Erstes TV-Triell Ein Unentschieden mit klarem Sieger

Unentschlossene folgen gern dem aktuellen Favoriten – das bleibt Olaf Scholz. Foto: dpa/Michael Kappeler

Obwohl alle drei Bewerber um die Kanzlerschaft im ersten TV-Dreikampf Akzente setzen können, sieht das Publikum den SPD-Kandidaten Olaf Scholz klar vorn, meint unser Berliner Korrespondent Christopher Ziedler.

Berlin -

 

Der Vorwurf, dass es in diesem Wahlkampf nur um Lacher, Lebensläufe und Literaturhinweise geht, lässt sich nach dem ersten TV-Dreikampf zwischen Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz nicht mehr aufrecht erhalten. Natürlich tauchten wichtige Fragen rund um die dümpelnde Digitalisierung, die schlecht ausgestattete Pflegebranche, Europas fehlende Migrationspolitik oder die Zukunft des Rentensystems gar nicht oder nur am Rande auf. Und dennoch wurden beim Privatsender RTL in 110 Minuten ohne Werbeunterbrechung inhaltliche Unterschiede in einer Reihe von Fragen deutlich – beim konkreten Vorgehen zum Klimaschutz, in der Steuerpolitik, bei der Pandemiebekämpfung.

Alle drei konnten einzelne Treffer landen

Die beiden Kandidaten wie auch die Kandidatin konnten an verschiedenen Stellen Akzente setzen – Baerbock mit dem Vorwurf an Laschet, für Minderjährige sei es in der Gegenwart ein schwacher Trost, wenn die Union keine Kinder-Grundsicherung finanzieren wolle und nur auf Aufstieg durch Bildung setze. Laschet konnte Scholz in die Enge treiben, weil seine Partei bisher die Anschaffung bewaffneter Drohnen verhindert habe zum Schutz von Bundeswehrsoldaten, die eben aus dem gefährlichen Afghanistan-Einsatz zurückgekehrt sind. Scholz wiederum konnte Laschet mit dem Hinweis auflaufen lassen, dass die von ihm geforderte Vorratsdatenspeicherung bereits beschlossene Sache sei, aber noch vor Gericht geprüft werde.

Hoffnung für Baerbock, Ernüchterung für Laschet

Ein Punktrichter im Boxen hätte womöglich ein Remis festgestellt. Wie beim Faustkampf der Titelverteidiger auch mit einem Unentschieden gewinnt, so konnte auch der SPD-Kanzlerkandidat Scholz seinen Umfragevorsprung nach dem Triell halten. Obwohl sein Auftritt mitunter etwas schläfrig wirkte, sahen ihn die Zuschauer einer Forsa-Befragung zufolge insgesamt vorn und auch als den sympathischsten Teilnehmer der Runde. Auf Platz zwei landete hier die Grüne Baerbock, die sich nach ihrem demoskopischen Absturz der vergangenen Monate wieder Hoffnung machen darf, kurz vor der Wahl wieder ins Rennen zurückzufinden. Der durchaus angriffslustige CDU-Chef Laschet wiederum kam beim Publikum weniger gut an, er wird es in den verbleibenden knapp vier Wochen bis zur Bundestagswahl nun noch schwerer haben, das Ruder noch einmal herumzureißen. Der Prozess, im Zuge dessen sich immer mehr Unentschlossene dem aktuellen Favoriten anschließen, scheint nun eingesetzt haben. Es läuft gut für Olaf Scholz.

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