Erneuerbare Energie Bürgermeister fordert Windrad für den Feldberg

Für den Bau eines Fernsehturms hat man am Feldberg schon mal den Naturschutz zurückgestellt. Foto: TMBW/Silas Stein

Nirgendwo in Baden-Württemberg bläst es so heftig wie auf dem höchsten Gipfel des Landes. Warum sollte man dort eigentlich kein Windrad bauen?

Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)

Es wäre eine echte Landmarke, weithin sichtbar in Baden-Württemberg: Auf dem 1493 Meter hohen Feldberg möchte der Bürgermeister der gleichnamigen Anrainergemeinde Windräder aufstellen. „Wenn man es mit der Energiewende ernst meint, muss man das tun“, sagte Johannes Albrecht (parteilos) gegenüber unserer Zeitung. Für den stark verschuldeten Wintersportort könnte dies einen warmen Geldregen bedeuten. Über die Mitgliedschaft in der örtlichen Weidegenossenschaft, der das Gelände gehört, könnte die Gemeinde Feldberg viel Pacht kassieren.

 

Sein Vorstoß, über den zunächst die „Badische Zeitung“ berichtete, habe viele positive Reaktionen hervorgerufen, sagte Albrecht. Allerdings räumte er auch ein, dass das Thema umstritten sei. Sein Gemeinderat habe sich bisher nicht damit befasst. Anlass für seine Überlegungen sind Diskussionen im benachbarten Lenzkirch. Dort will der Energieversorger EnBW im Wald einen Windpark mit mindestens sechs Anlagen bauen.

Das Auerhuhn lässt fast nichts übrig

Aus seiner Sicht gehe es auch um eine effektive Landnutzung. „Zwei bis drei Windräder auf dem Feldberg können 18 Anlagen in der Fläche obsolet machen“, sagte Albrecht. Der Freiburger Windkraftpionier Andreas Markowsky bezeichnete diese Schätzung zwar als etwas zu optimistisch. Richtig sei aber, dass auf dem Feldberg Windverhältnisse herrschten, die sonst im Südwesten selten seien. „Hier gibt es wesentlich mehr Wind als in Bremen.“ Dies ermögliche Produktionskosten von fünf Cent pro Kilowattstunde, sagte Markowsky. „Im Rheintal liegen wir bei neun Cent.“ Auch er sagte, ein Windrad auf dem Feldberg „wäre ein starkes Symbol für die Energiewende im Land“.

Nur wenn endlich auch verstärkt Flächen oberhalb von 900 Metern mit Windrädern bestückt würden, könne Baden-Württemberg den günstigen CO2-freien Strom produzieren, den die Industrie im Land brauche, sagte Markowsky. Vor allem im Schwarzwald, aber auch auf der Alb und im Allgäu gebe es solche Standorte. „Da haben wir norddeutsche Verhältnisse.“ Allerdings seien 90 Prozent dieser Flächen bisher außen vor, weil sie unter Schutz stünden. Allein das seltene Auerhuhn beanspruche schon 100 000 Hektar in den Höhenlagen für sich. „Da bleibt fast nichts übrig“, sagte Markowsky. Dabei seien negative Folgen für die Tiere durch Windkraftanlagen aus seiner Sicht rein spekulativ. Als eher schwerfälliger Flieger kommt das Auerhuhn jedenfalls nicht bis zu den Rotoren hinauf. Es könne aber gegen den Mast eines Windrades fliegen, heißt es jetzt in einer Untersuchung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg. „Möglicherweise passiert dies bei Witterungsbedingungen mit schlechter Sicht (zum Beispiel Nebel)“, glauben die Forscher.

Bauwerke sind grundsätzlich verboten

Das grün geführte Umweltministerium winkt daher ab. Naturschutzgebiete gehörten zu den „sehr streng geschützten Flächen in Deutschland“, in denen Bauwerke grundsätzlich nicht erstellt werden dürften. „Entsprechend ist die Errichtung von Windkraftanlagen dort verboten“, erklärt eine Sprecherin des Ministeriums. Grundsätzlich seien in Schutzgebieten die Genehmigungsverfahren sehr aufwendig.

Früher war man weniger zimperlich

Auch der Feldberg ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Dies verhinderte in der Vergangenheit allerdings nicht, dass auf dem Berg gebaut wurde. Bis 1998 stand dort eine große Richtfunkantenne der Nato, deren Fundamente noch heute vorhanden sind. Auch ein 82 Meter hoher Fernsehturm und sein Vorgängerbau stehen unweit des Gipfels. Fürs Fernsehen machte man also eine Ausnahme. „Wir haben dort oben ja schon eine Belastung“, sagte Albrecht. Anders als in Lenzkirch müsse auch kein Wald gerodet werden.

Im Umweltministerium besteht dennoch bisher keine Neigung, sich mit der Idee des Bürgermeisters näher zu befassen. „Mit sorgfältiger Planung lassen sich Flächen finden, die sowohl gute Erträge garantieren als auch aus Sicht des Artenschutzes weniger konfliktbehaftet sind“, sagte die Sprecherin. Insgesamt will das Land in diesem Jahr 100 neue Anlagen errichten. Im vergangenen Jahr waren es allerdings nur 16.

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