Esslingen Die Kirche setzt auf junge Kandidaten

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In wenigen Wochen stehen mehr als 100 000 Katholiken vor der Wahl der Kirchengemeinderäte.

Die Katholiken im Dekanat Esslingen stehen vor der Kirchenwahl. Der Kreis ist evangelisch geprägt, es gibt aber mehrere traditionell katholische Gebiete wie etwa Neuhausen mit seiner mächtigen Kirche. Foto: /Horst Rudel.
Die Katholiken im Dekanat Esslingen stehen vor der Kirchenwahl. Der Kreis ist evangelisch geprägt, es gibt aber mehrere traditionell katholische Gebiete wie etwa Neuhausen mit seiner mächtigen Kirche. Foto: /Horst Rudel.

Esslingen - Für den katholischen Dekan und Pfarrer Paul Magino ist die Kirchenwahl am 22. März eine Herzensangelegenheit: „Es geht darum, dass die Mitglieder der katholischen Kirche die Zukunft ihrer Gemeinden selbst bestimmen.“ Paul Magino spricht von einer weltweit einzigartigen Struktur der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Hier nämlich könnten die Kirchenvertreter alleine über ihren Haushalt entscheiden und das nicht nur auf Diözesan-Ebene, sondern auch an der Basis, direkt im Kirchengemeinderat. „Wenn man dort der Ansicht ist, wir brauchen einen Kirchenmusiker, dann kann die Gemeinde ihn einstellen, wenn sie die Finanzmittel dafür hat“, führt der Esslinger Dekan als Beispiel an.

Die Gemeinden arbeiten autark

So führen zwar alle Wege nach Rom, aber die Gemeinden arbeiten finanziell weitgehend autark. Mit diesen Argumenten wollten Magino und seine Mitstreiter Barbara Strifler, Simone Jäger und Volker Weber von der Dekanatsleitung bei der Pressekonferenz am Dienstag die Wichtigkeit und die Gestaltungskraft der Kirchengemeinderäte unterstreichen. Dahinter steckt freilich die Hoffnung, genügend Kandidaten für das Amt zu finden. Denn nicht immer stehen die Bewerber Schlange. 32 deutschsprachige Gemeinden gibt es im Dekanat Esslingen, dazu noch vier kroatische und vier italienische. Bei den muttersprachlichen Gemeinden spricht man von Pastoralräten, bei den deutschsprachigen von Kirchengemeinderäten.

Das katholische Dekanat Esslingen hat dabei den Ehrgeiz, die vorgeschriebene Mindestanzahl von Kandidaten in den Gemeinden zu übertreffen. Vermutlich gibt es dann trotzdem noch keine Entscheidungswahlen, denn viele Gemeinden haben angekündigt, den Ratskreis zu vergrößern. Das ist der Idee geschuldet, dass die Arbeit auf so viele Schultern wie möglich verteilt werden soll. Die Zahl der Ratssitzungen indessen ist überschaubar, man trifft sich einmal im Monat. Rechnet man Sommer- und Winterpause ab, bleiben etwa zehn Sitzungen im Jahr.

Zeichen des Heilswirkens Gottes

Um die Wichtigkeit des Gremiums auch sprachlich zu unterstreichen, hat die Diözese einige Sätze der Kirchengemeindeordnung neu formuliert: „Der Kirchengemeinderat beschließt den Haushalt“, sagt Paul Magino, „und er führt mit dem Pfarrer zusammen die Gemeinde.“ Die Gemeinde wiederum, und dann wird es doch theologisch, sei dazu da vor Ort „Zeichen und Werkzeug des Heilswirkens Gottes“ zu sein.

Seit bei der vergangenen Kirchengemeinderatswahl 2015 die Zahl der Männer und Frauen in den Gremien etwa gleich verteilt ist, sieht es das Dekanat nunmehr als seine Pflicht an, jüngere Menschen in die Kirchenpolitik einzubinden. Jede Gemeinde ist angehalten, je zwei Kandidaten zu finden, die jünger als 27 Jahre sind. Alle Kandidaten können sich bis zum 2. Februar bewerben, sollte eine Gemeinde nicht genügend Kandidaten finden, könnte die Frist auch noch bis zum 20. Februar verlängert werden.