Esslinger Unternehmer Langjähriger Eberspächer-Chef ist gestorben
Der Esslinger Automobilzulieferer trauert um seinen langjährigen Geschäftsführer Hans Eberspächer. Er starb nach einem erfüllten Leben mit 87 Jahren.
Der Esslinger Automobilzulieferer trauert um seinen langjährigen Geschäftsführer Hans Eberspächer. Er starb nach einem erfüllten Leben mit 87 Jahren.
Esslingen - Nur wenige Wochen nach dem plötzlichen Tod von Unternehmenschef Heinrich Baumann gibt es beim Automobilzulieferer Eberspächer in Esslingen einen weiteren Trauerfall. Wie jetzt bekannt wurde, starb mit Hans Eberspächer eine weitere prägende Figur des Familienunternehmens. 35 Jahre lang hatte er die Unternehmensgruppe geleitet, ehe er 2001 die Führungsaufgaben an seinen Schwiegersohn Martin Peters übergab. Hans Eberspächer wurde 87 Jahre alt.
Bereits im Alter von 17 Jahren war er, bedingt durch den frühen Tod seines Vaters Richard Eberspächer, als Gesellschafter in das Unternehmen eingetreten. Nach der Schule absolvierte Hans Eberspächer eine Ausbildung zum Industriekaufmann und das Studium der Betriebswirtschaftslehre, das er 1963 abschloss. Es folgten berufliche Stationen in Deutschland und den Vereinigten Staaten, ehe er 1966 die kaufmännische Geschäftsführung bei Eberspächer übernahm.
Er führte den Hersteller von Abgassystemen und Fahrzeugheizungen zunächst gemeinsam mit seinen beiden Onkeln Walter und Helmut Eberspächer. Später leitete er dieses zusammen mit Günter Baumann, dem Schwiegersohn von Helmut Eberspächer und Vater des kürzlich verstorbenen Heinrich Baumann. Gemeinsam mit Günter Baumann trieben sie den Ausbau der Unternehmensgruppe zu einem weltweit führenden Automobilzulieferer voran. Der Umsatz des Unternehmens steigerte sich von rund 50 Millionen Euro im Jahr 1966 auf mehr als 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2001. Die Zahl der Mitarbeiter verdoppelte sich in dieser Zeit auf 5200. Trotz des Wachstums war ihm der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitern sehr wichtig. Hans Eberspächer galt als bodenständig, er war beliebt in der Belegschaft, für die er immer ein offenes Ohr hatte. In den Fabriken sah man ihn oft im Gespräch mit seinen Mitarbeitern.
Zu den Errungenschaften in seiner Zeit als Geschäftsführer zählen der Aufbau einer Fabrik für Abgasanlagen in Südafrika sowie die Entwicklung und Produktion von Katalysatoren. Weitere Meilensteine für das Unternehmen waren die Errichtung eines Entwicklungszentrums in den USA sowie der Einstieg in die elektrischen Fahrzeugheizungen. Letztere kommen heute zunehmend in Fahrzeugen mit Hybrid- und Elektroantrieb zum Einsatz.
Leidenschaft und Einsatz für das Unternehmen verbunden mit den Tugenden des verlässlichen und ehrenhaften Kaufmanns zeichneten sein Lebenswerk aus. So übernahm er bis 1997 die persönliche, unbeschränkte Haftung für das stark wachsende Unternehmen. Sein Handeln zeichnete akribisches und gewissenhaftes Arbeiten aus, zugleich überraschte er sein Umfeld gerne mit geistreichem Humor. Trotz der großen Erfolge drängte es Hans Eberspächer nicht ins Rampenlicht. Bescheiden, wie er war, überließ er die öffentliche Bühne anderen und blieb lieber im Hintergrund. Als vorbildliche Unternehmerpersönlichkeit wurde er 2009 mit dem „Gründerpreis Lebenswerk“ der Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg ausgezeichnet.
Seine Passion im Privaten galt dem Reitsport. Über 20 Jahre lang trat er erfolgreich bei Springturnieren an, zweimal gewann er die württembergischer Meisterschaft. Sein besonderes Engagement galt dem Reit- und Fahrverein Esslingen. Dort unterstützte er die Reiterjugend in der Ausbildung und bei Wettkämpfen.
Eberspächer war es trotz der beruflichen Verpflichtungen stets wichtig, Zeit mit der Familie zu verbringen und sein Wissen weiterzugeben. Mit seiner Frau Rita war er bis zu seinem Tode über 55 Jahre lang glücklich verheiratet. Er selbst bereitete den Übergang auf die nächste Generation im Familienunternehmen, seinen Schwiegersohn Martin Peters, auf vorbildliche Weise vor und vollzog ihn mit außergewöhnlicher Disziplin.