Eröffnung OB Kuhn fordert mehr Gedenkstätten

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Gerda Taro war Stuttgarterin und starb als Kriegsfotografin im Spanischen Bürgerkrieg. Nun ist der Platz, der an sie erinnert, aufgehübscht und eingeweiht. Der OB Kuhn äußerte bei der Eröffnung einen bemerkenswerten Wunsch.

Volker Schirner und Fritz Kuhn pflanzen symbolisch einen Baum an der neuen Gedenkstätte. Foto: Nina Ayerle
Volker Schirner und Fritz Kuhn pflanzen symbolisch einen Baum an der neuen Gedenkstätte. Foto: Nina Ayerle

S-Mitte - Vor sechs Jahren erhielt der Platz seinen Namen. Die Wiese zwischen Olgaeck, Technischer Oberschule und Alexanderstraße wurde nach der in Stuttgart geborenen Kriegsfotografin Gerda Taro benannt. Lange war der Platz wohl auch für aufmerksame Passanten nicht als solcher erkennbar. Vielmehr wurde die Grünfläche meistens von Hundebesitzern zweckentfremdet. Die Idee, den Platz aufzuwerten und aus dem Stück urbaner Wildnis an der Hohenheimer Straße eine Gedenkstätte zu machen, die ihren Namen verdient, gab es seit Jahren. Nur ist es von der Idee bis zu Planung und Umsetzung manchmal ein weiter Weg.

In dieser Woche endete aber die Geschichte, die zunächst nicht enden wollte, mit der Einweihung des neugestalteten Gerda-Taro-Platzes durch den Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Volker Schirner, Amtsleiter des Garten-, Forst- und Friedhofsamtes. „Die Stadt tut gut daran, das Gedenken an Gerda Taro endlich öffentlich zu machen“, sagte der OB bei der Einweihung am vergangenen Dienstag. Vielmehr sollten an vielen Orten in Stuttgart solche Gedenkstätten geschaffen werden, zur Erinnerung an Stuttgarter Bürger, die etwas Besonderes geleistet haben. „Wir wollen ja auch zeigen, welche bedeutenden Menschen aus Stuttgart kommen“, schloss Kuhn seine Rede ab.

Jüdin und Widerstandskämpferin

Gerda Taro kam in Stuttgart in der Alexanderstraße zur Welt. Von dort zog es die Jüdin und Widerstandskämpferin später nach Leipzig. Nachdem sie im Gefängnis hatte sitzen müssen, floh sie nach Paris. Dort begann sie zu fotografieren, weil das damals in Frankreich geltende Arbeitsverbot für Flüchtlinge freie künstlerische Arbeiten nicht betraf. Taro gilt nicht nur als Pionierin in der Fotografie, sondern auch als bedeutende Kriegsfotografin. Sie war die erste Frau, die inmitten des Kampfgeschehens fotografierte.

Taro starb im Alter von 26 Jahren bei der Arbeit im Spanischen Bürgerkrieg, als sie während eines Luftangriffs von einem Panzer überrollt wurde. „Sie war außerdem die erste Fotografin, die bei einer Kriegsreportage ums Leben kam“, berichtete die Taro-Biografin Irme Schaper. Auf dem umgestalteten Platz erinnern nun neun Stelen an Leben und Wirken Gerda Taros. Auf den Stelen verteilt steht der Name der Fotografin. Zudem ist die bisherige Grünfläche in drei kleine Inseln aufgeteilt worden, zwei neue Ahornbäume ersetzen zwei alte Bäume, die beschädigt waren und deshalb entfernt werden mussten. Die Baumbeete wurden mit Betonelementen eingefasst und mit Sitzgelegenheiten versehen.

Kosten für den Platz belaufen sich auf 280 000 Euro

Nach langwierigen Diskussionen über Gestaltung und Finanzierung des neuen Platzes sollten die Arbeiten eigentlich schon im vergangenen Jahr nicht nur beginnen, sondern auch abgeschlossen sein. Allerdings war das Projekt beim Gartenamt auf die lange Bank gerutscht: Überlastung gab der Amtsleiter Volker Schirner als Grund für die Verzögerung an. Mit Planung, Gestaltung und Bauleitung war das Stuttgarter Büro Plankontor S1 von Ulrich Schuster betraut. Auf rund 280 000 Euro belaufen sich letztlich die Kosten für die Gedenkstätte, finanziert mit Mitteln aus der sogenannten Stadtentwicklungspauschale (Step). Ein Viertel des Geldes benötigte das Stadtplanungsamt allerdings allein für die Bezahlung eines Designbüros sowie für die Historikerin Irme Schaber, die das Gedenkkonzept erstellte.

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