Esslinger Tierpark Einfallsreichtum und Effizienz machen Nymphae winterfest
Bei Nymphaea gehen die Lichter trotz Energiekrise und explodierender Preise nicht aus. Der Esslinger Tierpark hat schon frühzeitig die Reißleine gezogen.
Bei Nymphaea gehen die Lichter trotz Energiekrise und explodierender Preise nicht aus. Der Esslinger Tierpark hat schon frühzeitig die Reißleine gezogen.
Finch ist ein Kraftpaket mit jeder Menge Power. Der 13 Monate alte Rüde und neue Begleiter von Christoph Kässer platzt fast vor Dynamik. Er verfügt über eine Unmenge an natürlicher Energie – der Esslinger Tierpark Nymphaea auf der Neckarinsel hat nicht soviel Glück. Eine mittlere fünfstellige Summe gibt er alljährlich für Stromkosten aus, rechnet der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Christoph Kässer vor. In diesem Jahr werde es sicherlich nach oben gehen: „Dazu muss man nicht unbedingt ein Prophet sein.“ Doch der Tierpark fühlt sich gerüstet, gewappnet und vorbereitet. Schon frühzeitig sei hier auf Energieeffizienz geachtet worden, und die finanzielle Lage sei trotz erheblicher Belastungen durch die Corona-Pandemie und anstehender, ehrgeiziger Bauvorhaben solide.
Der Tüftler im Haus erspart die hohe Stromrechnung. Energie, meint Christoph Kässer, sei in der Vergangenheit selten preisgünstiger geworden. Darum sei sparsam damit umgegangen worden. Zum Nymphaea-Team gehöre ein selbstständiger Geschäftsinhaber, der auch mit Lampen handele und zudem eingefleischter Aquarianer sei. Schon vor vielen Jahren habe er eine sparsame LED-Lampe für Aquarien entwickelt, die viel weniger Watt verbrauche als ihre Vorgänger: „Wir haben sie zunächst über einem Fischbecken getestet – und es hat wunderbar funktioniert.“ Natürlich hatte alles seine bürokratische, gesetzlich vorgeschriebene Ordnung: Die Lampen seien geprüft, getestet und vom TÜV abgenommen worden.
Im Vogelhaus wurde ebenfalls nicht viel Federlesens gemacht. Vor Jahren wurde mit Blick auf Umwelt, Klima und Geldbeutel die Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt: „Wir haben wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft“, sagt Christoph Kässer. Wärmefresser seien auch die Schlangen nicht. Sie würden während der kalten Monate in Winterruhe gehen, bräuchten Temperaturen zwischen acht und zwölf Grad, die ein normal gedämmtes Haus garantieren könne. Ab Mai würden die Reptilien nach draußen in Freilandterrarien untergebracht – und da würde meist das natürliche Sonnenlicht ausreichen. Wenn alle Stricke reißen, käme eine Heizmatte mit Thermostat zum Einsatz.
Finch ist mit einem Leckerli beschäftigt. Die Energie des Energiebündels wird in schmackhafter Nahrungsaufnahme gebündelt. Das Hundetemperament ist kurzzeitig außer Kraft gesetzt. Auch Nymphaea muss laut Christoph Kässer einige Kraftanstrengungen für den laufenden Betrieb und kommende Vorhaben unternehmen. Dass es trotz schwieriger Rahmenbedingungen so gut laufe, liege an der funktionierenden Community aus Trägerverein, hauptamtlichen Mitarbeitenden und Besuchern. Der Verein habe in den vergangenen Jahren solide gewirtschaftet und Rücklagen gebildet, dennoch sei er natürlich nach wie vor auf Spenden und Unterstützung angewiesen.
Die Gäste hätten ihrem Tierpark die Treue gehalten. Bis zum 29. September hätten in diesem Jahr 141 000 Besucher der Weg in den Tierpark gefunden. Ein guter Wert, meint Christoph Kässer. Im Vor-Corona-Rekordjahr 2018 waren es insgesamt 196 000 gewesen. Für die restlichen Monate des Jahres sind Stand jetzt keine Einschränkungen geplant. Während der Winteröffnungszeiten bleibt der Tierpark nur an den Montagen geschlossen. Im Frühjahr wird wieder umgestellt. Dann soll auch eine neue Tierart die Tierfamilie ergänzen: „Sie halten aber gerade ihre Winterruhe“, mehr verrät Christoph Kässer nicht. Die Neuen hätten schon früher einziehen sollen, doch das Gehege sei aufgrund von Lieferschwierigkeiten noch nicht fertig geworden. Finch ist das egal – er will beschäftigt werden. Er ist eben Energie pur.
Öffnungszeiten
Der Tierpark Nymphaea auf der Esslinger Neckarinsel hat auf Winterzeit umgestellt und bleibt daher montags geschlossen. Eine Ausnahme ist am Montag, 31. Oktober, wenn der Park vor dem Feiertag von 10 bis 17 Uhr besucht werden kann. Auch an Allerheiligen, Dienstag, 1. November, hat der Park geöffnet.
Holzsteg
Aufgrund von Schäden an der Konstruktion wird der Rad- und Fußgängersteg in Oberesslingen über den Altneckar zur Neckarinsel seit 1. August instand gesetzt. Die Arbeiten sollen insgesamt vier Monate dauern. Der Tierpark ist aber über den Nymphaeaweg erreichbar.
Corona
Etwa 600 Tiere leben laut Homepage in dem Park. Sie könnten derzeit ohne Einschränkungen durch die Corona-Pandemie besucht werden.
Mehr steht unter https://www.tierpark-nymphaea.de