Esslinger Bücherei-Debatte Mit kleinen Brötchen in die Zukunft

Es wird eng bleiben in der Esslinger Stadtbücherei. Foto: Roberto Bulgrin

Der Esslinger Gemeinderat scheint mit klarer Mehrheit OB Matthias Klopfer zu folgen, der die Erweiterung der Stadtbücherei auf Eis legen und nur eine „kleine, feine Sanierung“ will. Damit geht eine alte Hängepartie weiter, meint unser Autor Alexander Maier.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Drei Jahre lang durften die Esslingerinnen und Esslinger von einer großzügig erweiterten und modernisierten Stadtbücherei träumen – nun sollen die Pläne zu den Akten gelegt werden. Ob sie jemals wieder aus der Schublade geholt werden, ist ungewiss. Gesetzt ist lediglich eine Beseitigung jener Mängel, die man seit Jahren vor sich herschiebt und die den Betrieb der Bibliothek gefährden könnten. Weitergehende „Sanierungsbausteine zur Verbesserung der Raum- und Aufenthaltsqualität sowie der konzeptionellen Verbesserung der Bibliotheksarbeit“ werden zwar genannt – ob und was tatsächlich gemacht wird, soll mit den Bürgern diskutiert und dann vom Gemeinderat beschlossen werden. Oder auch nicht.

 

Gewiss, die Zeiten sind schwierig, und die prognostizierten Kosten sind von 25 auf nun geschätzte 61 Millionen Euro gestiegen. Dass die Stadt das einfach so stemmen soll, fordert keiner. Nun rächt es sich, dass die Planer jahrelang in die Vollen gehen durften – frei nach dem Motto: Darf’s noch ein bisschen mehr sein? Ein Kostenlimit wurde ihnen nicht gesetzt. Und anders als bei anderen Bauprojekten hat man später auch nicht versucht, nach Einsparungsmöglichkeiten zu suchen, um den Anspruch nicht aufgeben zu müssen, mehr Platz für die Bücherei zu schaffen. Dabei muss allen klar sein, dass Bibliotheken in Zukunft vor erheblich größeren Herausforderungen stehen werden als bisher. Und Zukunft braucht Raum – mehr Raum, als ihn die Esslinger Bücherei mit ihren beschränkten Möglichkeiten bislang bietet. Stattdessen werden im Gemeinderat nun sogar Stimmen laut, das Nachbarhaus Heugasse 11, das als Erweiterungsfläche fest eingeplant ist, zu verkaufen. Dabei hatte der OB in seiner Brandrede Mitte Mai noch versichert: „Wir verbauen uns keine große Lösung an diesem Standort.“

Zaudern und Verzögern

Fast drei Jahrzehnte lang schieben Gemeinderat und Stadtverwaltung die Bücherei-Erweiterung bereits vor sich her – inzwischen rangiert Esslingen im landesweiten Flächenvergleich ähnlich großer Städte auf dem drittletzten Platz. Dass das Projekt nun in eine denkbar ungünstige Phase geraten ist, ist kein Zufall, sondern jahre- und jahrzehntelangem Zaudern und Verzögern geschuldet. Das sollte keiner vergessen, wenn der Gemeinderat im Dezember über die Zukunft der Bibliothek entscheidet.

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