Erotik-Zug startet in Stuttgart Im Exzess-Express über die Dörfer

Von Uwe Bogen 

Dieser Zug ist abgefahren: In der Nacht auf Sonntag rollt die etwas andere schwäbische Eisenbahn mit Lack, Leder und viel Glitzer über die Dörfer. Seit September sind alle Karten für die Erotik-Party auf Rädern verkauft.

Ein Model wirbt  für die etwas andere Zugnummer, die in Stuttgart startet. Foto: Andi Bell
Ein Model wirbt für die etwas andere Zugnummer, die in Stuttgart startet. Foto: Andi Bell

Stuttgart - Es ist die abgefahrenste Party der Stadt: Bunt, schrill, bizarr und sehr sexy – so kleiden sich rund 600 Gäste für den „Unverschämten Zug“. Wenn die etwas andere schwäbische Eisabahne rockend rollt, wird geflirtet und gefeiert auf der vierstündigen Fahrt rund um Stuttgart – freizügig und lustbetont. In der Nacht zum Sonntag geht’s zum neunten Mal auf dem Hauptbahnhof los. In der zuweilen als bieder verspotteten Stadt herrscht Bock auf Lok. Alle Karten für je 79 Euro waren bereits im September verkauft.

Auf der Fahrt herrscht strenges Fotografierverbot

Die Alltagsklamotten landen für die SM-Bahn am Bügel. An ihren Körper lassen die meisten Gäste nur wenig, bevorzugt in Form von Lack und Leder. „Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt der Veranstalter, „wir freuen uns über Fetisch-Garderobe aller Art, Glamour, Burlesque, Uniformen, Kinky, Glitzer, elegante Abendrobe und über vieles mehr.“ Viele Fahrgäste statten sich dafür in der Erotique-Boutique Frau Blum im Stuttgarter Westen aus. Mascha Hülsewig, eine der beiden Geschäftsführerinnen, berichtet von „großer Vorfreude“ auf die „unverschämte“ Party, die sie bei ihren Kunden spürt. Die Stimmung bei der nächtlichen Zugfahrt über die Dörfer sei „einzigartig“, schwärmt sie. Handys werden an der Garderobe abgegeben. Auf der Fahrt herrscht strenges Fotografierverbot.

Bitte Türen schließen beim Exzess-Express! Eine geschlossene, also nicht öffentliche Gesellschaft trifft sich in den Waggons mit zwei DJs. Auf Werbung sind die Veranstalter nicht angewiesen. Ein Selbstläufer ist ihre Party, zu der die Gäste, vor allem im Alter von 20 bis 50 Jahren, aus allen Teilen Deutschlands und Nachbarstaaten anreisen. Die oft verkannte Spaß- und Party-Metropole Stuttgart zeigt, wie bunt, vielfältig, liberal und freizügig sie ist. Die veranstaltende Agentur organisiert Partys weltweit. Ausleihen kann man die Waggons über die Schienenverkehrgesellschaft, die ausschließlich als Sonderzug-Anbieter tätig ist.

Kondome liegen bereit

Für die Sicherheit der Fahrgäste ist gesorgt. Kondome liegen bereit. „Kitkat auf Rädern“, so wird der „Unverschämte Zug“ auch genannt. Der Berliner Techno-Club Kitkat ist bekannt für seine Erotiknächte mit Fetisch-Kostümen. „Viele kommen zu uns, weil sie gern Sexy-Outfits tragen und dabei unter sich sein wollen“, sagt der Veranstalter, der seinen nächsten Partyzug für Sommer zum CSD plant. Es wird also Zeit, das Lied auf die Schwäbische Eisenbahn umzudichten. Der neue Text könnte lauten: „Uff dr scharfa Eisabahne, / kommscht mit Peitsche ins Nirwana, / Gaildorf, Ulm und Biberach, / Leder, Lack, a heiße Sach.“

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