Esslinger Ratgeber-Bus Zivilcourage nimmt Fahrt auf

Mit Zivilcourage fahren alle gut, meinen Andreas Koch vom Verein Kelly-Insel, Christina Werstein vom Landratsamt und Ralf Brenner vom Polizeipräsidium Reutlingen. Foto: Roberto Bulgrin

Straftaten, Schlägereien, brenzlige Situationen – Bürger sollten hier Rückgrat zeigen. Auf der Außenfläche eines Esslinger Busses wird erklärt, wie das am besten gemacht werden kann. Wichtig aber ist, dass sich niemand selbst in Gefahr bringen darf.

Reporterin: Simone Weiß (swe)

Nein. Nein. Und nochmals nein. Der kleine Junge möchte partout nicht in das beim Zentralen Busbahnhof (ZOB) in Esslingen geparkte Auto einsteigen. Der Mann neben ihm wird ungeduldig, zerrt das Kind am Arm, schreit es an, stößt es auf den Beifahrersitz. Dieses Verhalten kommt Lara Lupastean und Kristina Popow komisch vor. Die 14- und die 13-Jährige machen auf dem ZOB anwesende Polizisten auf die Situation aufmerksam. Die Beamten klären die Lage: Keine Kindesentführung! Der Mann ist der Vater des Jungen. Entwarnung. Keine Straftat. Doch die beiden jungen Frauen haben Rückgrat gezeigt – zufälligerweise genau vor dem Zivilcourage-Bus, der gerade auf dem ZOB abgestellt ist.

 

Dieser kunterbunt beklebte Omnibus fällt auf. Auf seinen beiden Seiten sind sechs Personen abgebildet, Männer und Frauen, neben denen in großen Lettern Tipps zum Verhalten in brenzligen Situationen oder bei möglichen Straftaten stehen: „Hilf, aber bring dich nicht in Gefahr.“

Zivilcourage groß in Fahrt

Seit Oktober letzten Jahres ist dieser Zivilcourage-Bus von 4 Uhr bis Mitternacht täglich im Esslinger Stadtgebiet unterwegs. Das berichtet Johannes Müller vom Städtischen Verkehrsbetrieb Esslingen (SVE). Das Projekt sei zunächst auf ein Jahr befristet gewesen, doch nun könne das Fahrzeug mit der markanten Aufschrift um weitere zwölf Monate bis Oktober 2025 auf Tour gehen. Denn Sponsoren seien weiterhin bereit, die Nutzung der kostbaren Werbeflächen an den beiden Busseiten für die Zivilcourage-Botschaften zu finanzieren.

„Rufe die Polizei unter 110. Bitte andere um Mithilfe“, steht da zu lesen. Für Ralf Brenner vom Polizeipräsidium Reutlingen, das auch für den Kreis Esslingen zuständig ist, sind das bedeutsame Ratschläge: „Würden die Menschen mehr Zivilcourage zeigen, dann könnte manche Straftat verhindert werden.“ Wichtig sei aber, die Polizei zu rufen statt sich selbst in Gefahr zu bringen. Helfen könne zudem, andere Menschen mit ins Boot zu holen. Dabei sei es gut, nicht allgemein um Unterstützung zu bitten, sondern Personen konkret anzusprechen: „Sie in dem gelben Anorak, sehen Sie mal, was da gerade passiert.“ Ein Täter bemerke dadurch, dass sein strafbares Tun von mehreren Leuten entdeckt wurde.

Beklebung fällt auf

„Präge dir Tätermerkmale ein. Kümmere dich um Opfer. Sage als Zeuge aus“ sind weitere Empfehlungen auf dem Zivilcourage-Bus. Ob die Hinweise bei den Menschen ankommen, lasse sich schwer feststellen, so Ralf Brenner. Unabhängig davon müsse etwas getan werden: „Wir dürfen das Feld nicht den Straftätern überlassen.“ Und Andreas Koch von dem kriminalpräventiven Verein Kelly-Insel, ein Mitsponsor, betont, dass der Bus dank seiner großflächigen Farbgebung sehr auffällig sei und besonders bei mehrmaligem Vorbeifahren Aufmerksamkeit errege. Prävention sei nicht messbar, ergänzt Christina Werstein, Dezernentin für Gesundheit, Ordnung und Verkehr im Landratsamt. Doch der Zivilcourage-Bus sei eine Chance, um Menschen zu erreichen, sie für den Problembereich zu sensibilisieren und zum richtigen Handeln anzuleiten.

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