie ihm sein Nach-Nachfolger Jürgen Zieger später bescheinigte. 23 Jahre, vier Monate und 26 Tage lang war Klapproth die Nummer eins im Rathaus, und vieles, was in seiner Ära angestoßen und realisiert wurde, prägt das Bild der Stadt bis heute. Eberhard Klapproth war ein OB mit Ecken und Kanten, doch selbst wer sich nicht zu seinen Freunden zählte, zollte ihm Respekt für seine Lebensleistung, sein preußisches Pflichtbewusstsein, sein Engagement und seine Bereitschaft, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, wenn er überzeugt war, dass sie der Stadt nützen. Klapproth würde am 6. Dezember seinen 100. Geburtstag feiern.
Sensationeller Wahlerfolg
1966 hatte der damals 45-jährige Stuttgarter Rechtsanwalt als Parteiloser mit rund 9000 Stimmen Vorsprung auf Anhieb den Sprung ins Esslinger Rathaus geschafft und den Amtsinhaber Dieter Roser deklassiert. „Ein solches Ergebnis hat wohl niemand in der ganzen Stadt erwartet“, kommentierte damals die Eßlinger Zeitung. „Überall wertet man den Ausgang der Esslinger Oberbürgermeisterwahl als eine echte Sensation.“ Fortan hat er als kommunalpolitischer Steuermann mit wertkonservativer Grundhaltung stets klaren Kurs gehalten, auch wenn er bei manchen angeeckt ist. Einrichtungen wie das Kulturzentrum Dieselstraße, mit dem er nie warm geworden ist, bekamen das zu spüren. Doch obwohl Klapproth der Konfrontation nie aus dem Weg gegangen ist, wenn er von etwas überzeugt war, rechneten ihm selbst Kontrahenten hoch an, dass er mit offenem Visier gekämpft hat. „Gefunkt und gesprüht hat es zwischen Ihnen und uns“, erinnerte sich der damalige SPD-Fraktions-Chef Otto Weinmann bei Klapproths Abschied aus dem Rathaus. Doch er hinterlasse „ein Lebenswerk, auf das Sie stolz sein können“.
„Wie ein Reichsstädtlein“
Als „OB mit Herz“ hatte sich Klapproth den Esslingern empfohlen. Dieser Slogan sei „Ausdruck seines Selbstverständnisses für die tägliche Arbeit im Dienste der Stadt und ihrer Bevölkerung“ geworden, bescheinigte Zieger seinem Vor-Vorgänger, als der im Januar 2010 kurz nach seinem 88. Geburtstag verstarb. Viele hätten ihn als sympathisch, volkstümlich und bürgernah empfunden. Bis heute erinnern sich manche fast liebevoll an ihren „Klappi“, über den der Historiker Otto Borst sagte, er sei „auch als Machthaber stets Mensch geblieben“. Und er habe „wie ein Reichsstädtlein für sich gearbeitet“ und sei „als Parteiloser auch ohne das Elend der Parteien ausgekommen“.
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Beim Blick zurück auf Klapproths Amtszeit befand der spätere OB Jürgen Zieger: „Esslingen wurde in seiner Zeit zur modernen, leistungsstarken Stadt umgebaut, die infrastrukturellen Grundlagen für ein gedeihliches Wachsen der nach der Gemeindereform 1975 größer gewordenen Stadt wurden geschaffen.“ Allein sein Traum vom kreisfreien Esslingen blieb unerfüllt. Dennoch rückte er die Stadt immer wieder in den Blickpunkt – man denke nur an die Heimattage 1979, die Landestheatertage, die Chorwettbewerbe und als Höhepunkt die 1200-Jahr-Feier 1977.
Wegweisende Entwicklungen
„Wir haben auf dieses Ereignis hingearbeitet und einen baulichen Rahmen geschaffen“, erinnerte sich Klapproth im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das war die Ringstraße mit all ihren Konsequenzen, die die dann beginnende Sanierung der Altstadt und damit deren Erhalt für die Zukunft sinnvoll möglich machte. Das waren die verschiedenen Brückenbauten, die unsere Stadt nach außen öffneten und eine bessere Anbindung an die Region bedeuteten. Das war die Wiederherstellung der Burganlage, und natürlich gehört der von meinem Vorgänger geplante Bau der Stadthalle als gesellschaftlicher Mittelpunkt bürgerschaftlichen Lebens dazu.“
Beeindruckendes Lebenswerk
Der langjährige OB, der in späteren Jahren gerne auch mal den Gemeinderat mit Entscheidungen überrascht hat, sah die reiche Vergangenheit der Stadt als Verpflichtung, zu erhalten und zu gestalten, was frühere Generationen hinterlassen haben. Darin war er sich mit seiner Ehefrau Waltraud einig, die sich mit einem Förderverein für die Sanierung des Alten Rathauses stark gemacht und mit ihrem Ehemann dafür gesorgt hat, dass diese Sehenswürdigkeit aus dem Jahr 1420 in neuem Glanz erstrahlt. Nicht nur deshalb befand Jürgen Zieger 2010 in seiner Trauerrede: „Das Lebenswerk von Eberhard Klapproth wird mit der Geschichte von Esslingen immer verbunden bleiben.“
Zur Person
Persönlich
Eberhard Klapproth wurde am 6. Dezember 1921 in Zschackau, einer Gemeinde nahe der nordsächsischen Stadt Torgau, geboren. Nach seinem Jurastudium arbeitete er zunächst als Rechtsanwalt in Stuttgart, ehe er Esslinger Oberbürgermeister wurde. Im Januar 2010 ist Klapproth nach langer Krankheit im Kreis seiner Familie gestorben. Er war Vater dreier Kinder, seine Ehefrau Waltraud hat sich als Medizinerin und Vorsitzende des Fördervereins Altes Rathaus einen Namen gemacht.
Politisch
1966 kandidierte Eberhard Klapproth gegen den damaligen Esslinger Oberbürgermeister Dieter Roser (SPD), der seit 1948 die Geschicke der Stadt durchaus erfolgreich gelenkt hatte. Klapproth hatte seine Kandidatur erst 14 Tage vor der Wahl bekannt gegeben. Dennoch entschied er – für viele überraschend – bereits den ersten Wahlgang mit 65,2 Prozent der Stimmen für sich. 1974 wurde er mit klarem Ergebnis das erste Mal wiedergewählt, auch bei seiner letzten OB-Kandidatur 1986 mit einer altershalber nur noch verkürzten Amtsperiode wurde Eberhard Klapproth im ersten Wahlgang in seinem Amt bestätigt. Mit einer Amtszeit von 23 Jahren, vier Monaten und 26 Tagen war der Jurist einer der dienstältesten Oberbürgermeister in der Geschichte der Stadt. Sein Nachfolger war Ulrich Bauer.
Ausgezeichnet
Für seine Verdienste erhielt Klapproth 1990 das Verdienstkreuz erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 1996 verlieh ihm die Stadt Esslingen das Ehrenbürgerrecht.