Esslingen, Ludwigsburg, Leonberg und Co. Die meisten Weihnachtsmärkte sollen anders als gewohnt stattfinden

Wie genau der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt dieses Jahr abläuft, muss noch beraten werden. Foto: Pressefoto H. Rudel/Ines Rudel

Beim Stuttgarter Weihnachtsmarkt ist es bereits sicher: Er findet dieses Jahr statt. Doch wie sieht es bei den beliebten Märkten in Esslingen, Ludwigsburg oder Leonberg aus?

Region Stuttgart - Nachdem der Cannstatter Wasen abgesagt wurde, das Stuttgarter Weindorf sehr stark abgespeckt wurde, ist es eine kleine Sensation: Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt findet statt; vom 24. November bis zum 30. Dezember. Das baden-württembergische Sozialministerium hatte am Mittwoch grünes Licht gegeben. Wie sieht es also bei den anderen schönen Weihnachtsmärkten in der Region Stuttgart statt? Findet der Esslinger Weihnachtsmarkt statt? Der in Ludwigsburg? Und was ist mit dem in Leonberg, dem an der Weiler Hütte und den vielen kleineren, aber nicht weniger stimmungsvollen Märkten? Wir haben nachgefragt.

 

Esslinger Weihnachtsmarkt wird dieses Jahr anders aussehen

„Wir sind grundsätzlich froh und dankbar, dass wir jetzt Planungssicherheit haben“, sagt Michael Metzler, der Geschäftsführer der Esslinger Marketing und Tourismus GmbH (EST) und damit zuständig für den Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt. Ihm ist ein kleiner Stein vom Herzen gefallen, als er am Mittwochnachmittag die Kunde aus dem Sozialministerium erhielt: Weihnachtsmärkte werden in diesem Jahr wieder möglich sein. Allerdings unter bestimmten Hygienevorgaben. Dazu gehört beispielsweise, dass beim Verkauf von Speisen und Getränken zum sofortigen Verzehr sowie bei Angeboten, die zum Verweilen einladen wie musikalische Darbietungen, Sitzgelegenheiten oder Fahrgeschäfte, die 3-G-Regeln einzuhalten sind. Der Nachweis, ob jemand geimpft, genesen oder getestet ist, könnte beispielsweise ein Bändchen am Handgelenk sind, das Besucherinnen und Besucher beim Betreten des umzäunten Marktgeländes erhalten.

Dass der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt nach der corona-bedingten Pause wieder stattfinden wird, steht für Metzler außer Frage. Über das Wie müsse allerdings noch intensiv beraten werden. Zunächst müsse man die offizielle Verordnung des Sozialministeriums abwarten. „Alle Details des Schriftsatzes kennen wir noch nicht“, sagt Metzler. Dennoch habe man mit den ersten Planungen bereits begonnen. Vor allem die Marktbeschicker müssten möglichst schnell Bescheid wissen, um rechtzeitig Waren ordern oder selbst produzieren zu können. „Die Marktleute scharren alle schon mit den Hufen“, berichtet der EST-Chef von vielen Nachfragen in den vergangenen Wochen.

Die Frage, wie das Marktgeschehen in der Esslinger Altstadt ablaufen wird, könne er im Augenblick noch nicht beantworten. Dafür seien noch viele Abstimmungen notwendig, beispielsweise mit dem städtischen Ordnungsamt. „Das braucht noch ein bis zwei Wochen Zeit“, bittet Metzler um Geduld. Sicher sei jedoch eines: „Unser Mittelalter- und Weihnachtsmarkt wird dieses Jahr anders aussehen als sonst.“

In Ludwigsburg spricht man von „großer Herausforderung“

In Ludwigsburg, dessen Barock-Weihnachtsmarkt vor Corona eine der größten, von vielen Touristen geschätzten Attraktionen war – 2019 kamen rund eine Million Besucher – ist Mario Kreh, der Chef des städtischen Eigenbetriebs Tourismus & Events, zwar froh, dass es jetzt eine Marschrichtung von der Politik gibt, doch hadert er mit den Beschränkungen, die den Weihnachtsmärkten auferlegt werden. In Ludwigsburg hatte man angesichts der steigenden Zahl an geimpften Menschen und der Tatsache, dass sich alles im Freien abspielt, gehofft, dass der Weihnachtsmarkt ohne solch strenge Restriktionen würde stattfinden können. Sie erschwerten die Planung sehr, sagt Kreh.

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Er sieht sich nun mit Fragen nach Umzäunung oder Zugangskontrollen konfrontiert, auch würden wohl Gastronomen zurückziehen, wenn die Gäste nicht am Stand verweilen dürften, sondern nur To-go-Produkte mitnehmen dürften. „Wir sind zwar froh, dass wir jetzt eine klare Regelung und Planungssicherheit haben“, sagt Kreh. Er könne aber noch keine Aussage dazu treffen, wie Ludwigsburg unter diesen Voraussetzungen den Weihnachtsmarkt wieder auferstehen lassen könne. Hoffnung macht ihm aber die Aussicht, dass an Einlasspunkten Armbändchen für Geimpfte, Getestete oder Genesene verteilt werden könnten und dann die Standbetreiber einen Blick darauf haben müssten, an wen sie verkaufen. All das müsse jetzt geprüft und genau überlegt werden, sagt Kreh, der von einer „großen Herausforderung“ spricht.

Leonberger Nikolausmarkt könnte verteilt werden

Auch wenn es im Kreis Böblingen anders als in Stuttgart, Esslingen oder Ludwigsburg keinen mehrwöchigen Weihnachtsmarkt gibt: Auch hier müssen die Menschen in der Vorweihnachtszeit nicht auf adventlichen Budenzauber verzichten. Mit 100 Ständen ist der Leonberger Nikolausmarkt der größte im Kreis.

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„Aus eins mach drei“: Diese Formel könnte den Leonberger Nikolausmarkt in diesem Jahr möglich machen. Bisher war der stimmungsvolle Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende direkt in der Altstadt angesiedelt. Im vergangenen Jahr musste er coronabedingt ausfallen. In diesem Dezember wird er womöglich auf drei Plätzen in der Innenstadt verteilt. Um größere Menschenmassen zu vermeiden, denkt die Leonberger Citymanagerin Nadja Reichert über drei kleinere Weihnachtsdörfer mit Holzhütten nach. Diese sollten dann statt an nur einem an zwei bis drei Adventswochenenden öffnen. Ob es wirklich so kommt, ist noch offen.

In Weil im Schönbuch fällt am Freitag eine Entscheidung

Auch aus Weil im Schönbuch kommen erste zaghafte positive Signale: Der Verein für Heimatpflege organisiert dort die Waldweihnacht an der Weiler Hütte, ein uriger und origineller Markt mit Kunsthandwerk und Lichterglanz. Der Vorsitzende des Vereins für Heimatpflege, Jochen Hiller, sagt: „Wir haben an diesem Freitag unsere Hauptversammlung, dann entscheiden wir. Ich bin zuversichtlich.“

Kein Weihnachtsmarkt im eigentlichen Sinn, gehört aber fest ins Adventsprogramm in der Region: der mit 30 Meter höchste Christbaum weit und breit in Waldenbuch-Glashütte. Und er wird sehr wahrscheinlich gestellt und gefeiert, wie Elke Stäbler vom Organisationsteam sagt. Vor dem ersten Advent wird er bereits aufgestellt und – „wenn die Coronazahlen nicht explodieren“, so Elke Stäbler, wird auch wieder donnerstags bis sonntags von 17 bis 22 Uhr unter den 1500 Lichtern des Baums Glühwein ausgeschenkt und Wurst gebraten.

Eisbahn in Fellbach ist bereits gestrichen

Die Städte und Gemeinden im Rems-Murr-Kreis tun sich noch schwer mit der Frage, ob es in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt geben kann – und zögern die Entscheidung über Glühweinduft und Lichterzauber bis zur Bekanntgabe weiterer Regelungen hinaus. In Fellbach beispielsweise ist zwar die beliebte Eisbahn auf dem Palm-Platz bereits gestrichen. Über den Weihnachtsmarkt selbst will sich die städtische Eventagentur aber erst Ende Oktober äußern.

Ähnlich sieht es in Backnang, Schorndorf oder Waiblingen aus. Bereits abgesagt ist der stimmungsvolle Adventswald in Rudersberg. Im historischen Ortskern werden normalerweise große Tannen aufgestellt, die Besucher fühlen sich wie in einem echten, lichtergeschmückten Wald, während sie Wildbratwürste kosten und Glühwein schlürfen. Doch für dieses Jahr sieht es düster aus für den Adventswald: Die Verwaltung hält es angesichts der Beschränkung der Besucherzahl auch 2021 nicht für möglich, das Event in gewohntem Rahmen zu ermöglichen.

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