Expertenanhörung in Baden-Württemberg Grün-Schwarz laboriert am Schnupfen-Problem

Heuschnupfen, Schnupfen oder Corona? Die Frage, wie mit der Mehrdeutigkeit von Erkältungssymptomen umgegangen wird,  ist politisch brisant. Foto: dpa/Nicolas Armer
Heuschnupfen, Schnupfen oder Corona? Die Frage, wie mit der Mehrdeutigkeit von Erkältungssymptomen umgegangen wird, ist politisch brisant. Foto: dpa/Nicolas Armer

Wenn im Herbst die Erkältungs- und Grippewelle rollt, kommt der nächste Corona-Stresstest auf Eltern, Lehrer, Erzieher und Kinderärzte zu. Alle warten auf klare Regeln. Kultusministerin Eisenmann dringt auf eine schnelle Lösung, Sozialminister Lucha muss liefern.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)
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Stuttgart - Mindestens die Problemlage rund um die Symptomgleichheit von Erkältungen, Grippe und Corona dürfte jetzt in allen Facetten ausgeleuchtet sein. Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) hat am Donnerstag eine Expertenanhörung – inoffiziell „Schnupfen-Gipfel“ geheißen – mit allen Interessenverbänden, Kommunalvertretern, Kinderärzten und den einschlägigen Behörden gemacht, um auszuleuchten, wie man im Corona-Jahr mit der Erkältungs – und Grippewelle umgehen soll. Sie kommt im Herbst so sicher wie Weihnachten im Dezember und das Amen in der Kirche.

Die Erkältungszeit schlägt jetzt schon Wellen

Der Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) brennt das Problem schon länger unter den Nägeln, weil auch in diesem Fall die Schulen und Kindertagesstätten so etwas wie ein Brennglas für die Probleme der Nation mit dem Coronavirus sind. Bei ihr landet der geballte Frust, wenn Erzieher oder Lehrerinnen ein Kind beim zweiten Niesen schon nach Hause schicken – am besten versehen mit einer Empfehlung sich jetzt gleich mal in 14-tägige Selbstquarantäne zu begeben. Das deckt sich zwar mit den ursprünglichen Corona-Empfehlungen für den Umgang mit Erkältungssymptomen, lässt sich aber nicht mehr zur Deckung bringen mit dem schrittweisen Öffnungsprozess nach dem Lockdown – mit allen Anforderungen etwa im Arbeitsleben an die Bürger. Was, wenn das Kind zuhause vor verschlossener Tür steht, weil beide Eltern nicht im Homeoffice, sondern am Arbeitsplatz arbeiten? Ist die Quarantäne aus medizinischer Sicht tatsächlich angebracht, auch wenn alles nach einer simplen Erkältung aussieht? Müssen Eltern dann 14 Tage Urlaub nehmen? Gibt es wirklich nach wie vor keine Chance, Erkältungs-, Grippe und Corona-Symptome zu unterscheiden, oder ist die Medizin inzwischen einen Schritt weiter. Oder was ist im umgekehrten Fall, wenn eine Kita-Betreuerin oder ein Lehrer ein Kind auch beim dritten Niesen nicht nach Hause schickt? Was ist, wenn die Eltern einiger Klassen- und Gruppenkameraden befürchten, ausgerechnet bei in ihrer Schule oder Tagesstätte entstehe gerade aus Leichtsinn ein neuer Corona-Hotspot mit allen Risiken.

„Eltern, Ärzte und Lehrer brauchen Klarheit“

Diese praktischen Fragen sind schwer zu lösen. „Der Wunsch der Eltern nach klaren Handreichungen ist berechtigt“, betont Susanne Eisenmann gleichwohl. „Sie müssen sich darauf verlassen können, dass es einheitliche, transparente Regeln für den Umgang mit Erkältungssymptomen gibt. Auch Lehrkräfte und Erzieher und im übrigen auch die Kinderärzte müssen bald wissen, woran sie sind.“ Um das sicherzustellen hat sie ihrem – für diese gesundheitsfragen – zuständigen Kabinettskollegen und Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) schon vor zehn Tagen einen Brief geschrieben und auf Eile gedrungen.

Nach der Videokonferenz mit Betroffenen und Experten sollen die vorgetragenen Einschätzungen rasch ausgewertet werden, kündigte Minister Lucha an. „Wir klären die konkreten Fragen und nehmen die Sorgen der Eltern ernst“, sagte er und stellte baldige gemeinsame Empfehlungen in Aussicht.

Eisenmann für Coronatests bei Urlaubsheimkehrern

Kultusministerin Eisenmann wäre es am liebsten, wenn diese Vorgaben der Gesundheitsbehörden noch vor Beginn der Sommerferien Mitte nächste Woche in den Kommunen, in den Schulen und Tagesstätten auf dem Tisch liegen würden. Sie blickt ohnehin mit Unruhe auf die diesjährigen Sommerferien und ihre Folgen. „Die größten Sorgen bereiten mir die Urlaubsrückkehrer“, sagte sie unserer Zeitung auf Anfrage. „Deshalb ist es aus meiner Sicht auch im Blick auf die Schulen völlig richtig, wenn an den Flughäfen in Deutschland Testzentren für Corona-Tests eingerichtet werden.“ Das wollen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern an diesem Freitag in einer Schaltkonferenz erneut beraten, und auch beschließen, wie aus Teilnehmerkreisen verlautet. Wer aus Risikogebieten im Ausland einreist, soll sich künftig unmittelbar nach der Rückkehr auf das Coronavirus am Flughafen testen lassen. Die Tests sollen verpflichtend sein. Eine entsprechende Empfehlung haben die Gesundheitsminister bereits vorbereitet. Bei den aktuellen Beratungen soll es um weitere Details zum Umgang mit Reiserückkehrern gehen.

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