Entscheidung am 13. Mai
Während ein Aufsteller am Eingang die Gäste bereits mit „Herzlich willkommen in der Stadtbibliothek“ begrüßte, hielt der OB den Ball noch etwas flacher: „Wir wollen zeigen, was hier entstehen könnte.“ Die Weichen solle der Gemeinderat am 13. Mai stellen. Matthias Klopfer hätte sich noch vor Jahresfrist nicht vorstellen können, dass Kögel schließen könnte. Nun gelte es, die Möglichkeiten, die daraus erwachsen, zu nutzen. Wenn es um Schlüsselimmobilien gehe, die nicht länger vom Handel genutzt werden, sieht der OB die öffentliche Hand verstärkt in der Pflicht. Anderswo gehe man bereits diesen Weg, Bibliotheken in einstige Handelshäuser zu verlegen. „Das heißt nicht, dass im Pfleghof nicht auch etwas Gutes entstehen könnte“, betonte Klopfer mit Blick auf die per Bürgerentscheid beschlossene Erweiterung und Modernisierung des bisherigen Bücherei-Standorts. Das Kögel-Gebäude biete jedoch mehr Platz, mehr Transparenz und mehr Möglichkeiten. So könnten eine sehr gute Stadtbücherei entstehen und ein Impuls für die Innenstadt gesetzt werden.
Bücherei-Leiter Kevin Butler lud ein, sich in den Gebäuden Zehentgasse 1 und Rathausplatz 14 umzuschauen und „zu erleben, was es heißt, hier einziehen zu können“. Die Gebäude Fischbrunnen 4 und 4/1, deren Anmietung noch verhandelt wird, blieben außen vor. Er selbst könne sich nichts Schöneres vorstellen, versicherte Butler, der bei Kögel Raum für viele neue Angebote sieht wie eine „Bibliothek für Schlaflose“, einen zentralen „Marktplatz“ mit Café, der abends als Veranstaltungsfläche genutzt werden kann, eine Experimentierwerkstatt, einen“wunderschönen Lichthof“, eine Zocker- und Chill-Grotte, „wunderschöne Sitzecken“, viel Platz für Kinder und Jugendliche, einen „ganz, ganz tollen Glassteg“, der das Haupthaus mit dem benachbarten „Haus des Lernens“ verbindet, Leseecken mit malerischen Ausblicken und „ganz, ganz viele Arbeitsplätze“ für Lernende.
„Große Chance“
Kulturamtsleiterin Alexa Heyder sieht in einem möglichen Umzug der Bibliothek ins Kögel-Gebäude „eine Chance für die Innenstadt und eine große Chance für die Stadtbücherei“, die an einem sehr zentralen Standort etwa 1000 Quadratmeter mehr Platz als im Pfleghof bekomme, mehr Übersichtlichkeit und Transparenz in modern gestalteten Räumen mit vielen potenziellen Lieblingsplätzen. Heyders Fazit: „Insgesamt gibt es hier sehr viel Entwicklungspotenzial für eine ohnehin bereits sehr gute Bibliothek.“ Beim anschließenden Rundgang konnten sich die Besucherinnen und Besucher selbst ein Urteil bilden.
Das Bücherei-Team hatte ausgewählte Bereiche so gestaltet, wie es sich eine Bibliothek im Kögel-Gebäude vorstellen könnte. Und das zahlreich erschienene Publikum nutzte die Chance, sich umzusehen und zu diskutieren. Viele waren angetan – wie Elke Katz, die die Möglichkeiten im einstigen Modehaus „absolut genial“ fand und die neben den moderneren Räumlichkeiten einen weiteren Vorzug dieses Standorts ausgemacht hat: „In Esslingen gibt es so viel Leerstand – damit hätten wir einen weniger.“ Und Karin Pett fand: „Hier gibt es Möglichkeiten, die es im Pfleghof nicht gäbe.“ Ein Wechsel ins Kögel-Gebäude sei auch für das Bücherei-Team von Vorteil, weil die Räume vor einem Umzug fertig hergerichtet werden könnten, während im Pfleghof ein Umbau bei laufendem Betrieb nötig wäre. Was Karin Pett besonders freut: „Zwei der Sessel, die für diesen Abend aufgestellt wurden, bekommen wir für die Berkheimer Bücherei.“
„Details können entscheidend sein“
Hermann Beck, der Vorsitzende des Bücherei-Fördervereins, hat es bedauert, dass sich gerade junge Menschen rar gemacht hatten. Den Abend fand er aufschlussreich: „Eine ähnliche Präsentation hätten wir uns allerdings auch für den Pfleghof gewünscht, damit beide Varianten vergleichbar sind. Man hat viele Möglichkeiten für die Kögel-Gebäude gezeigt, aber auch der bisherige Standort bietet großes Potenzial, von dem nicht mehr die Rede ist. Wir wollen das Beste für die Bücherei.“ Deshalb hätte sich Beck nach der Präsentation Gelegenheit gewünscht, Fragen aus dem Publikum in großer Runde zu besprechen: „Diese Fragen werden wir stellen, weil oft Details entscheidend sein können.“
Vertiefte Betrachtungen
Besichtigung
Für alle, die sich selbst ein Bild von den Möglichkeiten einer Bibliothek im früheren Modehaus Kögel machen wollen, lädt die Stadt am Samstag, 9. März, von 11 bis 15 Uhr zu Rundgängen durch das Gebäude ein. Dort gibt es auch Gelegenheit zu Gesprächen mit dem Bücherei-Team.
Pfleghof
Falls der Gemeinderat am 13. Mai beschließt, einen Umzug der Bücherei ins Modehaus Kögel voranzutreiben, bleibt die Frage, was aus dem Bebenhäuser Pfleghof und dem Nachbarhaus Heugasse 11 werden soll. Die Stadt schreibt in ihrer Sitzungsvorlage: „Der Bebenhäuser Pfleghof bleibt im Bestand der Stadt und bietet einen Ort für die Zusammenfassung kultureller Angebote in der Stadt. Die Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit bleibt damit gewährleistet. Erste, nutzungsunabhängige Sanierungsarbeiten können bereits in 2024 durchgeführt werden.“ Den Grünen geht das nicht weit genug. Sie haben nun beantragt, am 13. Mai einen weiteren Punkt zu beschließen: „Der Bebenhäuser Pfleghof bleibt im städtischen Besitz und wird einer öffentlichen Nutzung als Kulturquartier zugeführt. Die Entscheidung für eine Nachnutzung wird noch vor dem Auszug der Bücherei beschlossen. Dazu macht die Verwaltung dem Gemeinderat bis zum Auszug der Bücherei einen Vorschlag. Dieser enthält eine Nutzungsskizze für die Nachnutzung und Vorschläge für Zwischennutzungen.“