Ertrunkenes Flüchtlingskind in der Türkei Ein Foto sorgt für Bestürzung

Von red/dpa 

Das Bild eines toten Flüchtlingsjungen am Strand der türkischen Stadt Bodrum rührt die Menschen und soll nun auch dem Letzten klarmachen, welch Dringlichkeit die Flüchtlings-Problematik hat.

Ein kleiner Flüchtlingsjunge lag tot am Strand in der Türkei. Foto: AP
Ein kleiner Flüchtlingsjunge lag tot am Strand in der Türkei. Foto: AP

Bodrum - Fotos eines ertrunkenen Flüchtlingskindes haben in den sozialen Netzwerken und internationalen Medien große Betroffenheit ausgelöst. Eine an einem Strand im türkischen Bodrum entstandene Aufnahme zeigt den angespülten leblosen Körper des Jungen halb im Wasser liegend, in der Nähe zwei Polizisten. Das Bild erschien am Donnerstag groß auf den Titel- oder Rückseiten großer internationaler Zeitungen, darunter auch der „Guardian“ in Großbritannien.

"Ohne Worte"

In Deutschland druckte die „Bild“-Zeitung das Foto auf der kompletten Rückseite auf schwarzem Hintergrund. Es zeigt den toten kleinen Jungen mit dem Gesicht nach unten am Strand liegend. Die türkische Zeitung „Hürriyet“ veröffentlichte das Bild auf der Webseite mit der Überschrift „Dunyavi sarsti“ (“Die Welt erschüttert“). Unter dem Hashtag „#KiyiyaVuranInsanlik“ (in etwa: „Menschheit an die Küste gespült“) sorgten die Fotos auf Twitter für zahlreiche Reaktionen. „Alles, was bleiben wird, sind unsere gebrochenen Herzen“, schrieb ein Nutzer. „Wenn dieses Bild die Welt nicht verändert, haben wir alle versagt“, schrieb eine andere. „Mir kamen die Tränen (...)“, meinte eine andere. „Ohne Worte“, schrieb ein weiterer Nutzer.

„Meedia.de“ sprach von einem „medialen Wendepunkt“ in der Flüchtlingskrise. Der dreijährige Junge, der Aylan Kurdi heißen soll, gehörte einem Bericht des „Guardian“ zufolge zu einer Gruppe von mindestens zwölf syrischen Flüchtlingen, die am Mittwoch vor der türkischen Küste ertrunken waren. Auch sein fünfjähriger Bruder soll ums Leben gekommen sein. Der Junge soll aus dem syrischen Kobane stammen und machte mit seiner Familie die gefährliche Überfahrt zur Hafenstadt Kos in Griechenland. Nach Angaben der Zeitung „Ottawa Citizen“ wollte die Familie nach Kanada. Der einzige Wunsch des Vaters sei es nun, mit seiner toten Familie nach ins syrische Kobane zurückzukehren und sie dort zu begraben, zitiert das Blatt die Familie. Die Schwester des Vaters, Teema Kurdi, lebt schon seit 20 Jahren in Vancouver. Sie habe per Telefon von einer Verwandten von dem Unglück erfahren. „Sie wurde von Abdullah angerufen und alles, was er sagte, war: „Meine Frau und meine beiden Kinder sind tot.““, zitiert der „Ottawa Citizen“ Teema Kurdi.

Griechische Presse reagiert schockiert

Fast die gesamte griechische Presse hat am Donnerstag schockiert auf das Foto eines Flüchtlingsjungen reagiert, der tot am Strand vom türkischen Bodrum angespült wurde. Das Kind ertrank am Vortag vor der türkischen Küste beim Versuch, zusammen mit anderen Migranten die griechische Insel Kos zu erreichen. „Es reicht“, titelt die Athener Zeitung „Ta Nea“ über dem Bild des Kindes auf der ersten Seite. Europa zeige sich „unzulänglich“ in dem Migrations-Drama. Ähnlich reagierte die linke Zeitung „Efimerida ton Syntakton“: „Was versteht Ihr denn nicht?“, fragt das Blatt in Richtung Europa. Die Werte der Europäischen Kultur würden zu Land und zu Wasser auf die Probe gestellt, meint das Blatt.