Ex-Jugendcoach des VfB Stuttgart Was Domenico Tedesco beim Start bei RB Leipzig sagt

Domenico Tedesco arbeitet wie in Moskau auch in Leipzig mit Andreas Hinkel (re.) zusammen. Foto: imago/Anton Novoderezhkin

Domenico Tedesco ist zurück in der Fußball-Bundesliga. Was hat er vor mit RB Leipzig? Was hat ihn überzeugt? Und welche Rolle spielt ein alter Bekannter vom VfB Stuttgart?

Leipzig/Stuttgart - Auf diese Frage, erklärte Domenico Tedesco, „habe ich gewartet“. Und entsprechend habe er sich „gut darauf vorbereitet“. Also erzählte der 36-Jährige aus Aichwald bei seiner Vorstellung als neuer Cheftrainer von RB Leipzig über die Bedeutung des Clubs für die Menschen in der sächsischen Metropole. Vom vollen Stadion – bevor wieder Geisterspiele angeordnet wurden. Und von vielen anderen Faktoren, die wichtig seien, um in einem Proficlub erfolgreich arbeiten zu können. „Von zehn möglichen Punkten bekommt RB Leipzig zehn.“ Nur an Nummer elf scheitert es beim vom Red-Bull-Konzern groß gemachten Verein.

 

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Auf die mangelnde Tradition von RB Leipzig (gegründet 2009) wurde Tedesco also angesprochen – beziehungsweise darauf, dass ein früheres Zitat von ihm ziemlich konträr zu seinem neuen Arbeitgeber steht. Als er vor zwei Jahren bei Spartak Moskau das Amt des Cheftrainers übernahm, hatte der Schwabe mit italienischen Wurzeln gesagt: „Für mich gehören der emotionale Aspekt, die Tradition, die Verbundenheit von Fans und Verein dazu, wenn ich mich für einen Verein entscheide.“ Er sei da auch „ein Stück weit Romantiker“. Bei der Entscheidung pro Leipzig war er eher Pragmatiker.

Klare Analyse im ersten Gespräch

Kaum ein anderer Club in Deutschland bietet ein derartiges Umfeld, wie es der einstige Jugendtrainer des VfB Stuttgart nun in Leipzig vorfindet. Finanziell gut ausgestattet, erst vor Jahren für modernste Anforderungen aufgebaut, dazu mit einem laut Tedesco „richtig guten Kader“. Von einem „innovativen Unternehmen mit klaren Zielen“ sprach der 36-Jährige nun also. Die Verantwortlichen lobten derweil dessen klare Analyse der Leipziger Mannschaft schon im ersten Bewerbungsgespräch, in dem es um die Nachfolge des entlassenen Jesse Marsch ging.

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Am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach beginnt für den Club die Phase, die besser laufen soll als die bisherige Saison. Sieben Punkte Rückstand auf einen Champions-League-Rang weist RBL auf. Kein Wunder also, dass Tedesco sagt: „Wir wollen viel nachholen.“ Um die Spielzeit dann im Idealfall doch noch mit der erneuten Qualifikation für die Königsklasse zu retten. Im Jahr 2022 tritt das Team zudem in der Europa League und im DFB-Pokal an. Mitbasteln an der Wende sollen neben Tedesco dessen Vertraute Max Urwantschky und Andreas Hinkel.

Wie einst bei der B-Jugend des VfB

Das Duo Tedesco/Hinkel arbeitete bereits bei den B-Junioren des VfB Stuttgart erfolgreich zusammen, danach (2015) zog es Tedesco zur TSG Hoffenheim. In der Zeit vor seinem Wechsel zum Zweitligisten FC Erzgebirge Aue (2017) absolvierte Tedesco die Ausbildung zum Fußballlehrer (Note 1,0) – gemeinsam mit Julian Nagelsmann (Note 1,3), dessen Nachnachfolger er nun in Leipzig ist. Und der noch sehr präsent ist.

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„Wenn man hier in die Gespräche geht, fällt der Name Julian sehr, sehr häufig“, sagte Tedesco, der zwar viele Ansichten im Fußball mit dem heutigen Bayern-Coach teilt, aber darauf Wert legt, seinen eigenen Stil zu haben und zu vermitteln. Den FC Schalke 04 führte er so zur Vizemeisterschaft, ehe ein sportlicher Absturz sein Aus bedeutete. Dennoch sei er „sehr stolz“ auf diese Zeit in Gelsenkirchen.

Nun aber zählt nicht die Vergangenheit, die ihn schon zur Hospitation im Rahmen der Ausbildung zu RB geführt hatte, sondern die Gegenwart und Zukunft. Drei Spiele in neun Tagen stehen vor Weihnachten noch an, in der Zeit dazwischen will Domenico Tedesco (Vertrag bis 2023) vor allem „viele Gespräche“ führen. Die persönlichen Kontakte seien jetzt wichtiger als „Inhalte und Input“. Doch der wird folgen – damit sie in Leipzig auch ihn, den neuen Trainer, demnächst mit zehn von zehn Punkten bewerten.

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