Events in Stuttgarter Keller Neues Kultur-Format in der Tübinger Straße

Bernhard Kinzler und Sara Dahme plädieren dafür, sich von Kultur-Events auch einfach mal überraschen zu lassen. Foto: /Luca Nisi

Kultur an Off-Locations, das kann die Ex-Kultur-Kiosk-Macherin Sara Dahme. Nun geht sie mit dem neuen Format „In the Box“, das sie gemeinsam mit Agenturchef Bernhard Kinzler konzipiert hat, an den Start. Und ab in den Keller.

Stadtkind: Petra Xayaphoum (px)

Um neue Zielgruppen mit seinen Kultur-Events zu erreichen, ist eine bewährte Herangehensweise sich Formate „out of the Box“ auszudenken und diese möglichst niedrigschwellig zu gestalten. Ironischerweise macht Kunst-Vermittlerin und frischgebackene SPD-Listenkandidatin Sara Dahme jetzt eine neue Event-Reihe mit dem Titel „In the Box“. Und zwar im Keller von Bernhard Kinzler. Auch mal was anderes.

 

Kultur als Überraschungstüte

Gemeinsam mit dem Gestalter und B612-Agentur-Geschäftsführer veranstaltet sie dieses Jahr sechs Events in dessen Keller in der Tübinger Straße, die eine „kulturelle Überraschungstüte sein sollen“, sagt sie. Das Überraschende dabei sind in erster Linie die Gäst:innen, die sich das Duo einlädt. Im Voraus werden lediglich ihre Vornamen bekannt gegeben. Den Anfang machen diesen Mittwoch „Linda und Youngho“. Dabei sind das Alter, die Berufserfahrung sowie die Disziplinen, aus denen sich die Gästeschaft zusammensetzt, bunt gemischt: bildende Kunst, darstellende Kunst, Wissenschaftsbetrieb, Neue Deutsche Welle, Punk, Klassik – (fast) alles ist möglich. Oder wie es in der Beschreibung heißt: „Das unwahrscheinliche Aufeinandertreffen von künstlerischen Positionen lädt zum neugierigen Austausch ein.“

Weil aus einer Überraschungstüte aber ja nie nur eine Sache rauskommt, gibt es bei „In the Box“ noch weitere Surprise-Elemente: das Was und das Wie. „Es werden sich Gäst:innen anders präsentieren, als man es bisher von ihnen kennt“, verrät Sara. „Als würde Björk an jenem Abend nicht Musik machen, sondern einen Vortrag über ihre Leidenschaft zu Moos halten.“ Dazu gibt es Getränke und wenn das Wetter im Sommer mitmacht, wird das Event aus dem Keller in den Hinterhof verfrachtet. „Die einzige Konstante bei den Events sind eigentlich wir beide“, schmunzelt die Ex-Kultur-Kiosk-Macherin. „Uns ist wichtig, dass es keinen didaktischen roten Faden gibt, sondern sich die Leute einfach auf einen Abend voller Unbekannten einlassen.“

Schubladendenken in der Kultur beenden

Der Grund der beiden Veranstalter:innen für die neue Herangehensweise: „Wir haben erlebt, dass sich die Kulturlandschaft stark verändert hat und dass viele Leute sich manche Sachen nicht mehr anschauen, weil sie die Beteiligten oder Gäst:innen schon in Schubladen gesteckt haben“, erklärt Sara. Frei nach dem Motto „hab ich schon mal gesehen oder drüber gelesen, muss ich mir nicht (noch mal) angucken“. Dabei verändere sich die Sicht auf die Dinge jedes Mal, wenn man sich mit Kunst und Kultur auseinandersetze, beteuert die Kunst-Vermittlerin.

Um das Event allen zugänglich zu machen, ist der Eintritt kostenlos. „Jede:r, der oder die sich eingeladen fühlt, ist es auch“, lautet die ausdrückliche Botschaft. Die Bezahlung einer Gage für die Gästepaare wird durch eine Förderung vom Kulturamt Stuttgart möglich, der Rest wird von den beiden Hosts gestemmt.

In the Box, Kultur Keller (B612 Agentur), Tübinger Str. 77/1, Stuttgart-Süd, 17.4. 19 Uhr; weitere Termine 15.5., 19.6., 17.7.

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