Esslinger Kulturkonzeption Von Leuchttürmen und bürgerlicher Teilhabe

Die Württembergische Landesbühne (links) ist laut Kulturkonzeption eines der wenigen über die Region hinaus bekannten  Aushängeschilder der Stadt. Das  Kulturamt bescheinigt dem  Intendanten Friedrich Schirmer und seinem Team „einen geradezu beängstigenden Publikumserfolg“. Der Handlungsbedarf bei der Stadtbücherei ist unumstritten. Foto: Ines Rudel
Die Württembergische Landesbühne (links) ist laut Kulturkonzeption eines der wenigen über die Region hinaus bekannten Aushängeschilder der Stadt. Das Kulturamt bescheinigt dem Intendanten Friedrich Schirmer und seinem Team „einen geradezu beängstigenden Publikumserfolg“. Der Handlungsbedarf bei der Stadtbücherei ist unumstritten. Foto: Ines Rudel

Die mit Spannung erwartete Kulturkonzeption der Stadt analysiert den Istzustand, nennt viele Wünsche und zwei Handlungsschwerpunkte für die nähere Zukunft.

Region: Kai Holoch (hol)
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Esslingen - Die kulturelle Vielfalt Esslingens kann durchaus als eine Stärke Esslingens gesehen werden. (. . .) Gleichzeitig hat die Stadt nur wenige Einrichtungen, die als kulturelle Leuchttürme mit überregionaler Strahlkraft gelten können. Diese haben zudem nicht die Möglichkeiten, ihre Alleinstellungsmerkmale zu vermarkten.“ Die kulturellen Leuchttürme sind demnach die Württembergische Landesbühne Esslingen, die Villa Merkel und das Podium-Festival.

Das sind nur einige der zentralen Aussagen der vom Esslinger Kulturamtsleiter Benedikt Stegmayer in mehr als einem Jahr erarbeiteten Kulturkonzeption der Stadt. Am Montag haben der Oberbürgermeister Jürgen Zieger, der Kulturbürgermeister Markus Raab und Benedikt Stegmayer das mehr als 150 Seiten umfassende Werk im Gemeinderat vorgestellt.

Aufgeteilt in zwölf Bereiche

Zunächst ist das Papier eine Bestandsanalyse. Aufgeteilt in zwölf Bereiche – unter anderem Bühnen und Theater, Jazz, Geschichte, Museen, Stadtarchiv, Podium-Festival, Kulturförderung, Villa Merkel oder Soziokultur – zeichnet das Papier die aktuellen Stärken, Schwächen, Potenziale und Risiken für alle relevanten Kultureinrichtungen auf. In einem zweiten Schritt formuliert Stegmayer dann Überlegungen, was geschehen könnte, um die bestehenden Defizite abzubauen.

Die von manchen Fraktionen erwartete Antwort, welchen Beitrag die Esslinger Kulturszene zur Haushaltskonsolidierung leisten könnte, bietet das Papier nicht. Vielmehr, das wird beim Lesen der Konzeption deutlich, würde die Umsetzung aller Vorschläge sicher einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Deshalb heißt es auch in der Vorlage für den Gemeinderat: „Prinzipiell gilt, dass alle Weiterentwicklungen abhängig von der politischen Schwerpunktsetzung und den wirtschaftlichen Möglichkeiten sind.“

Zwei Schwerpunktthemen – Bücherei und Teilhabe

Im ersten Schritt will die Verwaltung deshalb zwei Schwerpunktthemen angehen: Zum einen soll die Modernisierung und Vergrößerung der Stadtbücherei mit Nachdruck vorangetrieben werden. Zum anderen sehen Markus Raab und Benedikt Stegmayer es als vorrangige Aufgabe, die kulturelle Teilhabe in der Stadt zu stärken. Kulturelle Bildung gewinne in einer immer heterogener werdenden Gesellschaft stetig an Bedeutung. Kultur richte sich aktuell an ein „eingeschränktes Publikum“, erreiche also große Teile der Bevölkerung überhaupt nicht. Wenn man die Bildung von Parallelgesellschaften verhindern wolle, müsse man schnell aktiv werden.

Die Kulturverwaltung will deshalb im Doppelhaushalt 2018/2019 eine Stelle für den Bereich kulturelle Bildung und Teilhabe schaffen. Diese soll eng mit dem Amt für Bildung, Erziehung und Betreuung, dem Sport- und Sozialamt, dem Referat für Migration und Integration und der Volkshochschule zusammenarbeiten und die kulturelle Teilhabe koordinieren.

Immerhin Erwähnung findet in der Gemeinderatsvorlage auch noch ein Wunsch des Netzwerks Kultur, des Zusammenschlusses zahlreicher Esslinger Kulturtreibender. Viele Vereine und Institutionen klagen über einen Mangel an Probe- und Veranstaltungsräumen. Das Netzwerk hat deshalb vorgeschlagen, ein Produktionszentrum zu verwirklichen, das sowohl durch bestehende Kultureinrichtungen genutzt werden, als auch neuen Projekten Raum bieten könnte. Damit könne die Abwanderung junger Künstler verhindert werden. Vor der Realisierung eines solchen Hauses will das Kulturamt den tatsächlichen Bedarf in Esslingen analysieren.




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