Eulen-Beringung in Ostfildern Ein gutes Jahr für den Kauz

Klaus Glenk und Steffi Schanz haben zu zwei Steinkauz-Küken ein echtes Vertrauensverhältnis aufgebaut. Foto: /Peter Stotz

Ehrenamtliche der Ortsgruppe Ostfildern-Nellingen des Naturschutzbunds kümmern sich um die Bestände der Wald- und Steinkäuze in ihrem Gebiet. Sie versorgen deren Bruthöhlen und setzen sich für den Erhalt der Lebensräume für die Vögel ein.

Ostfildern - Ehrenamtliche der Ortsgruppe Ostfildern-Nellingen des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) kümmern sich um die Bestände der Wald- und Steinkäuze in ihrem Gebiet, versorgen deren Bruthöhlen und setzen sich für den Erhalt der Lebensräume der Vögel ein. Regelmäßig im Frühjahr werden die Bruten kontrolliert, im Frühsommer werden dann die Jungtiere gezählt und beringt. Eine Beringungsaktion bei Nellingen hat gezeigt, dass sich die Steinkauz-Population gut entwickelt.

 

Wie so viele Jungtiere haben auch kleine Steinkäuze etwas Possierliches an sich, allerdings schauen sie, wie auch die erwachsenen Vertreter der Eulen, schon im Alter von wenigen Wochen mit großen, wissenden Augen in die Welt. „Die jungen Vögel sind ein bisschen wie Kinder. Es gibt welche, die sind etwas zickig, andere schmusen regelrecht“, sagt Steffi Schanz und krault einen kleinen flauschigen Kerl, der sich in ihre Hand geschmiegt hat.

Der Steinkauz liebt Streuobstwiesen

Steffi Schanz gehört zu einer Gruppe Ehrenamtlicher, die sich bei der Ortsgruppe Nellingen des Nabu um das Wohlergehen und den Erhalt des Lebensraums der Eulen auf der Gemarkung kümmert. Seit zehn Jahren ist sie als Kauz-Beauftragte des Nabu für die Population der Steinkäuze und auch anderer Eulen zuständig.

Der Steinkauz bevorzugt als Lebensraum weitläufige und offene Kulturlandschaften wie etwa Streuobstwiesen mit großen Bäumen. Dort finden sie im Idealfall einerseits hohle Äste oder Stämme, in denen sie ihre Wohnhöhlen einrichten können, andererseits aber auch genügend Nahrung wie Mäuse, Insekten, Würmer oder Amphibien.

Rund um Nellingen haben die Vogelschützer des Naturschutzbundes elf Gebiete identifiziert, in denen Steinkäuze leben und ihre Jagdreviere haben. Um ihren Bestand zu sichern, wurden insgesamt 23 hölzerne Röhren in den dortigen Bäumen installiert. „Käuze haben jeweils eine Wohnhöhle und eine Vorratshöhle für die Nahrung und sie sind standorttreu und ein Leben lang als Paar zusammen“, erklärt Steffi Schanz.

Viel Nahrung für die kleinen Vögel

Immer im Frühjahr werden die Höhlen kontrolliert und, wenn nötig, gereinigt. In diesem Jahr wurden in sechs Revieren erfolgreiche Bruten mit insgesamt 13 Jungvögeln gefunden. „Es gab viel Regen und in den vergangenen Wochen war es warm. Das bedeutet viel Nahrung für die kleinen Vögel und ein gutes Jahr für den Kauz“, sagt Schanz.

Bevor die kleinen Käuze flügge sind, das Revier der Eltern verlassen und sich ein eigenes Wohngebiet suchen, werden sie von den Nabu-Ehrenamtlichen beringt. Dafür steigen Schanz und ihr Mitstreiter Klaus Glenk per Leiter in die Wohnbäume, holen die Jungvögel vorsichtig aus der Brutröhre und kontrollieren deren Entwicklungsstand. Die kleinen Eulen lassen die Prozedur recht gelassen über sich ergehen, allerdings wird alles recht genau von der Mutter beobachtet, die versteckt in einem benachbarten Baum sitzt, erklärt Glenk.

Ein Supersportler aus Straßburg

Der Ring, der schließlich mit einer Zange um einen Fuß gelegt und verschlossen wird, ist mit einer individuellen Kennziffer versehen. Die Nummer wird sowohl in Ostfildern als auch in einem zentralen Register in Radolfzell hinterlegt. Als Visitenkarte dient der Ring somit zur Beobachtung von Wanderungsbewegungen und zur Identifikation von Besuchern oder neuen Bewohnern in den Nellinger Revieren. „Steinkäuze wandern normalerweise nicht sehr weit. Wir hatten einen, der in Erkenbrechtsweiler beringt worden ist, das ist schon sehr weit. Und einmal haben wir einen aus Straßburg gehabt, das war der Supersportler unter den Käuzen“, erzählt Steffi Schanz.

Insgesamt sei es erfreulich, wie gut sich die Kauz-Population in Nellingen entwickelt, sagen Schanz und Glenk. Dies sei nicht zuletzt auch auf das Engagement von Streuobstwiesenbesitzern zurückzuführen, die sich um den Erhalt des Lebensraums bemühen. „Und jetzt hoffen wir, dass wir im nächsten Jahr wieder eine öffentliche Beringung machen können. Gerade für Kinder ist das eine schöne und wichtige Erfahrung“, sagt Klaus Glenk.

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