Europa League gegen Eintracht Frankfurt Mesut Özil – Fenerbahces umstrittener Star

Mesut Özil konnte die hohen Erwartungen in der Türkei bisher nicht erfüllen. Foto: imago images/Seskim Photo/Seskimphoto

In Istanbul hat der 32-Jährige viel vom Glanz eingebüßt. So gab es vor dem Frankfurt-Spiel in der Europa League an diesem Donnerstag gar Spekulationen über ein Ende seiner Türkei-Zeit.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Frankfurt - Inzwischen befindet sich seine Bühne nicht mehr in der Königsklasse im Dress der Königlichen von Real Madrid, sondern es ist die kleine Schwester Europa League, in der sich Mesut Özil nunmehr im gelb-blauen Dress der Kanarienvögel von Fenerbahce Istanbul zu behaupten hat. An diesem Donnerstag (21 Uhr/TV Now) spielt der 92-fache deutsche Ex-Nationalspieler zum Auftakt der Gruppe D, zu der noch die Teams von Olympiakos Piräus und Royal Antwerpen zählen, bei Eintracht Frankfurt vor. Es ist Özils erstes Spiel auf deutschem Boden seit dreieinhalb Jahren, seit seinem Abschied aus der Nationalelf. Den hatte nach der verkorksten WM 2018 ein turbulenter Zoff begleitet.

 

Schwere Aufgabe für Fenerbahce

„Wahrscheinlich ist die Partie gleich mal die schwerste der sechs Gruppenspiele. Vor drei Jahren hat die Eintracht ja gezeigt, wozu sie in der Lage ist mit dem Einzug ins Halbfinale“, sagt Mesut Özil: „Fans und Umfeld in Frankfurt nehmen diesen Wettbewerb sehr ernst, was man nicht immer von jeder deutschen Mannschaft behaupten kann.“

Die türkische Vokabel „Mesut“, sie bedeutet auf Deutsch „glücklich“ – und dennoch hat Özil bereits acht Monate nach seinem triumphalen Empfang in Istanbul, nach dem Abschied im Januar vom FC Arsenal, schon wieder etwas zu beweisen. Und dies nicht nur am Donnerstagabend in Frankfurt. Denn die einst heile Fußballwelt des Jungen aus Gelsenkirchen, sie hat auch in der neuen Heimat Risse bekommen.

So wurden zuletzt ernst zu nehmende Gerüchte laut, Özil könne die türkische Süper Lig trotz eines Vertrages bis 2024 beim 19-fachen Meister Fenerbahce schon bald wieder verlassen. Von einem möglichen Wechsel nach Katar berichtete zunächst „Sabah“, die auflagenstärkste Tageszeitung des Landes – ehe die spanische Sportgazette „As“ nachlegte und über einen bevorstehenden Wechsel in die USA spekulierte.

Tatsächlich hatte Özil selbst zumindest die Katar-Gerüchte angeheizt, indem er sich Anfang September mit Scheich Tamin Bin-Hamad, dem Herrscher des Emirats, bei einem Besuch am Arabischen Golf für mehrere Fotos medienwirksam in Szene setzte.

Der Berater muss beschwichtigen

Während Özil im dritten Saisonspiel gegen Altay SK offenbar wegen Leistenproblemen aussetzte, erklärte sein Berater Erkut Sogut den besorgten türkischen Fans quasi zeitgleich, der ehemalige Mittelfeldspieler von Schalke, Bremen, Real und Arsenal sei nur aufgrund von „kommerziellen Angelegenheiten und Sponsorengesprächen“ in das WM-Gastgeberland von 2022 gereist.

In der Zeitung „Hürriyet“ schob Sogut nun am Dienstag nach: „Es gibt einige Fußballspieler, die in die Türkei kommen, weil sie keinen anderen Verein finden. Mesut ist gekommen, weil er es geplant und gewollt hat – und nicht für Geld.“

Tatsächlich beträgt das Jahresgehalt des Fener-Regisseurs, dem in der Türkei noch immer eine große Verehrung zuteil wird, am Bosporus nun „nur“ noch fünf Millionen Euro, anstatt der 20 Millionen, die ihm zuvor die Gunners pro Saison überwiesen hatten.

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Mit allein 37 Millionen Followern auf Twitter ist Mesut Özil nicht nur ein Fußballer, sondern auch eine Marke. Also findet sich auch weiterhin in türkischen Medien kaum ein Bericht, in dem nicht von „unserem Weltstar Özil“ die Rede ist. Doch die erhoffte sportliche Leistung hat der Weltmeister für Fenerbahce bisher nicht bringen können. Einem Verein, der seit 2014 sehnsüchtig auf den Meistertitel wartet.

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So brachte es Mesut Özil in der Rückrunde der Vorsaison durch eine Verletzung am Sprunggelenk lediglich auf zehn Saisonspiele, kein Tor und nur einen Assist. Nebenbei ging die Tabellenführung verloren – und den Titel schnappte sich am Ende der Istanbuler Stadtrivale Besiktas.

Goldenes Tor zum Saisonstart

„Der Start war sehr schwierig, weil ich mit wenig Spielpraxis von Arsenal kam. Dann kam noch eine Verletzung hinzu“, sagt Özil vor dem Frankfurt-Spiel: „Diese Saison fühle ich mich viel besser und stärker und bin auch optimistisch, dass wir mit dem neuen Trainer und den neuen Spielern eine erfolgreiche Saison absolvieren werden.“ Tatsächlich hat Özil in dieser Runde allerdings bisher nur drei von vier Spielen gemacht, davon keines über 90 Minuten. Immerhin gelang ihm zum Saisonauftakt das goldene Tor beim 1:0-Sieg über Demirspor Adana.

Hat Özil seinen Zenit überschritten?

Doch weitere entscheidende Impulse hat die Nummer 10 in der Türkei nicht geben können. Ist Özils Zeit längst abgelaufen, wie es der einstige Bayern-Boss Uli Hoeneß bereits 2018 nach dem Ende des Spielmachers in der DFB-Elf im Anschluss an das WM-Vorrundenaus gewusst haben will? Özil sei ein „Alibi-Kicker“, der „einen schönen Dreck“ gespielt habe, tönte Hoeneß damals. Fakt ist: Der Fener-Trainer Vitor Pereira setzt immer häufiger auf den jungen Muhammat Gümüskaya, 20. Immerhin reicht Özil nun seinem ehemaligen Bundestrainer Joachim Löw die Hand: „Jogi kennt sich ja in Istanbul bestens aus und ist jederzeit willkommen.“

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