Europäischer Kultursommer in Fellbach Alte und neue Fundstücke aus Frankreich

Eine sommerliche Szene vom Strand in der Bretagne im Jahr 1971 Foto: Manfred Storck (cf), Stadtumseum

In der Ausstellung „Et voilà!“ wird begleitend zum 7. Europäischen Kultursommer aus Fellbacher Sicht eine Annäherung zum Nachbarland versucht. Es werden Themen wie Städtepartnerschaften, Mode, Brauchtum und Musik bedient.

Die mechanische Nähmaschine ist weggeräumt, jetzt steht im Fellbacher Stadtmuseum ein sogenanntes Vélosolex. Es handelt sich dabei um ein Mofa, das vom französischen Vergaserhersteller Solex von 1946 bis 1988 produziert wurde. Ein ungewohntes Bild. „Savoir-vivre“ im Stadtmuseum: Auf die viel gelobte und stark besuchte Ausstellung zum Thema Handarbeit und Upcycling folgt ab Samstag eine Schau, die sich ausgiebig mit Deutschlands westlichem Nachbarland beschäftigt.

 

Den Franzosen wird nachgesagt, dass sie die Kunst des guten Lebens verstünden

Den Franzosen wird nachgesagt, dass sie die Kunst des guten Lebens verstünden. Wie das beispielsweise in Fellbach gesehen und empfunden wird, das will die neue Ausstellung „Et voilà!“ veranschaulichen, die zum gerade gestarteten siebten Europäischen Kultursommer in Fellbach mit dem Gastland Frankreich gehört. „Wenn das Wetter es zulässt, sind Aktionen vor dem Museum geplant“, sagt Ursula Teutrine, die Leiterin des Stadtmuseums.

Coronabedingt wurde der Kultursommer von 2020 auf 2023 verschoben. Die seinerzeit im Stadtmuseum konzipierte Ausstellung „Das kleine Schwarze“ wurde aber mittlerweile bereits unter coronakonformen Bedingungen gezeigt. Deshalb wurde ein neues, zu Frankreich passendes Thema gesucht und gefunden – unter dem Titel „Et voilà!“ präsentiert es nun Fundstücke aus und zu Frankreich. Die meisten stammen von in Fellbach lebenden Franzosen, von Mitgliedern des Fellbacher Städtepartnerschaftsvereins, frankophilen Sammlern und vom früher fürs Fellbacher Presseamt unter Leitung des damaligen Chefs Manfred Bockenheimer fotografierenden Manfred Storck.

Storck hat vor allem den Bau des neuen Rathauses begleitet. In seiner Freizeit bereiste der engagierte, interessierte Fotograf die ganze Welt, auch Frankreich. Ursula Teutrine hat den weit über 80-Jährigen an seinem Wohnort in Bad Cannstatt besucht und viele Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus dem Frankreich der Nachkriegszeit aus seinem privaten Archiv bekommen. Sie werden jetzt im Obergeschoss des Stadtmuseums ausgestellt und zeigen das Bild eines eher unbekannten Nachbarn.

Im Erdgeschoss gibt es viele „Fundstücke“, wie Ursula Teutrine die typisch französischen Gegenstände und Produkte der französischen und deutschen Mitbürger Fellbachs nennt. Erinnerungen daran werden in den begleitenden Wandtexten aufgriffen – in französischer Originalsprache und in der deutschen Übersetzung. Aus der Sammlung des Autohauses Schweier in Fellbach-Schmiden stammt unter anderem das zweirädrige Vélosolex. Frankreich ist nämlich auch das Land berühmter Automarken – und der eleganten Mode, der edlen Düfte wie Chanel No. 5 oder der Baskenmütze, den Gummistiefeln von Aigle und gestreiften Matrosenpullis.

Zu Frankreich gehören auch Chansons. Louis Widmann – er absolviert gerade seinen Bundesfreiwilligendienst im Museum – wird in einem kleinen Bistro bei Veranstaltungen auf einem historischen Schallplattenspieler Vinyl-Platten auflegen – ein Wiederhören mit Mireille Mathieu, Charles Aznavour und anderen ist garantiert.

Frankreich ist auch das Land der Comics und Zeichnungen. Die Fellbacher Grafikerin Anette Grimmel hat sich einige Motive gesucht und eigens für die Ausstellung, bei der die Wände im Museum in den Nationalfarben blau-weiß rot gestrichen sind, gemalt.

Die Städtepartnerschaft mit Tain l’Hermitage wird ebenfalls thematisiert

Die Städtepartnerschaften mit Tain l’Hermitage, mit seinen weltbekannten Rotweinen und der Valrhona-Schokolade, und mit Tournon-sur-Rhône werden ebenfalls behandelt, mit Postkarten aus der Sammlung von Michael Schwarz, historischen und aktuellen Fotos, die der Fellbacher Fotograf Peter Hartung von einer eigens im Vorfeld der Ausstellung unternommenen Reise in die beiden Städte mitgebracht hat.

Das zum Thema abgestimmte Begleitprogramm ist wieder interaktiv angelegt. Im Familienzentrum in der Bahnhofstraße kann man zum Beispiel lernen, wie zwei typisch französische Gebäcksorten, die anspruchsvollen Macarons und die volkstümlichen Madeleines, hergestellt werden. Es gibt Abende und Matineen mit Akkorden-Musik, Gugelhupf und anderen „Versucherle“. Französische Kochbücher werden vorgestellt, mit Alfons Scheirle darf man französische Lieder anstimmen, bei einem Vintage-Markt französische Mode erwerben und in einem Vortrag Interessantes über französische Kult-autos erfahren und an auserwählten Sonntagen sogar mit den rollenden Klassikern ausfahren. Natürlich steht ebenfalls das beliebte Museums-Café unter französischem Einfluss. Die Frauen vom Verein Kreativ Handeln haben offenbar schon französische Kuchenrezepte ausprobiert.

Ausstellungseröffnung zur Remstal-Museumsnacht

Vernissage
Am Samstag, 20. Mai, geht um 19 Uhr der Vorhang auf für die „Kleine Schau voller französischer Dinge und Sujets“ im Fellbacher Stadtmuseum in der Hinteren Straße. Die Ausstellung wird von Kulturamtsleiterin Maja Heidenreich eröffnet, am Abend der Remstal-Museumsnacht. Für Temperament und gute Laune sorgen der Verein Kreativ Handeln mit französischem Fingerfood und Wein. Für die Musik ist das Trio um den Kontrabassisten Florian Bony verantwortlich. Zusammen mit Hugo Rannou (Cello und Gesang) und Christopher James Hall (Piano) war er bereits zu einem Konzert während der Ausstellung „Das kleine Schwarze“ zu Gast.

Youngtimer
Um die französische Stimmung zu vervollkommnen, steht ein vom Fellbacher Autohaus Schweier zur Verfügung gestellter Youngtimer der Marke Renault auf dem Museumsvorplatz. Im Museum gibt es ein Pariser Café und Geschichten zu beliebten Kaffee- und Gebäcksorten sowie zu Nationalgerichten und Süßspeisen, Bücher liegen zum Schmökern aus.

Dauer
Die Ausstellung „Et voilà!“ wird vom 20. Mai bis 24. September bei freiem Eintritt in der Hinteren Straße 26 gezeigt, geöffnet hat sie Dienstag bis Samstag von 14 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Flyer zur Ausstellung liegt beim i-Punkt kostenlos aus.

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