Erzgebirge Aue gegen VfB Stuttgart Woran es im Spiel des VfB wirklich hakte

Von Gregor Preiß 

Warum der VfB-Motor bei Erzgebirge Aue ins Stottern geriet – und warum die Analyse des Sportdirektors Sven Mislintat nach der Nullnummer am Freitagabend überraschte.

Kampf ist Trumpf: Calogero Rizzuto (unten) trennt VfB-Rechtsverteidiger Pascal Stenzel robust, aber fair vom Ball. Foto: Baumann
Kampf ist Trumpf: Calogero Rizzuto (unten) trennt VfB-Rechtsverteidiger Pascal Stenzel robust, aber fair vom Ball. Foto: Baumann

Aue - Sehen so Tabellenführer aus? Holger Badstuber schimpfte nach dem Ende der siebenminütigen Nachspielzeit wie ein Rohrspatz, weil die allerletzte Freistoßflanke viel zu lange in der Luft gewesen und nicht zu verwerten war. Daniel Didavi, der bereits ausgewechselte Spielmacher, ging im roten Pulli und herunterhängenden Stutzen zum Schiedsrichter Felix Zwayer und holte sich nach dem Schlusspfiff noch die Gelbe Karte wegen Meckerns ab. Auch der Trainer Tim Walter lief mit hochgrimmigem Blick aufs Spielfeld – und war reichlich geladen.

Der VfB Stuttgart also hat zumindest über Nacht die Tabellenführung in der zweiten Liga übernommen nach dem 0:0 am Freitagabend beim FC Erzgebirge Aue – zum Feiern aber war eher keinem zumute. Denn dafür war die Leistung insgesamt zu dürftig, auch wenn die Stuttgarter nach der Gelb-Roten-Karte gegen Linksverteidiger Borna Sosa (67.) zumindest mehr als 23 Minuten lang mildernde Umstände geltend machen durften.

Und dafür fühlten sie sich zu verschaukelt von Schiedsrichter Felix Zwayer, der in der 32. Minute keinen Elfmeter gab nach einem klaren Foul an Stürmer Nicolas Gonzalez im Strafraum.

Trainer Tim Walter aber, immerhin, ging hinterher nicht nur mit dem Referee ins Gericht, er kritisierte auch seine Jungs. „Wir waren nicht zwingend genug im Abschluss, dabei hatten wir genügend Torchancen“, sagte er.

Ein zähes Ringen

Auch der Rechtsverteidiger Pascal Stenzel gab sich bei allem Ärger über den Referee selbstkritisch. „Der Punkt ist zu wenig“, sagte er, „unser Anspruch ist es, in Aue zu gewinnen – wir müssen das Spiel vor dem Platzverweis entscheiden.“

Es war jedenfalls ein zähes Ringen für den VfB im Erzgebirge. Tim Walter setzt ja mantraartig auf Ballbesitz – und er bekam Ballbesitz. Allerdings: Gegen die tief stehenden Gastgeber zeigte es sich, dass es mit den Lücken so seine Tücken haben kann. Denn der VfB fand sie meist nicht – weil er zu wenig Tempo, Tiefgang und Bewegung im Spiel hatte.

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Obendrein machte die Auer Truppe das, was sie am besten kann: Kämpfen, kämpfen – und kämpfen. Das alles führte zu einem wenig attraktiven Spiel. Der VfB dominierte zwar und warf seine Angriffsmaschinerie immer wieder an. Die aber stotterte oft gewaltig. Auch, weil Aue den berühmten Bus vor dem eigenen Tor parkte. Es hatte von den Ausrichtungen etwas von dritter Liga gegen erste Liga, von David gegen Goliath – allein: man begegnete sich doch auf Augenhöhe, und zwar genau in der Mitte. In Liga zwei.

Dennoch kamen die Stuttgarter zu einigen guten Möglichkeiten – die größte vergab Philipp Klement eine Minute vor der Pause. Frei kam er aus kurzer Distanz zum Kopfball nach einer wunderbaren Flanke von Gonzalez – und setzte die Kugel neben den Kasten.

Selbst in Unterzahl spielte der VfB dann später in Hälfte zwei noch nach vorne, Siegeswille und Offensivdrang waren dem Walter-Team nicht abzusprechen – und es gab auch noch mit zehn Mann Möglichkeiten.

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In der 71. Minute scheiterte Klement aus neun Metern an Aues Keeper Martin Männel – ebenso wie zwölf Minuten später der zur Pause eingewechselte Acht-Millionen-Euro Neuzugang Silas Wamangituka. Der Kongolese zog in der 83. Minute im Strafraum aus halbrechter Lage ab, doch Keeper Männel parierte. Wenig später dann hatte der VfB Glück, als der Auer Pascal Testroet am Fünfmeterraum per Kopf frei zum Abschluss kam – und den Ball in Minute 87 vorbei setzte.

Es fehlt Tempo

Am Ende stand das 0:0 – und hinterher eine Analyse des VfB-Sportdirektors Sven Mislintat, die, nun ja, ein bisschen seltsam anmutete. Denn Mislintat sprach von einem „herausragenden Spiel von uns“, man habe sich gegen „alle Widerstände durchgesetzt“ und eine „super Mannschaftsleistung“ geboten. „Nur das Tor hat gefehlt“, schloss Mislintat: „Und wenn man es nicht schafft, ein Tor zu schießen, dann muss halt die Null stehen.“

Das war dann zum Ende ein doch arg rosaroter Blick auf die Dinge – denn dem VfB fehlte gegen einen limitierten Gegner nicht nur ein Tor. Sondern auch Esprit, Tempo und Durchschlagskraft.