Esslinger Fotokünstler Konrad F. Gaag Getanzte Leidenschaft im Blick

Der Fotokünstler Konrad F. Gaag kann aus einem reichen Fundus von Ballett- und Tanzfotografien schöpfen. Foto: Roberto Bulgrin

Mit der Kamera ist Konrad F. Gaag in vielen Ländern unterwegs. Er hält die schönsten Seiten des Karnevals in Venedig fest, er dokumentiert Alltagskunst und zeigt die Melancholie des Wassers. Die große Liebe des Esslinger Fotokünstlers gehört jedoch dem Ballett.

Konrad F. Gaag ist ein ungewöhnlich vielseitiger Fotokünstler. Er hat kunstvolle Masken und deren Träger beim Karneval in Venedig fotografiert, er hat die Melancholie und den Klang des Wassers in kunstvollen Fotografien festgehalten, er hat Alltagskunst an Hauswänden dokumentiert und er hat ferne Länder und die Schönheiten der heimischen Natur studiert. Keines dieser Genres mag der 71-jährige Esslinger missen. Doch wer ihn kennt, weiß, dass Gaag ein besonderes Faible für Tanz und Ballett hat. „Ich liebe es zu sehen, mit welcher Leichtigkeit professionelle Tänzerinnen und Tänzer über die Bühne zu schweben scheinen und wie sie mit einem Lächeln auch die schwierigsten Figuren scheinbar federleicht tanzen.“ Solche Momente hat Konrad F. Gaag vieltausendfach mit seiner Kamera festgehalten. Eine Auswahl seiner schönsten Ballettfotografien, die er vor und hinter den Kulissen gesammelt hat, zeigt er von diesem Samstag an in der Spinnerei des Vereins Kultur am Rande, wo er schon häufiger mit Ausstellungen zu Gast war.

 

Jugendträume werden wahr

Der legendäre russische Tänzer und Choreograf Rudolf Nurejew hat einmal gesagt: „Du lebst, solange du tanzt.“ Diesen Satz könnte Konrad F. Gaag bereitwillig unterschreiben, auch wenn er ihn für sich selbst vielleicht ein wenig anders formulieren würde: „Du lebst, solange du Tänzerinnen, Tänzer und deren hohe Kunst fotografieren darfst.“ Gaag erinnert sich noch gut daran, wie er als 19-Jähriger am Bahnhofskiosk staunend vor einem Kalender mit Aufnahmen der berühmten Tänzerin und Choreografin Marcia Haydée stand: „Immer und immer wieder habe ich mir die Bilder angeschaut und davon geträumt, die Grande Dame der Tanzkunst einmal fotografieren zu dürfen.“ Was ihm damals noch undenkbar schien, ist Jahre später wahr geworden: Als Ismael Ivo im Stuttgarter Theaterhaus gastierte, durfte er den brasilianischen Tänzer drei Stunden lang bei Proben gemeinsam mit der damaligen Ballettdirektorin Marcia Haydée fotografieren – ein ungewöhnlicher Luxus für einen Fotografen.

Seither hat Konrad F. Gaag zahlreiche Tänzerinnen, Tänzer und Ensembles mit seiner Kamera begleitet. Er hat am Esslinger Central Theater, für dessen Renovierung er sich zusammen mit seiner Ehefrau und kongenialen Partnerin Renate engagiert hatte, die Haus-Inszenierungen der damaligen Betreiber Svetlana Khinganskaia und Wladimir Khinganskiy dokumentiert. Als das Ballettensemble des Opernhauses von Odessa 1999 für eine Woche in Esslingen zu Gast war, knüpfte Gaag Kontakte zu den Tänzerinnen und Tänzern aus der ukrainischen Stadt, die über Jahre hinweg trugen – und die dem Fotokünstler Türen in die Ballettschule und die Oper von Odessa öffneten.

Blicke in die Seelen

Konrad F. Gaag versteht es, Menschen für sich und seine Arbeit einzunehmen. Wer von ihm fotografiert wird, spürt sofort, dass es ihm nicht nur um einen schnellen oder möglichst spektakulären Schnappschuss geht. Der 71-Jährige möchte tiefer blicken als andere – und er nimmt die Menschen ernst. Er bringt ihnen Wertschätzung entgegen, er versucht, in die Seelen der Fotografierten zu blicken und ihnen so weit wie nur möglich gerecht zu werden, er respektiert sie und ihre Intimsphäre, und er geht mit seiner Kamera nur so weit, wie es sein Gegenüber zulässt. Und was ein wesentlicher Teil seines Arbeitsprinzips ist: Nach der Fotosession sind die Fotografierten nicht vergessen. Jeder bekommt hinterher Abzüge seiner Aufnahmen – meist schon am nächsten Tag. So sind mit den Jahren viele Freundschaften entstanden, die Konrad F. Gaag Türen geöffnet haben, die anderen verschlossen bleiben. Etwa zu Mehmet Balkan, dem Ballettdirektor der Companhia Nacional de Bailado in Lissabon, die er jahrelang bei Proben und auf Tourneen begleiten durfte.

Auch wenn er zahlreiche Tänzerinnen und Tänzer kennengelernt hat, hat das Ballett für Gaag nichts von seiner Faszination verloren: „Mich begeistern die unglaubliche Körperbeherrschung und die scheinbare Leichtigkeit, die man auf der Bühne erlebt. Fast mehr noch reizt es mich jedoch, Proben zu sehen und zu erleben, wie viel Schweiß und Anstrengung nötig sind, damit man die Choreografien auf der Bühne mit einem Lächeln in Perfektion präsentieren kann. So schön eine gelungene Premiere ist: Dieser Blick hinter die Kulissen und die Nähe zu den Menschen sind für mich das Allerschönste.“

Konrad F. Gaags gesammelte Werke

Ausstellung
 In der Spinnerei des Vereins Kultur am Rande (Maille 3 in Esslingen) zeigt der Fotograf Konrad F. Gaag eine Auswahl seiner Ballett- und Tanz-Fotografien. Zu sehen sind Bühnenaufnahmen, Probenfotos und Impressionen hinter den Kulissen, die die Tänzerinnen und Tänzer auch von einer ganz privaten Seite zeigen. Die Ausstellung wird am Samstag, 16. März, um 14.30 Uhr eröffnet und ist bis 31. März in der Spinnerei zu sehen. Öffnungszeiten sind freitags von 15 bis 19 Uhr sowie an Samstagen und Sonntagen jeweils von 13 bis 19.30 Uhr.

Bücher
 Neben seinen Fotografien zeigt die Ausstellung auch zahlreiche Fotobücher mit Motiven, die Konrad F. Gaag während seiner Foto-Sessions auf zahlreichen Bühnen in ganz Europa gesammelt hat.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Esslingen Ballett Graffiti