Erstes Katzencafé in Stuttgart Auf einen Kaffee bei Kater Spooky

Daniel di Stefano ist Katzenliebhaber und Caféinhaber. Foto: Marion Brucker
Daniel di Stefano ist Katzenliebhaber und Caféinhaber. Foto: Marion Brucker

Im Stuttgarter Westen gibt es das erste Katzencafé der Landeshauptstadt. Vor der Eröffnung hat der Inhaber einige Hürden nehmen müssen.

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Stuttgart - Bisher haben sie nur durch das Fenster auf ihrem Weg zur Kita reingeguckt. Doch heute ist es wahr geworden, für Melinas dreijährige Tochter, ihren fünfjährigen Sohn und dessen sechsjährige Freundin: Die Kita ist ausgefallen und die Mutter, die ihren vollständigen Namen und den der Kinder nicht nennen will, ist mit den dreien in Stuttgarts erstes Katzencafé gegangen: das Happy Cat’s Café & Trattoria in der Arndtstraße im Westen hat vor drei Wochen aufgemacht.

Dort rekeln sich Blue, eine Mischung aus Maine-Coon-Perser, und Spooky, ein eineinhalbjähriger Siamkater auf den Katzenbäumen, schleichen dicht unter der Decke auf einem Holzsteg über den Gästen hin und her oder liegen auf einem der Sitzkissen und schauen zum Fenster hinaus.

Blue und Spooky sind ins Café gezogen

„Die Leute wundern sich immer, dass meine Katzen so entspannt sind“, sagt Daniel di Stefano, der Inhaber des Katzencafés. Er führt dies darauf zurück, dass es sich um seine eigenen Wohnungskatzen handelt. Er hat seit fast 20 Jahren Katzen und sie gezielt bei Züchtern ausgesucht. Aus ursprünglich zwei Katzen sind 13 geworden, die in seinem Reihenhaus in Sindelfingen leben. Blue, sein erster eigener Katzennachwuchs, lebt jetzt zusammen mit Spooky für immer im Café. Sie sind den Umgang mit vielen Menschen gewohnt. Durch seine heute 14-jährigen Zwillingssöhne und seine zwölfjährige Tochter aus erster Ehe sowie die beiden Söhne seiner zweiten Ehefrau Miya seien die Katzen gut vorbereitet und auch Kinder gewohnt. „Katzen an sich sind sehr eigenwillige Tiere. Sie entscheiden eigenständig, ob sie die Nähe suchen, zu jemanden gehen oder nicht“, sagt Petra Veiel, Pressereferentin im Tierheim Stuttgart.

Ehefrau hatte die Idee

Seiner Gattin Miya hat di Stefano die Idee mit dem Katzencafé zu danken. Sie stammt aus der Umgebung von Schanghai, wo es mehrere Katzencafés gibt. Dort sei es noch schwieriger, Katzen in Städten zu halten als in Stuttgart. Als ihm sein Arzt geraten habe, seinen Stress im Berufsleben zu reduzieren, wenn er noch seine Enkelkinder erleben wolle, entschloss sich der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann seine Selbstständigkeit in der Baubranche aufzugeben und die Idee umzusetzen. Ende 2020 suchte er nach Räumlichkeiten. Im Februar 2021 eröffnet er zunächst das Café mit einem Bubble-Tea-Verkauf. „Der hat uns bislang getragen“, sagt di Stefano. Mit den Katzen musste er warten.

„Die bürokratischen Hürden waren extrem“, erzählt er. Ende Oktober habe er eine Sachkundeprüfung gemäß § 11 Tierschutzgesetz in Potsdam gemacht. Sie berechtigte ihn sogar, eine Katzenabteilung im Tierheim zu betreuen. Doch die Prüfung habe man in Stuttgart nicht so ohne Weiteres anerkannt. In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und dem Veterinäramt sei ihm aber dann doch das Katzencafé genehmigt worden. Zu den Vorschriften gehören unter anderen ein Katzenklo für jede Katze, separat stehende Wasser- und Futterschalen für jedes Tier und ausreichend Rückzugsgebiete. Letztere finden sie zum Beispiel in einem durch eine Katzenklappe zugänglichen separaten Raum. Aber auch innerhalb des Cafés selbst gibt es Rückzugsräume.

Gäste müssen sich an Regeln halten

„Wenn die Tiere Rückzugsmöglichkeiten und keine Lust mehr haben, den Damen und Herren den Tag im Café zu versüßen, ist das im Prinzip kein größer Stress als zu Hause auch“, so Petra Veiel. Das sehen manche Menschen anders. Auf seinen sozialen Medien-Accounts wird di Stefano von wie er sagt „selbst ernannten Tierärzten, die alles besser wissen“ angegriffen. Er lösche die Kommentare nicht, sondern antworte auf jeden. Wer durch die Glastür will, hinter der sich der Raum mit den Katzen befindet, dem drückt di Stefano erst einmal ein Paar blaue Überschuhe in die Hand. So schützt er die Tiere vor durch Straßendreck bedingte Krankheitsquellen. Die Gäste müssen sich nicht nur an die aktuellen Coronavorschriften halten, sondern auch an bestimmte Regeln. Sie stehen in großen schwarzen Buchstaben auf der Glastür. So dürfen schlafende Katzen nicht geweckt werden. Verboten ist auch das Hochnehmen der Katzen sowie das Ziehen an Ohren und Schwänzen. Die Katzen dürfen nicht mit Kuchen gefüttert werden. Im Café stehen Leckerlis für die Vierbeiner bereit. Wer ein Foto von Blue oder Spooky machen will, darf nicht blitzen.

Besuch entschädigt dafür, selbst keine Katze anzuschaffen

Die drei Kinder im Café denken nicht einen Augenblick daran, dies zu tun. Sie wollen die Katzen am liebsten nur streicheln und am besten gleich selbst eine Katze zuhause haben. „In einer Stadtwohnung ist das nicht so ideal“, meint jedoch Mutter Melina. Deshalb begrüßt sie die Idee mit dem Café. „Ich komme bestimmt wieder, wenn ich etwas Besonderes mit den Kindern machen möchte“, sagt sie.




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