Es war eine Rechnung mit vielen Unbekannten, doch am Ende gab es zufriedene Gesichter im Kino auf der Esslinger Burg. Elf Abende lang präsentierte das Kommunale Kino Filmgenuss und Livemusik unter freiem Himmel. Das Open-Air-Filmfestival ist seit dem Kultursommer 1993 eine feste Größe, doch nach zweijähriger Coronapause wusste keiner, wie das Comeback gelingen würde. Die Ergebnisse früherer Rekordjahre wurden diesmal zwar nicht ganz erreicht, doch insgesamt rund 20 000 Zuschauerinnen und Zuschauer in zehn öffentlichen Vorstellungen und an einem Ehrenamtsabend der Stadt können sich sehen lassen. Und was Stefan Hart, der mit Sibylle Tejkl die Geschäfte des Kommunalen Kinos führt, besonders freut: „Wer abends über den Platz gegangen ist und in so viele glückliche Gesichter bei Publikum und Ehrenamtlichen blicken durfte, hat gespürt, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat.“
Starke Helfer packen an
Die Aufgaben verteilen sich im Kino auf der Burg auf viele Schultern. Ob beim Auf- und Abbau, am Einlass, als Ordner auf dem Festivalgelände oder an der Cinebar des Fördervereins Freiraum: 147 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer packten an. „Was uns besonders freut: Nach der unfreiwilligen Coronapause waren überdurchschnittlich viele neue Helferinnen und Helfer dabei“, sagt Marko Ehrt vom Vorstand des Kommunalen Kinos. „Wir hatten nie Probleme, alle Positionen zu besetzen, und hätten noch viel mehr Unterstützung bekommen.“ Falls Helfer doch einmal passen mussten, war sofort Ersatz da. Das galt auch für die Bands, die jeden Abend musikalisch eröffneten: Krankheitsbedingte Ausfälle wurden weggesteckt – für eine Band, die in letzter Minute absagen musste, sprang spontan das Esslinger Duo Lavinia & Roberto ein, das schon einige Tage zuvor auf der Burg zu hören war.
Nur eines lässt sich nicht kalkulieren: das Wetter. Bei Sonnenschein kommt das Publikum in Scharen – bei unsicherer Lage denken vor allem diejenigen, die von weiter her kommen, lieber zweimal über einen Besuch im Open-Air-Kino nach. „Die Online-Reservierung hat vieles erleichtert“, erklärt Stefan Hart. „So kann sich jeder bis kurz vor Filmbeginn entscheiden, ob er ein Ticket bucht.“ Der Koki-Geschäftsführer kann sofort an den Besucherzahlen ablesen, ob die Wetterprognosen günstig waren. Anders als in makellosen Jahren, in denen die 25 000-Besucher-Marke im Kino auf der Burg geknackt worden war, gab’s diesmal zwei regnerische Abende und einen weiteren, an dem der Blick sorgenvoll gen Himmel ging.
Rechnung mit Unbekannten
Das Wetter war nicht die einzige Unbekannte in der Kalkulation des Kinos auf der Burg 2022. „Nach zwei Jahren Coronapause wussten wir nicht, ob das Publikum so zahlreich wie vor der Pandemie kommen würde“, sagt Sibylle Tejkl. Viele Filmtheater haben noch nicht die gewohnten Besucherzahlen wie vor der Pandemie erreicht, andere Open-Air-Veranstalter haben ihre Kapazitäten vorsorglich reduziert. Und auch beim Kino auf der Burg wäre noch etwas Luft nach oben gewesen. Tatsächlich machten sich ältere Besucher diesmal etwas rarer, was sich etwa beim Abschlussfilm „Downton Abbey“ zeigte, der potenziell ein eher gesetzteres Publikum anspricht und die Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte.
„Man spürt, dass viele bei Großveranstaltungen noch etwas vorsichtiger sind“, resümiert Stefan Hart. „Außerdem ist gerade unheimlich viel los, weil Veranstaltungen, die wegen Corona ausgefallen waren, nun nachgeholt werden. Da kommt viel zusammen. Man hat aber auch gespürt, wie sehr sich viele gefreut haben, dass wir wieder da sind, und wie sehr sie das Kino auf der Burg in den vergangenen beiden Jahren vermisst haben.“
Das Filmprogramm im Burg-Kino
Die Auswahl
Die Arbeit der Programmmacherinnen und -macher war diesmal kniffliger als in früheren Jahren: „Wir konnten nicht wie gewohnt aus dem Vollen schöpfen, weil manche Verleiher während Corona bei den zugkräftigen Filmen eher zurückhaltend waren“, verrät Koki-Geschäftsführerin Sibylle Tejkl. „Dagegen sind kleinere Filme, die Potenzial gehabt hätten, oft unter Wert geschlagen worden.“
Die Hitliste
Spitzenreiter in der Gunst des Publikums war diesmal Baz Luhrmanns Film „Elvis“, der dem King of Rock ’n’ Roll die Ehre erweist und so gut wie ausverkauft war. Starke Besucherzahlen erreichten auch die deutschen Komödien „Wunderschön“, „Contra“ und „Beckenrand Sheriff“.