Evangelische Kirche ergreift harte Sparmaßnahmen Viele Gemeinden verlieren Seelsorger

Die Pfarrstelle an der Stadtkirche Leonberg bleibt erhalten, nicht wenige andere werden gestrichen. Foto: privat

Die Synode des evangelischen Kirchenbezirks Leonberg hat den Pfarrplan 2030 beschlossen. Der beinhaltet tief greifende Einschnitte, denn jede vierte Pfarrstelle wird gestrichen. An einigen Eckpfeilern wird jedoch auch in der Zukunft nicht gerüttelt.

Den Luxus einer eigenen Pfarrerin oder eines eigenen Pfarrers können sich die Kirchengemeinden im evangelischen Kirchenbezirk Leonberg in Zukunft nicht mehr leisten. Sinkenden Mitgliederzahlen und damit fallenden finanzielle Zuweisungen sind der Grund. Wie es in den katholischen Kirchengemeinden längst der Fall ist, werden auch hier zum Ende dieser Dekade Seelsorger für mehrere Gemeinden tätig sein, oder Teams ihren Dienstauftrag verrichten. Das hat nun mit dem Pfarrplan 2030 die Synode des Kirchenbezirks Leonberg mit einer Gegenstimme abgesegnet.

 

Die Landessynode und der Oberkirchenrat geben die Marschlinie vor. Diese schlägt sich im Pfarrplan 2030 nieder. Das Ergebnis ist, dass rund ein Drittel der Pfarrstellen im Kirchenbezirk, also im Dekanat Leonberg, bis zum Ende der Dekade verloren gehen. „Vor diesem Hintergrund haben zahlreiche konstruktive Gespräche und Beratungen stattgefunden, um gemeinsam tragbare Lösungen zu finden“, sagte Pfarrer Jochen Haas. Als Dekan-Stellvertreter hat er gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Bezirkssynode, Thomas Vogel, und dem Schuldekan Andreas Hinz die Tagung im Haus der Begegnung geleitet.

Pfarrer Jochen Haas, Leonberg, hat die Sitzung geleitet, bei der die Sparmaßnahmen bekannt gegeben wurden. Foto: privat

Der Pfarrplan 2030 beinhaltet die Lösungen für Stellenverteilung in den drei Teilgebieten des Kirchenbezirks. Zentral erhalten bleiben die Dekanstelle (100 Prozent) und die Stelle des Pfarrers zur Ausbildung (100 Prozent). Diese ist im Bezirk wichtig, wenn es darum geht, vakante Stellen auszugleichen oder wenn Ersatz notwendig ist. Auch die Krankenhausseelsorge bleibt zu 50 Prozent erhalten, ebenso wie die Altenheimseelsorge (100 Prozent).

Für das Teilgebiet 1, das Stadtgebiet Leonberg und die Teilorte verbleiben bis 2030 vier ganze Pfarrstellen. Die Pfarrstelle Höfingen (100 Prozent) und die an der Stadtkirche (100 Prozent) bleiben erhalten. Von der 100-Protentselle in Gebersheim – mit 50 Prozent Dienstauftrag in Leonberg Nord – verbleibt nur noch letzterer. Die Pfarrstelle im Ramtel wird gestrichen, sobald sie frei wird. In Eltingen beleibt die Pfarrstelle Eltingen-West, wo auch die Geschäftsführung angesiedelt ist, zu 100 Prozent erhalten. Eltingen-Ost (75 Prozent) wird gestrichen, sobald die Stelle frei wird. Von der Pfarrstelle Warmbronn (100 Prozent, mit 25 Prozent Dienstauftrag in Eltingen), bleibt nur noch eine halbe Stelle in Warmbronn übrig. Allerdings müsse über die künftige Struktur in dem Teilgebiet noch nachgedacht werden, heißt es in Beschluss der Synode.

Im Teilgebiet 2 verlieren die Würemtalgemeinde (Münklingen-Hausen) und die Gemeinde Schafhausen ihre 50-prozentigen Seelsorger-Stellen komplett. Eine komplette Stelle bleibt in Merklingen ebenso in Weil der Stadt erhalten. Hier sind die Kirchengemeinden der Keplerstadt und die von Schafhausen in einem Fusionsprozess, der zum 1. Januar abgeschlossen sein soll. Renningen hatte bisher zwei Pfarrstelle, davon beleibt nur noch Renningen-Süd als geschäftsführende Stelle übrig. Auch Malmsheim bleibt verschont. Doch eventuell könnten in 100 Prozent auch einen Dienstauftrag in Renningen inbegriffen sein.

Weissach und Flacht werden wohl auch zusammengehen

In dem Teilgebiet 3 verbleiben insgesamt 4,5 Pfarrstellen. Auch Rutesheim und Silberberg wollen zum Jahresende fusionieren. Dann soll das Pfarramt Rutesheim auch die frei werdende Stelle Perouse (100 Prozent) mitversorgen zumal ihm die halbe Stelle vom Silberberg zugeschlagen wird. Die Gemeinden Weissach und Flacht wollen bis 2030 auch zusammengehen, zumal bis zum Ende der Dekade nur noch eine Pfarrstelle bleibt. Die 75 Prozent in Flacht entfallen.

Die Enzkreis-Gemeinden Heimsheim, Friolzheim, Wimsheim und Mönsheim streben eine enge Kooperation an, eventuell einen Verbund oder eine Teil-Fusion. Das wird wohl auch nötig, denn es verbleiben nur noch die Pfarrstellen Heimsheim und Wimsheim. Friolzheim wird bei Freiwerden aufgehoben und soll von Heimsheim versorgt werden. Wimsheim wäre dann auch für Mönsheim zuständig.

Um diese Zeit der Umstrukturierung zu erleichtern, bekommen die Kirchenbezirke ein Bonbon vor der Landeskirche: eine sogenannte Transformationsstelle, die vorerst auf sechs Jahre festgelegt ist. Die Stelleninhaber sollen sich vermehrt um das Thema Taufe und was danach kommt kümmern – soll also Familien ansprechen; dazu kommt Religionsunterricht und die Vertretung bei Bestattungen oder Gottesdiensten.

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