Esslinger Kinderschutzbund Hilfe für Familien in schwierigen Situationen

Margot Kemmler, Angelika Roggmann, Christine Miller und Brigitte Sheikh (von links) machen sich für das Wohlergehen und die Rechte von Kindern stark. Foto: Roberto

Der Deutsche Kinderschutzbund versteht sich als Lobby für Kinder und Jugendliche. In der Esslinger Region gibt es einen engagierten Kreisverband, der schon vielen Kindern und ihren Familien geholfen hat. Die Arbeit ist anspruchsvoll, und sie braucht Unterstützung.

Kinder sind das Kostbarste, was eine Gesellschaft besitzt, weil in ihnen die Zukunft lebt. Doch längst nicht alle Jungs und Mädchen wachsen unter guten Bedingungen auf. Der Deutsche Kinderschutzbund versteht sich als Lobby für die Interessen von Kindern und Jugendlichen, und er hilft auch ganz konkret im Einzelfall. Zahlreiche Familien wissen diese Unterstützung auch im Kreis Esslingen zu schätzen – und der Bedarf wird nicht geringer. „Wir würden gerne noch viel mehr tun“, sagt Margot Kemmler, die Kreisvorsitzende des Kinderschutzbunds. „Doch ohne die nötigen personellen und finanziellen Ressourcen muss so manche Familie mit einem Platz auf der Warteliste vertröstet werden.“ Damit möglichst viel getan werden kann, unterstützt die EZ-Weihnachtsspendenaktion den Kinderschutzbund.

 

Begleitung im Alltag

Da sind zum einen die Familienpatinnen und -paten des Kinderschutzbundes, die Familien in schwierigen Lebenslagen kontinuierlich im Alltag begleiten. Ganz egal, ob es sehr junge Eltern, Alleinerziehende, Eltern in Trennungs- und Scheidungssituationen, Familien ohne hilfreiches Netzwerk sind oder Familien, die etwa durch Krankheit, Behinderung, Arbeitslosigkeit, Verschuldung oder fehlende Integration belastet sind – die Familienpatinnen und -paten stehen ihnen zur Seite, stärken und ermutigen sie, ihre Probleme anzupacken und ihre Situation so weit wie möglich zu verbessern. Rund 30 Familien erhalten derzeit im Kreis Esslingen diese Unterstützung. „Wir versuchen, die individuellen Probleme zu lindern, indem wir diese Familien – auch beratend – unterstützen“, sagt Schatzmeisterin Brigitte Sheikh.

So wichtig wie die Familienpaten sind die Haupt- und Ehrenamtlichen, die den Begleiteten Umgang flankieren: Wenn Kinder getrennt von ihren Eltern in einer Pflegefamilie oder getrennt vom anderen Elternteil nur beim Vater oder nur bei der Mutter leben, sollten dennoch regelmäßige Begegnungen angestrebt werden, soweit sie dem Wohl des Kindes nicht abträglich sind. Ein Begleiteter Umgang kann vom Sozialen Dienst des Landkreises empfohlen, von den Eltern vereinbart oder vom Familiengericht angeordnet werden. Ziel dieses zeitlich begrenzten Unterstützungsangebots ist es, dass die Eltern die Kontakte zu ihrem Kind wieder in den Griff bekommen. Damit die Eltern gemeinsam einen Weg finden und damit die Begegnungen in Zeiten der Trennung nicht aus dem Ruder laufen, sind Fachleute des Kinderschutzbundes dabei und sorgen dafür, dass nicht noch mehr schiefgeht.

Fachkräfte fehlen

Etwa 75 Familien nutzen derzeit im Kreis Esslingen beim Begleiteten Umgang die Unterstützung durch den Kinderschutzbund. Der Bedarf ist noch wesentlich höher – etwa 20 Namen sind derzeit auf der Warteliste notiert. „Uns fehlen geschulte Fachkräfte“, erklärt Margot Kemmler. „Doch die müssen erst gefunden und dann finanziert werden.“ Dass Familienpaten und Begleiter oft den Eindruck haben, dass es bei Ämtern und in der Öffentlichkeit an der nötigen Wertschätzung für ihre Arbeit fehlt, macht die Sache nicht einfacher. Heidrun Gold bringt als Juristin, Verfahrensbeistand und Familienmediatorin alle Voraussetzungen mit, um Kindern und Eltern beim Begleiteten Umgang zur Seite zu stehen. Neben den Fachkräften sind Ehrenamtliche unverzichtbar – wer keine pädagogische Ausbildung mitbringt, wird vorher geschult. „Man muss gut zuhören können und einen Draht zu Kindern haben“, nennt sie wichtige Voraussetzungen für diese anspruchsvolle Arbeit.

In drei Jahrzehnten beim Kinderschutzbund hat Gold ganz unterschiedliche Fälle erlebt. Und sie weiß: „Bevor Kinder in die Obhut einer Pflegefamilie gegeben werden, muss schon einiges passiert sein.“ Da ist es umso wichtiger, dass spätere Begegnungen so verlaufen, dass die zarte Kinderseele nicht noch mehr leidet. „Manchmal dauert es, bis sich wieder eine Beziehung ergibt“, weiß Angelika Roggmann. Und wenn zuvor allzu viel vorgefallen ist, kann auch ein Punkt erreicht sein, an dem ein Begleiteter Umgang dem Kind momentan nicht guttut. Gerade dann ist es umso wichtiger, dass der Kinderschutzbund die Sache des Kindes klar vertritt.

Das Beste für die Kinder

Meist verlaufen die Begegnungen in zuvor vereinbarten geordneten Bahnen. Die Treffen finden beim Kinderschutzbund in der Esslinger Neckarstraße statt. „Wir haben einen Raum, der den Eltern viele Möglichkeiten bietet, mit ihren Kindern zu toben, zu spielen oder zu lesen“, erklärt Christine Miller, die Vize-Vorsitzende des Kinderschutzbundes. Wenn es zu Konflikten kommt, ist die Anwesenheit der Begleiterinnen umso wichtiger. „Unsere Aufgabe ist es dann, das Bestmögliche für das Kind zu ermöglichen“, betont Heidrun Gold. „Das ist sehr zeitaufwendig, aber unerlässlich.“ Und Margot Kemmler ergänzt: „All das könnten wir ohne Ehrenamt und finanzielle Unterstützung nicht leisten.“ Denn die Finanzierung durch die öffentliche Hand reicht nicht aus, um all das, was zum Wohle der Kinder getan werden kann und muss, zu finanzieren. Da sind die Spenden aus der EZ-Weihnachtsspendenaktion umso willkommener – und wichtiger.

Eine Lobby für Kinder und Jugendliche

Die Organisation
Bundesweit engagieren sich 15 000 ehrenamtliche und 7000 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kinderschutzbund. Der Kreisverband Esslingen betreut derzeit 75 Familien im Begleiteten Umgang, Familienpatinnen betreuen 30 Familien, die mit unterschiedlichen Problemen und oft auch finanziellen Engpässen kämpfen.

Die Ziele
Der Kinderschutzbund setzt sich für gewaltfreies Aufwachsen und für die Rechte aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland ein. Ziel ist „eine kinderfreundliche Gesellschaft, in der die geistige, psychische, soziale und körperliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gefördert wird“. Eine Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen, eine kinderfreundliche und gesunde Umwelt und gute Einrichtungen für Kinder und Jugendliche werden angestrebt. Das Selbstbewusstsein junger Menschen soll gestärkt, Eltern sollen unterstützt werden. Um auf diese Anliegen aufmerksam zu machen, will der Kinderschutzbund mit einer mobilen Litfaßsäule vielerorts im Landkreis auf die Bedeutung von Kinderrechten aufmerksam machen.

Das Arbeitsprinzip
In Projekten und Einrichtungen des Kinderschutzbundes arbeiten haupt- und ehrenamtliche Kräfte eng zusammen. Die Arbeit soll von gegenseitiger Achtung getragen sein. „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist das Ziel.

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