Leverkusen - Der Fußball liefert immer wieder neue Geschichten. Nun also diese: Bayer Leverkusen leiht Hannes Wolf vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) aus. Einen Trainer! Auf Leihbasis! Das hat es in dieser Form noch nicht gegeben. Doch der Reihe nach.
Nach der 0:3-Pleite bei Hertha BSC am Sonntag und einer Talfahrt mit zehn Niederlagen aus den vergangenen 17 Spielen zogen die Verantwortlichen beim Werksclub die Reißleine. Trainer Peter Bosz bekam seine Papiere. Ein Akt, den Sportchef Rudi Völler „noch vor zwei Monaten für völlig unvorstellbar“ gehalten hatte. „Es tut auch ein bisschen weh. Aber das ist Profifußball.“
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Zum Business gehört auch, in solchen Fällen seine Kontakte spielen zu lassen. Die Verbindung von Völler zur Frankfurter Otto-Fleck-Schneise sind offenbar noch immer eng. Anders lässt sich der Deal nicht erklären, den der Weltmeister von 1990 mit DFB-Direktor Oliver Bierhoff ausgehandelt hat. Wolf, Trainer der U-18-Nationalmannschaft, lässt seine Tätigkeit beim Verband ruhen, um in Leverkusen auf das Trainerkarussell der Bundesliga aufzuspringen. Für Bierhoff ein Akt der Nächstenliebe. „Natürlich kommt der DFB Bayer in dieser für sie nicht einfachen Situation unkompliziert und gerne entgegen.“
Während sich über den 39 Jahre alten Fußballlehrer aus dem Ruhrgebiet sagen lässt: Unverhofft kommt oft. Nach dem VfB, dem Hamburger SV, KRC Genk in Belgien ist Bayer Leverkusen nun schon seine vierte Station als Profitrainer – und nicht die schlechteste. Zu dem speziellen Ausleihgeschäft sagte Wolf, „dass ich den Job beim DFB für diesen kurzen Zeitraum nicht aufgegeben hätte. Das wäre fahrlässig gewesen. Das Konstrukt der Ausleihe ist für mich ein sehr gutes, weil ich ohne den ganz großen Druck reingehen kann.“ Möglicherweise bleibt Wolf auch über den Sommer hinaus Trainer im Rheinland. „Ausgeschlossen ist natürlich nichts“, sagte Völler.
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Ein wenig erweckt es den Anschein, die Jobs im Nachwuchsbereich des größten Sportverbandes der Welt dienten lediglich als Wartestation für das nächste Kurzzeitkommando auf der Profibühne. Manuel Baum übernahm nach seiner Entlassung beim FC Augsburg für gut ein Jahr die deutsche U 20, ehe ihn der Lockruf aus Schalke ereilte. Robin Dutt hielt es nur ein Dreivierteljahr auf dem Posten des DFB-Sportdirektors. Bis Werder Bremen einen neuen Trainer suchte – und Dutt wieder weg war.
Nun also Hannes Wolf – der klarstellt, dass er beim Fußballbund niemandem im Stich lasse. Tatsächlich absolvieren die U-18-Junioren wegen der Coronapandemie bis Sommer keine Spiele. Weil mit Wolf auch Assistent Peter Herrmann an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt, gibt es für die U 18 erst einmal keinen Nachfolger.
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Die Frage, die sich viele Fans in Leverkusen stellen, lautet: Ist Wolf der Richtige? „Hannes steht für einen Fußball, den wir spielen wollen: intensiv, offensiv, aggressiv, attraktiv“, sagt Völler. Offensivfußball gehört fest zum Leverkusener Selbstverständnis, entsprechend angelegt ist der zurzeit weit unter Wert agierende Bayer-Kader.
Zumindest bei seiner ersten Profistation in Stuttgart zelebrierte die Mannschaft unter dem gebürtigen Bochumer nicht gerade Hurra-Fußball. Als Wolf nach dem Aufstieg in die Bundesliga in seine erste sportliche Krise stürzte, war es um ihn geschehen. Nach einer 0:2-Niederlage gegen Schalke 04 am 20. Spieltag glaubte er die Mannschaft nicht mehr voll zu erreichen. Die VfB-Bosse verwandelten die Vorlage und ersetzten Wolf durch Tayfun Korkut. Auch beim Hamburger SV und später in Belgien konnte sich der bei den Fans ob seiner jugendhaften Art beliebte Trainer nicht lange halten. Ob Wolf am Ende an notorisch unruhigen Clubs gescheitert ist oder sie an ihm – auf diese Frage könnte er in den kommenden acht Wochen neue Antworten liefern.
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