Esslingen Er singt über Gott, Gewalt und gute Tropfen

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Philip Obrigewitsch macht als Fil-da-Elephant deutschen Rap mit Herz und Verstand. Im Sommer will er sich um sein nächstes Album kümmern.

Philip Obrigewitsch Foto: Horst Rudel
Philip Obrigewitsch Foto: Horst Rudel

Esslingen - Mit einem Liebeslied hat alles angefangen. Doch darin geht es nicht etwa um eine Frau, der Song ist einem Buch gewidmet: der Bibel. Philip Obrigewitsch ist Jugendreferent und leitet das Jugendhaus Nord in Esslingen-Hohenkreuz. Nun hat der sympathische Rapper auch beim Trollinger-Song-Contest, bei dem eine Lobeshymne auf diese Rebsorte gesucht wird, mitgemacht. Ob er bei dem Wettbewerb wirklich teilnehmen soll, hat sich der christliche Familienvater lange überlegt. Denn Rapmusik ohne Inhalt ist nicht sein Ding. Überzeugt haben den 36-Jährigen dann das Johannes-Evangelium und eine Flasche Trollinger der Esslinger Weingärtner.

Im Jahr 2009 stellte er ohne ernsthafte Hintergedanken oder Ambitionen sein erstes Rap-Video mit dem Titel „In jeder Zeile“ ins Netz. In kurzer Zeit erreichte das Lied rund 10 000 Klicks. Es folgten weitere Songs und Philip Obrigewitsch bewarb sich mit dem Titel „Die Wirklichkeit“ bei einem Newcomer Contest des Radiosenders BigFM. Er wurde Wochensieger. „Dann dachte ich mir, wenn es so gut läuft, dann mach ich doch einfach weiter mit der Musik“, sagt der 36-jährige Esslinger und schmunzelt.

Im Sommer wird an einem neuen Albun gearbeitet

Seitdem hat der Jugendreferent rund 80 Auftritte im Jahr, für die er sich nicht einmal bewerben muss, die Veranstalter kommen auf ihn zu. Er hat mittlerweile schon vor einem 10 000-Leute starken Publikum performt und seine Veranstaltungsorte reichen von Jugendcamps, über Strafanstalten bis hin zur Porsche-Arena. „Damit ich etwas mehr Zeit für die Musik habe, habe ich meine Arbeit beim CVJM für zwei Jahre etwas reduziert“, sagt Philip. Im Sommer will er sich um sein nächstes Album kümmern. Schwierigkeiten, Themen für seine Songs zu finden, hat der Reimfanatiker nicht. Aber: „Ich habe überall Sprachfetzen und Notizen mit Reimen: auf Zetteln, auf dem I-Pod, auf dem Computer. Die muss ich erst einmal sammeln und sehen, was sich daraus machen lässt.“

„Die Ideen für Liedtexte kommen mir, wenn ich mich ärgere oder freue, manchmal ist es eine Stimmung, manchmal ein Wort, über das ich gerne einen Rap schreiben würde“, sagt der Musiker. Außerdem verarbeite er seine Kindheit mit der Rapmusik. Wichtig ist ihm, dass Rap der Wahrheit entspricht und man seine Persönlichkeit durch die Musik ausdrückt. „Mit meinen Songs möchte ich den Menschen Mut machen und sagen, sie sollen mit sich zufrieden sein, so wie sie sind.“

Der Traum vom eigenen Label

Er drückt seine Persönlichkeit auch aus in dem er in vielen seiner Songs über seinen Glauben an Gott singt. Beim Trollinger-Song-Contest ging es aber um Wein. Und anfangs wusste der Songwriter nicht so recht, wie er das Thema verarbeiten soll. „Ich wollte ein Lied machen, dass mich ausdrückt. Wie ich einen Wein genießen würde.“ Er sei mit seinen Unterstützern ohne ein Konzept nach Esslingen gefahren, hätte eine Flasche Rotwein gekauft und sich ein Stück weit Gott anvertraut. Schließlich sei das erste Wunder Jesu gewesen, Wasser in 600 Liter Wein zu verwandeln, sagt er schmunzeln. Herausgekommen ist ein kreatives Video und ein Lied über den Glauben, die Hoffnung, die Liebe, das Leben und die Freunde.

Falls er den Trollinger-Wettbewerb gewinnen sollte, würde er gerne ein neues Mikrofon und ein MPC-Gerät, eine Art Steuerzentrale für elektronische Sounds kaufen – für sein Studio, das im Jugendtreff untergebracht ist und auch musikbegeisterte Jugendlichen mitbenutzen dürfen. Philip Obrigewitsch arbeitet außerdem mit jungen Rappern aus Esslingen an dem Projekt „School of Hiphop“. Dort können Jugendliche ihre musikalischen Fähigkeiten unter professioneller Unterstützung erproben und weiter ausbauen.

Ein Traum von ihm wäre, irgendwann einmal ein kleines Esslinger Musik-Label mit dem Namen Elefanten-hiphop zu gründen und damit junge Rapper zu unterstützen. Doch erst mal will der Songwriter eine neue CD aufnehmen. Die „Jugendarbeit liegt mir dennoch sehr am Herzen“ , sagt der 36-Jährige Vater dreier Kinder. „Und wer weiß schon, was in zwei Jahren sein wird?“




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