InterviewEx-Spieler der Stuttgarter Kickers Fabio Leutenecker: Chemnitz ist eine Stadt der Gegensätze

Von jor 

Rund ein Jahr lang wohnte und spielte Fabio Leutenecker in Chemnitz. Im Zuge der jüngsten Ereignisse haben wir mit dem Ex-Spieler der Stuttgarter Kickers über die Stadt und ihre Bewohner gesprochen.

Fabio Leutenecker war bei den Stuttgarter Kickers über Jahre eine feste Bank. Foto: Pressefoto Baumann
Fabio Leutenecker war bei den Stuttgarter Kickers über Jahre eine feste Bank. Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgart - Mehr als zehn Jahre schnürte Fabio Leutenecker seine Fußballschuhe für die Stuttgarter Kickers. Mit den Blauen erlebte der 28-Jährige Höhen und Tiefen. So stieg er mit ihnen in die dritte Liga auf und war auch dabei, als die Kickers wieder den bitteren Gang in die Viertklassigkeit antreten mussten.

Über den MSV Duisburg landete Leutenecker vergangene Saison beim damaligen Drittligisten Chemnitzer FC, mit dem er den Klassenerhalt verpasste. Wir haben uns mit dem Verteidiger über die Vorkommnisse der vergangenen Wochen in Chemnitz unterhalten.

Herr Leutenecker, Sie haben ein Jahr lang in Chemnitz gewohnt und Fußball gespielt. Was bleibt Ihnen in Erinnerung?

Sportlich war das Jahr zwar leider nicht von Erfolg gekrönt, trotzdem war es für meine Entwicklung natürlich sehr wichtig. Ich habe viel aus der Zeit für die Zukunft mitgenommen und auch außerhalb des Fußballs viele tolle und interessante Menschen kennengelernt.

Wie haben Sie die Stadt erlebt?

Ich habe Chemnitz als Stadt erlebt, die ihre Gegensätze hat. Auf der einen Seite viele schöne Straßenzüge mit Altbau aus der Gründerzeit und auf der anderen Seite auch teilweise sehr heruntergekommene Ecken. Die Chemnitzer haben dadurch aber auch noch mehr die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen, weil nicht jedes freistehende Ladenlokal an irgendeinen Investor geht. Allerdings sind trotzdem nicht ganz so viele junge Leute dort.

Wie würden Sie die Chemnitzer beschreiben?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich kann nur die Menschen beschreiben, mit denen ich näher zu tun hatte und die waren alle eigentlich durchweg freundlich und hilfsbereit.

Was denken Sie über Ereignisse, die sich in den vergangen Tagen in Chemnitz ereignet haben?

Die Videos, die da im Internet kursieren sind wirklich heftig. Rassismus und Gewalt haben weder in Chemnitz noch sonst wo was zu suchen! Es ist schade, dass die Stadt und die Menschen, die dort wohnen und absolut nichts damit zu tun haben, trotzdem mit reingezogen werden.

Der Chemnitzer FC hat sich deutlich von der rechten Hetze distanziert. Dennoch ist bekannt, dass der Verein auch Anhänger aus der rechten Szene hat. Haben Sie davon etwas mitbekommen?

Das Einzige, das ich beurteilen kann, ist die Stimmung, die die Fans während der Saison gemacht haben. Und ich muss sagen für die derart schlechte Situation, in der wir waren, waren die Fans, die in der Kurve standen und auch zu den Auswärtsspielen gefahren sind wirklich top. Über die politische Gesinnung Einzelner kann ich nichts sagen, da ich sie nicht näher kenne und es zu meiner Zeit auch keine Anzeichen dafür gab.

Müssen Fußballvereine mehr tun, um Rechtsradikalismus aus den Stadien zu verdrängen?

Ohne zu wissen welcher Verein sich wie engagiert, ist es natürlich wünschenswert, wenn von allen Seiten Aufklärungsarbeit geleistet wird.

Sie haben nach dem Abstieg und der Insolvenz den Chemnitzer FC verlassen. Wie geht es nun für Sie weiter?

Aktuell bin ich ohne Verein und halte mich in München beim VFR Garching fit. Es gab die ein oder andere Anfrage, die sich teilweise auch in sprichwörtlich letzter Sekunde zerschlagen hat. Ich bin mir trotzdem sicher, dass das Passende noch irgendwo auf mich wartet.