Erotikboutique Frau Blum in Stuttgart Überwältigt von der Unterstützung ihrer Fans

Alexander Steinmann (li.) und Mascha Hülsewig in ihrer Erotikboutique Frau Blum. Foto: Lichtgut/A/him Zweygarth

Der Hilferuf von Mascha Hülsewig und Alexandra Steinmann über die Notlage ihrer Erotikboutique Frau Blum verursacht eine Solidaritätswelle, die beide überwältigt. Wie geht es weiter mit ihrem Fachgeschäft für Lust? Derweil dreht der SWR die Serie „Lust“.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Das klassische Fernsehen, das Programme linear abspult, zielt an jungen Menschen vorbei. Wer unter vierzig ist, streamt lieber. Youtube, Netflix und Co. haben in der Generation Y, die zwischen 1980 und 1999 geboren ist, die öffentlich-rechtlichen Sender überholt. Die Generation Y ist die letzte Generation, die eine Kindheit ohne Smartphone verbracht hat – und jetzt schaut sie lieber digital, statt analog wie einst ihre Eltern am Fernsehgerät.

 

Für die ARD-Anstalten heißt das: Wir müssen dorthin, wo die Jungen sind! Der SWR streicht Programme für die Ü-60-Generation im linearen Fernsehen und produziert Filmstoff, der für die junge Zielgruppe nur in der Mediathek oder bei Youtube zu sehen ist. Bis Juli wird in Stuttgart die Serie „Lust“ mit acht Folgen à 30 Minuten gedreht.

Die Beziehung soll für eine „experimentelle Phase“ unterbrochen werden

Wer jung ist, muss sich ausprobieren und alles hoffen dürfen. Freddy und Zeno (gespielt von Linda Blümchen und Simon Steinhorst) sind ein junges Paar der Generation Y und seit dem Teeniealter zusammen. Jetzt gehen sie auf die dreißig zu und fürchten, etwas zu verpassen. Vor allem der junge Mann spürt den Drang, seine Beziehung für eine experimentelle Phase zu unterbrechen.

Lust ist ein Motor – auch bei Freddy und Zeno, die sich nach ihrer Trennung in Abenteuer via Dating-Apps stürzen, dabei Peinlichkeiten durchqueren und in einer Selbstfindungsphase landen, die noch nicht so klar erkennen lässt, wo der Platz in ihrem Leben ist. Das Publikum, so die Absicht der Produzenten, soll in einer „melancholischen Comedy“, die Witz und Traurigkeit gleichermaßen enthält, „zwischen Fremdscham und Zuneigung hin- und hergerissen sein“.

Wo in Stuttgart gedreht wird

Drehorte sind in Stuttgart unter anderem das Theaterhaus, der Eugensplatz, die Staatsgalerie, der Bismarckturm und das Pressehaus. Regie führen Pia Hellentahl und Bartosz Grudziecki, der auch Headautor ist. Das Publikum, so viel verrät der SWR bereits, könnte am Ende hoffen, dass Freddy und Zeno noch rechtzeitig merken, was für ein tolles, sich trotz allem liebendes Paar sie sind.

Die Lust kann zur Last werden. Die Schulfreundinnen Mascha Hülsewig und Alexandra Steinmann erleben dies. Ihre Erotikboutique Frau Blum im Westen, die aus der Schmuddelecke eines klassischen Sexshops führen soll und sich als Art Institut für sexuelle Bildung versteht, ist in finanzielle Not geraten. „Wir stecken unser ganzes Herzblut rein, aber die Verkäufe reichen nicht zum Überleben“, erklärten die Chefinnen in unserer Zeitung. Explodierende Kosten beim Einkauf und für Energie seien Hauptgründe dafür. Das Ladensterben geht um.

Daraufhin setzte eine Solidaritätswelle unter dem Motto „I love Frau Blum“ ein. „In den sozialen Medien ging und geht es immer noch rund“, berichtet Mascha Hülsewig, „die Leute teilen unsere Beiträge so viel, dass wir es gar nicht mehr nachverfolgen können.“

„Wir müssen uns verändern“

Sehr viele Zuschriften seien gekommen, die Besuchsfrequenz im Laden steigt wieder an, auch Spenden wurden überwiesen, etliche kauften Gutscheine, und Referentinnen und Referenten wollten auf ihr Honorar verzichten. Die schnelle Hilfe der Fans von Frau Blum führte dazu, „dass wir Rechnungen und Miete begleichen können“. Über vieles hat Mascha Hülsewig mit ihrer Kollegin nachgedacht. „Wir müssen uns verändern“, sagt sie, „denn die wirtschaftliche Lage mit Inflation, Verteuerung und Unsicherheit verbessert sich nicht so schnell.“

Man werde neue Geschäftsideen verfolgen, aber die Sexualität werde „Kern unserer Mission“ bleiben, sagt Hülsewig: „Dafür brennen wir!“ Schnell handeln mussten die Blums am Freitag, weil die geplante Referentin Deborah Sundah, eine Expertin für weibliche Sexualität, wegen Krankheit abgesagt hat. Solidarisch sprangen Burlesque-Tänzerinnen ein. Ein drohender Verlust für die Lust macht kreativ und erfinderisch.

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