Eritrea-Krawalle in Stuttgart Polizist: „Ich kam mir vor wie im Krieg“

Mit zahlreichen Einsatzkräften, die in schwerer Montur am Römerkastell anrückten, brachte man die Lage in Griff. Foto: dpa/Jason Tschepljakow

Im zweiten Prozess rund um die Ausschreitungen am Römerkastell steht ein 26-Jähriger vor Gericht, der einen Stein auf Einsatzkräfte geworfen haben soll. Ein Beamter, der sich das Gesicht des Angeklagten eingeprägt haben will, berichtet im Zeugenstand.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Polizisten seien neben ihm weinend zusammengebrochen, hat der 22-Jährige Beamte im Gerichtssaal berichtet. „Ich kam mir vor wie im Krieg. Ich dachte nicht, dass ich da unverletzt wieder rauskommen würde“, fügt der junge Beamte hinzu. Er war einer der 26 Beamtinnen und Beamten, die im September 2023 von Beginn an bei den Ausschreitungen am Rande einer Eritrea-Veranstaltung im Einsatz waren. Als Zeuge sagte er am Dienstag im zweiten Verfahren zu den Krawallen aus.

 

Der Angeklagte, zur Tatzeit 26 Jahre alt, soll einen großen Stein auf Polizeibeamte geworfen haben. Die Ausschreitungen hatten an jenem 16. September „aus dem Nichts“ begonnen, so der Zeuge. Die Polizei war sensibilisiert, dass eine Veranstaltung einer Gruppe als regimetreu geltendes Eritreer in einer Halle auf dem Gelände des Römerkastells Kritiker anziehen könnte. Daher wurde der Eingang gesichert. Auf den massiven und gewaltsamen Protest war sie zunächst nicht eingestellt. „So, wie ich heute hier sitze, nur mit Mütze dazu“, habe er auf dem Gelände mit Kolleginnen und Kollegen gestanden – ohne Helm und Schild, aber mit Schutzweste.

Die Kritiker des Regimes und der Veranstaltung hinter verschlossener Tür griffen nach Latten, Steinen und Stühlen, alles, was nicht niet- und nagelfest war auf dem Areal. Damit versuchten sie, die Polizeisperre vor der Tür zu durchbrechen.

Der Angriff, der dem 26-Jährigen vorgeworfen wird, fand später statt. Der Einsatzleiter habe den Beamten gesagt, sie sollten sich einzelne Angreifer merken. Das habe er beherzigt, als der Angeklagte später einer Polizeikette außerhalb des Römerkastells gegenübergestanden habe. Er habe sehr viel Schwung geholt und einen mehrere Fäuste großen Stein auf die Polizei geschleudert.

Polizeibeamter prägte sich den Mann ein

Der Polizist prägte sich Kleidung, Augen, Statur und Frisur des Mannes ein. Als später die Angreifenden von der Polizei umstellt waren, erkannte er den Mann wieder und meldete das. Der 26-Jährige kam als einziger Tatverdächtiger direkt nach den Ausschreitungen in Untersuchungshaft. Er soll auch schon an ähnlichen Krawallen im hessischen Gießen beteiligt gewesen sein. Die Anklage wirft ihm besonders schweren Landfriedensbruch vor.

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