Ernte im Kreis Esslingen Warum Erdbeeren dieses Jahr besonders aromatisch sind

Barbara Groner bei der Erdbeerernte auf dem Lobenroter Hof in Aichwald. Foto: Ines Rudel

Das Frühjahr war kalt und nass, nun fällt seit Wochen kein Regen. Wie wirkt sich das auf die Erdbeerernte im Kreis Esslingen aus? Drei Landwirte berichten – und erklären, warum die roten Früchte diesmal besonders gut schmecken.

Filderzeitung: Sandra Belschner (sbr)

Der Sommer ist in vollem Gange und das bedeutet Erdbeerernte in Deutschland – auch im Kreis Esslingen. Wie diese verläuft, haben wir bei drei Höfen aus dem Kreis Esslingen nachgefragt: Beim Landwirtschaftsbetrieb Zimmermann in Köngen, beim Lobenroter Hof in Aichwald und beim Obst- und Gemüsehändler Gaiser in Neuhausen.

 

Das Frühjahr war geprägt von Regen und niedrigen Temperaturen. Vor allem die kalten Nächte waren laut dem Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) für die Erdbeeren ideal, weil sie dadurch gleichmäßig reifen konnten – dadurch entstehen viel Aroma, Süße und Vitamine. Auch Gabriele Zimmermann bestätigt, dass das schlechte Wetter keine negativen Auswirkungen auf die Erdbeerernte hatte: „Die Nachttemperaturen im Frühjahr haben sich positiv auf den Geschmack der Erdbeeren ausgewirkt“. Barbara Groner vom Lobenroter Hof gibt allerdings zu bedenken, dass sich die Erntezeit durch das schlechte Wetter deutlich verkürzt: „Wir hatten noch nie so eine schlechte Saison wie in diesem Jahr. Wir haben erst am 25. Mai mit der Ernte begonnen. Aber die Qualität der Erdbeeren stimmt trotzdem“. Die späte Ernte liege aber unter anderem auch an der hohen Lage von Aichtal.

Trockenheit verkürzt die Erdbeerernte

Jetzt trifft die Landwirte das genaue Gegenteil: Für Juni ist es vergleichsweise warm und zu trocken. „Das Gute an den Erdbeeren ist, dass wir diese problemlos bewässern können. Bei anderen Feldern ist das eher ein Problem, beispielsweise bei Kohl“, so Gaiser. Er ist mit der bisherigen Ernte und dem Verkauf des Obstes zufrieden. Anders sieht es auf dem Lobenroter Hof aus. Hier wird die Ernte wegen der Trockenheit nur noch zwei bis drei Wochen dauern, bedauert die Hofleiterin. Sie kann die Pflanzen nicht so gut bewässern. Vor allem für ihre Erntehelfer tue ihr das Leid, weil diese mit einer längeren Ernte und damit auch mit mehr Geld gerechnet haben.

Laut dem VSSE sind regionale Erdbeeren bei den Kunden beliebt. In die Hände spielen dürfte den regionalen Landwirten eine Debatte um Erdbeeren vom spanischen Festland. Denn diese sind zwar günstig, allerdings in puncto Nachhaltigkeit bedenklich. Die Pflanzen benötigen in den warmen Gebieten viel Wasser. So viel Wasser, dass der Erdbeeranbau die ohnehin schon herrschende Trockenheit in einigen spanischen Regionen verstärkt.

Deshalb fordern Umweltschützer deutsche Supermärkte nun dazu auf, die spanischen Erdbeeren nicht mehr zum Verkauf anzubieten. Der Verein Campact hat dafür sogar eine Petition ins Leben gerufen, die mittlerweile von fast 167 000 Menschen unterschrieben wurde. Auswirkungen der Debatte spüren die Bauern in der Region noch nicht. „Dazu gibt es keine Erhebungen und wir beliefern auch keine großen Discounter. Aber wir haben schon den Eindruck, dass generell regionale Produkte immer beliebter werden und stärker nachgefragt werden.“ Die Leute würden Regionalität schätzen, kurze Wege vom Anbau bis zum Verbraucher. „Durch die kurzen Wege haben wir die Möglichkeit, schnell zu liefern – dann, wenn die Früchte auch wirklich reif sind. Das macht sich im Geschmack der Erdbeeren bemerkbar“, sagt Zimmermann.

Driplines gegen den Wasserverbrauch

Auch Gaiser findet den Verkauf der spanischen Erdbeeren hierzulande problematisch: „Was die da in Spanien machen, ist umweltschädlich. Aber von den Kunden bekomme ich dazu keine Rückmeldungen, weil wir unseren festen Kundenstamm haben“. Um den Anbau der Erdbeeren nachhaltiger zu gestalten, setzt er auf seinem Hof seit Jahren auf sogenannte Driplines. Dadurch bekommt jede Pflanze unterirdisch Wasser, gezielt direkt an die Wurzel. „Dadurch brauchen wir viel weniger Wasser als mit dem Gießen über Kopf“, erklärt der Landwirt.

Um die Erdbeersaison zu bewerkstelligen, setzen die meisten Betriebe auf Saisonarbeiter aus dem Ausland, was während der Coronapandemie nicht möglich war. Auch die befragten Landwirte aus der Region arbeiten mit Erntehelfern. Anders wäre die Arbeit in den entsprechenden Monaten gar nicht zu schaffen, sagt Zimmermann. Auf dem Hof in Köngen werden vor allem Kräfte aus Polen eingesetzt. Viele kommen schon seit einigen Jahren zur Erdbeerernte nach Deutschland. Mittlerweile bringen sie ihre Kinder mit.

Gaiser hat drei Festangestellte, der Rest der Ernte wird mit Saisonarbeitern bewältigt. Doch in dieser Saison müssen die Landwirte den Erntehelfern mehr bezahlen als noch in der Vorsaison. Vergangenen Oktober wurde der gesetzliche Mindestlohn von 10,45 Euro auf zwölf Euro pro Stunde erhöht – und das macht sich auf den Höfen bemerkbar. „Die steigenden Löhne merken wir extrem“, sagt Gaiser.

Allerdings gibt es auch eine Verbesserung zum Vorjahr, denn 2022 kamen noch die hohen Spritpreise als zusätzliche finanzielle Belastung dazu. Der Landwirt aus Neuhausen zahlt dieses Jahr im Schnitt 1,60 Euro für den Liter und spart damit 40 Cent pro Liter im Vergleich zu Vorjahr.

Selbst pflücken – oder gleich selbst anbauen

Erntezeit
 Die Erdbeerzeit ist stark vom Wetter abhängig, deshalb kann sie sich von Jahr zu Jahr etwas verschieben. Je nach Region und Witterungslage blühen Erdbeeren von April bis Mai. Entsprechend können in milden Regionen die ersten Erdbeeren schon ab Mai geerntet werden. Die Erdbeersaison endet spätestens Anfang August. Erdbeerzeit ist grob gesagt also von Mai bis Juli. Wenn die Erdbeeren in einem Folientunnel angebaut werden, kann die Ernte auch schon etwas früher beginnen.

Selbst ernten
 Im Kreis Esslingen gibt es einige Optionen zum Selbstpflücken. Beispielsweise auf dem Berghof in Deizsau, auf dem Zimmermann-Hof in Köngen, beim Lobenroter Hof in Aichwald und bei Vogel’s Hofladen in Filderstadt. Die Öffnungszeiten variieren je nach den Wetterbedingungen. Wer selbst Erdbeeren anbauen möchte, sollte Walderdbeeren wählen, da diese besonders lange Früchte tragen.

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