Erste Prioritäten
Katja Walther und ihr Team in der städtischen Stabsstelle für Nachhaltigkeit und Klimaschutz haben die erste Stufe der Wärmeplanung zusammen mit dem Büro Energielenker Projects weiter konkretisiert. Im ATU betonte Walther, dass noch vieles im Fluss sei und dass die Stadt ihre Pläne kontinuierlich anpassen müsse. Die erste Stufe der Wärmeplanung verglich sie mit dem Flächennutzungsplan, der Entwicklungslinien skizziert, die dann in weiteren Schritten zugespitzt werden müssten.
Fünf Bereiche haben die Energieplaner priorisiert, in denen sich eine Wärmewende besonders erfolgversprechend angehen ließe – die Altstadt, die Neckarwiesen, Mettingen, den Zollberg und Zell. Entscheidende Kriterien waren der konkrete Wärmebedarf vor Ort, der Anteil an Ölheizungen, Wärmedichtelinien, das durchschnittliche Gebäudealter und die Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien.
„Wir sollten zunächst einmal schauen, wo wir mit einem vertretbaren Aufwand möglichst rasch möglichst viel erreichen können“, begründete OB Matthias Klopfer das Vorgehen. Alles auf einmal lasse sich etwa beim Ausbau der Fernwärme nicht umsetzen, weil es dafür gar nicht genügend finanzielle, materielle und personelle Ressourcen gebe. Dem OB ist klar, dass die Wärmewende für Esslingen eine Herausforderung ist: „Die Finanzierung wird ein großes Thema.“ Doch der Weg sei alternativlos. Entscheidend für die Akzeptanz sei, dass die Stadt den Bürgerinnen und Bürgern, bei denen der OB eine große Verunsicherung verspürt, klar aufzeige, wohin die Reise gehen soll. Gerade bei der Fernwärme, die für viele eine interessante Alternative zur individuellen Öl- oder Gasheizung darstellen könnte, wünschten sich viele verlässliche Perspektiven.
Stadtwerke haben Schlüsselrolle
Wenn die Wärmewende gelingen soll, werden die örtlichen Stadtwerke (SWE) eine entscheidende Rolle spielen. Am Vorabend der ATU-Sitzung hatte deren Aufsichtsrat getagt. Das Unternehmen hat einen Fahrplan für sein weiteres Vorgehen formuliert. Die SWE sieht sich als „Motor der Energiewende“ und „Antreiber des Ausbaus von erneuerbaren Energien, verbunden mit dem Rückbau der Gasinfrastruktur und bestehender Ölheizungen“. Geschäftsführer Jörg Zou betont allerdings auch, dass eine Abkehr von fossilen Brennstoffen kostspielig werde – zumal auch das Stromnetz weiter ausgebaut werden muss. Wichtig sei etwa, Hauseigentümern Alternativen anzubieten, wenn die eigene Heizung ausgemustert werden muss, der Anschluss an die Fernwärme jedoch ein oder zwei Jahre auf sich warten lasse.
Andreas Fritz (Grüne) sieht die SWE bereits besser aufgestellt als manche andere Stadtwerke. Eine der großen Fragen ist für ihn: „Mit welcher Energie produzieren wir Wärme?“ Heidi Bär (SPD) fragte sich, wo der Gemeinderat noch Einflussmöglichkeiten habe – etwa in der Frage, welchen Anteil die Fernwärme künftig haben soll. Sie würde wie ihr Fraktionskollege Andreas Koch gerne noch grundlegender über die kommunalpolitischen Leitplanken für die Wärmewende diskutieren. Doch da sieht OB Matthias Klopfer wenig Spielräume: „Die wesentlichen Diskussionen werden im Aufsichtsrat der SWE geführt.“ Deren Gesellschafter sind zu gleichen Teilen die Stadt Esslingen und die EnBW. Das sei eine andere Situation als in Kommunen, die ihre Stadtwerke zu 100 Prozent besitzen. Eine wesentliche Frage müsse jedoch der Gemeinderat mit Blick auf die Fernwärme irgendwann beantworten: „Soll es einen Anschluss- und Benutzungszwang geben?“
„Nicht nur planen – machen“
Eberhard Scharpf (Freie Wähler) fragt sich, wie das bisherige Erdgasnetz gerade in der Altstadt ertüchtigt werden kann und muss, damit künftig Wasserstoff durch die Leitungen fließen könnte, und wie die Stadt an die nötigen Fördergelder kommen könnte. Karin Pflüger (CDU) findet, „dass sich ein so komplexes Thema wie die Wärmeplanung nicht in eineinhalb Stunden lösen lässt“. Sie sieht die weiteren Entwicklungen als „ein atmendes System“. Und für Johanna Renz (Linke) ist klar: „Wir müssen als Stadt die Richtung vorgeben. Wichtig ist, dass wir nicht nur planen, sondern auch zügig machen.“
Fünf Esslinger Stadtteile im Fokus
Favoriten
Die Energieplaner haben im Esslinger Stadtgebiet fünf Bereiche identifiziert, in denen sich energetisch einiges bewegen ließe.
Altstadt
Dieser Bereich ist durch alte Gebäude geprägt, zu 88 Prozent wird mit Erdgas geheizt. Ziel ist eine klare Senkung des Wärmebedarfs im Altbaubestand, wobei viel Detailarbeit und intensive Beratung nötig sind.
Neckarwiesen
Industrie und Gewerbe prägen das Bild, geheizt wird meist mit Erdgas (48 Prozent) und Fernwärme (33 Prozent). Die Stadt sieht eine hohe Motivation zum Energiesparen, geplant ist ein Energiepark. Durch Zusammenarbeit von Unternehmen sollen sich neue Synergien ergeben.
Mettingen
Geheizt wird zu 72 Prozent mit Erdgas. Die Nähe zum bestehenden Fernwärmenetz eröffnet Möglichkeiten, eine Pipeline für industrielle Nutzung von Wasserstoff wird angestrebt.
Zollberg
85 Prozent der Gebäude wurden dort vor 1969 gebaut und lassen Spielräume für energetische Sanierungen erwarten – zunächst gibt es jedoch erheblichen Beratungsbedarf der Eigentümer. Zu 57 Prozent wird dort mit Erdgas geheizt, Probebohrungen sollen ermitteln, ob es Möglichkeiten für Geothermie gibt.
Zell
77 Prozent der Gebäude wurden dort zwischen 1970 und 1989 gebaut und könnten Möglichkeiten energetischer Sanierung bieten. Der Ausbau der Fernwärme ist im Gespräch, die solaren und geothermischen Potenziale gelten als hoch.