Für die Wahl in der Evangelischen Landeskirche Württembergs gibt es drei Kandidaten. Einer habe besonders gute Chancen, heißt es.

Politik: Michael Trauthig (rau)

Stuttgart - Sollte erstmals eine Frau zur Bischöfin der Evangelischen Landeskirche Württembergs gewählt werden? Für die Pfarrerin Viola Schrenk, die sich für das Amt bewirbt, ist die Sache natürlich klar. Dennoch bleibt sie am Dienstagmorgen bei ihrer Vorstellung diplomatisch: Es wäre am besten, wenn sich die Frage gar nicht stellte, ob Frau oder Mann, betont die Theologin. Sie deutet aber an, dass man in der Gesellschaft und in der Kirche eben doch noch nicht so weit sei. Die Studieninspektorin des Evangelischen Stifts in Tübingen wird von dem progressiven Gesprächskreis Offene Kirche unterstützt. Gleichwohl will die 51-Jährige nicht als Vertreterin eines Lagers gelten. Unter den 130 Studierenden im Stift gebe es auch unterschiedliche Glaubensverständnisse. „Ich habe die Fähigkeit zu moderieren und Brücken zu schlagen.“

Zurückhaltende Äußerungen

Ähnlich zurückhaltend äußern sich an diesem Morgen ihre beiden Konkurrenten, der Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl und Gottfried Heinzmann, der frühere Leiter des Evangelischen Jugendwerks. Heinzmann wird von der pietistisch geprägten Lebendigen Gemeinde und der Gruppe Kirche für morgen ins Rennen geschickt. Er legt zwei Hände ineinander, um seine Art von Führung zu veranschaulichen: „Ich halte zusammen“, sagt der 56-Jährige. Mit dieser Geste habe er sich als Vorstandsvorsitzender der „Zieglerschen“ den Menschen vorgestellt, die wegen ihrer Behinderung mit Sprache nicht so leicht zu erreichen seien. Heinzmann steht seit rund vier Jahren an der Spitze des großen diakonischen Unternehmens mit rund 3400 Mitarbeitenden in der Alten-, Behinderten- und Jugendhilfe. „Oberster Chef zu sein entspricht nicht meiner Haltung“, sagt der zweifache Vater. „Ich höre zu, vertraue und ermutige Menschen.“

Vertrauen und Zuversicht gelten als wichtig

Sein Mitbewerber stößt ins gleiche Horn. Vertrauen und Zuversicht seien in den Veränderungsprozessen, die die Kirche durchmache, wichtig, betont Ernst-Wilhelm Gohl. So habe er als Dekan in einem Kirchenbezirk mit völlig unterschiedlichen Gemeinden in Stadt und Land stets auf den Ausgleich verschiedener Positionen geachtet. „Wir alle haben den Auftrag, das Evangelium weiterzugeben.“ Gohl ist wohl der bekannteste Kandidat. Der 58-Jährige geriet besonders vor Weihnachten vergangenen Jahres in den Fokus der Öffentlichkeit. Da hatte der Kirchengemeinderat beschlossen, wegen einer als rassistisch bewerteten Darstellung des schwarzen Melchior die drei Könige nicht in der Krippe des Ulmer Münsters zu zeigen. Die Folgen waren eine große Aufregung, bundesweite Schlagzeilen und Angriffe, die vor allem auf Gohl zielten. Der verteidigte tapfer die Entscheidung, erhielt aber auch Zustimmung. Sein Vermittlungsgeschick hat Gohl innerkirchlich auch bei einem anderen heißen Thema bewiesen: bei der Frage, ob auch in Württemberg homosexuelle Paare in einem öffentlichen Gottesdienst gesegnet werden dürfen. Gohl habe als Vorsitzender von „Evangelium und Kirche“ großen Anteil am Zustandekommen des Kompromisses gehabt, der die nötige Zweidrittelmehrheit für die Segnung in der Synode brachte, heißt es.

Gohl ist ein „großer Freund des Kompromisses“

Kein Wunder, dass Gohl sagt: „Ich bin ein großer Freund des Kompromisses.“ Wenn es der Kirche gelinge, Konflikte in Gemeinschaft zu lösen, könne sie stilbildend sein in einer Zeit wachsender Polarisierung, meint der gebürtige Stuttgarter. In Pfarrerskreisen werden ihm gute Chance eingeräumt, bei der Wahl im März ebenfalls am Ende die nötige Zweidrittelmehrheit zu schaffen. Allerdings war die Synode schon bei vergangenen Bischofswahlen für Überraschungen gut. Wohl auch deshalb sagt die einzige Bewerberin: „Man muss mal etwas wagen, selbst, wenn der Ausgang nicht sicher ist.“

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