Evangelische Jugendhilfe in Ludwigsburg Wie Hündin Paula jungen Menschen fürs Leben hilft

Petra Bürkle-Blum und ihre Therapiehündin Paula helfen den Jugendlichen, ihre Kommunikation zu verbessern. Foto: privat

Petra Bürkle-Blum besucht mit ihrer Therapiehündin Paula Jugendliche der Evangelischen Jugendhilfe in Ludwigsburg. Durch spielerische Übungen sollen sie lernen, ihre Kommunikation und den Umgang mit anderen zu verbessern.

Digital Desk: Laureta Nrecaj (nre)

„Paula, komm“, ruft Moritz die Hündin, die vor ihm auf dem Boden liegt. Sie steht sofort auf und läuft zu ihm hin. „Paula, sitz“, sagt er, und auch auf dieses Kommando hört sie. Mit einem breiten Lächeln füttert Moritz das Tier mit einem wohlverdienten Leckerli.

 

Für Moritz ist die kleine Szene ein Erfolgserlebnis. Er ist einer von sechs Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren, die sich zweimal wöchentlich in den Räumen der ambulanten „Gruppe in Ludwigsburg“ nahe der MHP Arena treffen. Den Kindern ist gemeinsam, dass sie Probleme im Alltag haben. Während einige von ihnen schüchtern sind, geraten andere häufig in Konflikte und können ihre Emotionen nicht regulieren. Auch Kinder, die Mobbing erlitten haben, werden dort unterstützt. Die Fachkräfte der Gruppe stellen neben dem privaten und schulischen Umfeld eine zusätzliche Hilfe sowie eine neutrale Bezugsperson dar – wenn es privat und in der Schule eben nicht läuft.

Die Jugendlichen sollen in ihrer Entwicklung unterstützt werden

Die Gruppe wird vom Jugendamt vermittelt, wenn Familien Unterstützung bei der Erziehung benötigen. Sie gehört zur Evangelischen Jugendhilfe und wird von den pädagogischen Fachkräften Charlotte Kempf und Judith Reder betreut. In Übungen, Ausflügen und Gesprächen werden die Kinder und Jugendlichen darin unterstützt, ihre Interessen und Bedürfnisse kennenzulernen sowie ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Auch das soziale Miteinander steht im Fokus, sie sollen ihren Umgang mit und die Beziehung zu anderen Kindern und Erwachsenen verbessern. Ihnen wird beigebracht, wie man respektvoll auf andere Menschen zugeht und Konflikte löst. Kommunikation spielt dabei eine wichtige Rolle, sagt Charlotte Kempf.

Therapiehündin zur Hilfe eingeladen

Damit die Kinder das besser verstehen, wurden Petra Bürkle-Blum und ihre Therapiehündin Paula eingeladen, an drei Tagen die Gruppe für jeweils eine Stunde zu besuchen und gemeinsame Übungen zu machen, etwa den Hund durch Kommandos zu rufen und dann zu belohnen.

Doch was bringen die Übungen? Sie helfen den Jugendlichen, eine Beziehung zum Hund aufzubauen, erklärt Bürkle-Blum. Darüber hinaus verbessere es die Kommunikation der Teilnehmer und den Umgang mit anderen Menschen. Denn es sei beispielsweise wichtig, der Hündin deutliche Ansagen zu machen, aber gleichzeitig höflich zu sein und sie nicht anzuschreien. Ansonsten würde sie nicht auf die Kommandos hören.

Durch spielerische Erklärungen die Inhalte besser verstehen

Die Jugendlichen lernen dadurch auch, nicht durcheinander zu reden, sondern zu warten, bis man an der Reihe ist. Man dürfe auch nicht gleich aufgeben, wenn die Hündin nicht direkt gehorche. „Durch die Übungen sollen die Themen spielerisch an die Jugendlichen vermittelt werden und nicht nur theorielastig sein“, sagt Charlotte Kempf.

Bereits beim zweiten Treffen kann Petra Bürkle-Blum eine Entwicklung der Gruppe beobachten. Während die Jugendlichen anfangs noch unsicher waren und nicht sofort auf die Hündin zugingen, waren sie beim nächsten Mal schon selbstsicherer und führten die Übungen selbstständig aus. „Sie sind mutiger geworden, auch mit dem Füttern“, sagt sie. „Beim ersten Mal hat nicht jeder gefüttert.“

Es ist wichtig, kompromissbereit zu sein

Dass manche Menschen anfangs eher auf Distanz zur Hündin gehen, sei normal. Deshalb ist es wichtig, immer nachzufragen, wer sich unwohl fühle oder Angst habe. Wer noch nicht bereit ist, die Übungen allein auszuführen, müsse das auch nicht tun. Stattdessen hilft Bürkle-Blum dabei, die Hündin zu rufen und zu füttern. Wenn dann klar sei, dass Paula nicht bellt oder hochspringt, seien die Jugendlichen entspannter.

Auch Judith Reder findet es wichtig, auf die Jugendlichen zu achten und Kompromisse einzugehen. Zwar sollen sie durch die Aufgaben herausgefordert werden und „nicht immer nur in ihrer Wohlfühloase sein“. Sondern auch etwas tun, das sie sonst nicht machen würden. Aber dann müsse man dafür Wege finden, mit denen auch die jungen Menschen einverstanden sind: „Wir wollen sie fordern, aber nicht überfordern.“

Angebote mit Therapiehundeteams

Kooperation
 Bei einem Ausflug im September vergangenen Jahres traf die Jugendgruppe zufällig eine Frau, die mit ihrem Hund unterwegs war. Diese erklärte ihnen, dass sich ihr Hund noch in der Ausbildung zum Therapiehund befinde und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Kooperationen anbiete. Dabei kann das Therapiehundeteam, bestehend aus einer Person und einem Hund, in den Alltag oder die pädagogische Arbeit integriert werden. Dieses Angebot hat die Jugendhilfe nun auch wahrgenommen. Petra Bürkle-Blum und Paula haben neben der Jugendgruppe beispielsweise auch Kindergärten oder Seniorenheime besucht.

Ausbildung
 Die Therapiehunde sind eine Gruppe der Rettungshundebereitschaft des Kreisverbandes Ludwigsburg des DRK. Die Hunde und ihre Führer müssen eine Prüfung absolvieren, um als Therapiehundeteam zugelassen zu werden. Die Menschen müssen bei Personen und Hunden Erste Hilfe leisten können sowie den richtigen Umgang mit verschiedenen Menschen erlernen. Die Hunde müssen gehorsam, lärmresistent und unerschrocken sein.

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