„Wir haben noch keine heiße Spur“, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm, Wolfgang Jürgens, am Freitagnachmittag. Hatte die Polizei am frühen Morgen noch von einem Sachschaden in Höhe von „mehreren zehntausend Euro“ gesprochen, so konkretisierte Jürgens dies am Nachmittag: „Der Schaden geht in die Hunderttausende, davon kann man ausgehen.“ Gefährdet oder verletzt wurde bei der Sprengung um 23.30 Uhr niemand.
Der Supermarkt liegt günstig für die Täter
„Die Kollegen waren stundenlang draußen und haben Spuren gesichert“, berichtet der Polizeisprecher. Wie genau der Automat in die Luft gejagt wurde, kann er noch nicht sagen: „Das wissen wir noch nicht, da muss man gucken, ob man herausfindet, was für ein Sprengstoff verwendet wurde.“ Noch vor zwei Jahren benutzten die Täter üblicherweise ein Gasgemisch, doch mittlerweile wird vermehrt auf Sprengstoff gesetzt.
Der Tatort in Uhingen war ideal für die Täter: Der Supermarkt liegt vor den Toren der Stadt in einem Gewerbegebiet an der Bleichereistraße, die Auffahrt zur vierspurigen B 10 ist nur wenige Meter entfernt. Doch nicht immer suchten sich die Kriminellen solch abgelegene Tatorte, sagt Jürgens – es gebe auch Sprengungen in Innenstädten.
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Wie viel Geld die Täter erbeutet haben, will Sebastian Göb, Pressesprecher der Ing-Diba, nicht preisgeben: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns generell nicht zu Geldbeträgen in Automaten äußern, um Trittbrettfahrer nicht zu ähnlichen Taten zu motivieren.“ Aktuell befinde sich die Bank „in Gesprächen mit dem Standortpartner bezüglich eines neuen Automaten“. Der Sachschaden für gesprengte Geldautomaten liegt im niedrigen fünfstelligen Bereich, sagt Göb. Hinzu komme noch der Schaden am Gebäude – „den wir nicht kennen“. Insgesamt beobachte sein Unternehmen die deutschlandweite Entwicklung bei Automatensprengungen „natürlich mit Sorge“. Die Bank sei in diesem Zusammenhang allerdings verhältnismäßig selten betroffen. Insgesamt unterhält die Ing-Diba mehr als 1000 Geldautomaten – „das entspricht in etwa zwei Prozent aller Geräte hierzulande“.
Kaufland war am Freitagmorgen schon wieder geöffnet
Das Kaufland hatte am Freitagmorgen für die Kundschaft bereits wieder geöffnet. Der Haupteingang war allerdings gesperrt, der Weg in den Supermarkt führte über das Getränkelager. Voraussichtlich bis Samstag „erfolgt der Zugang zur Filiale über den Seiteneingang“, teilte eine Unternehmenssprecherin mit.
Die Kriminalpolizei hofft unter Telefonnummer 07 31/18 80 auf Zeugenhinweise und fragt: Wer hat am Donnerstag zwischen 20 Uhr und Mitternacht an der Bleichereistraße verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen oder hat verdächtige Geräusche wahrgenommen?
Immer öfter werden Automaten gesprengt
Attacken
Im Jahr 2020 hat die Polizei in Baden-Württemberg 41 Fälle von Attacken auf Geldautomaten verzeichnet. Im Jahr zuvor waren es 34, im Jahr 2018 21 Fälle. Nicht nur Sprengungen, auch Aufbrüche und Aufbruchsversuche gibt es immer wieder.
Gasgemische
Deutschlandweit stieg die Zahl der Angriffe auf Geldautomaten im Jahr 2020 laut Bundeskriminalamt (BKA) um 28 Prozent auf 704 Fälle. Zusätzlich wurde 414 Mal versucht, einen Automaten zu sprengen, was aber in diesen Fällen nicht gelang. Zur Sprengung wurden 2020 meist Gasgemische verwendet, die in die Automaten eingeleitet und gezündet wurden. Da mittlerweile zum Schutz vermehrt Gasneutralisationssysteme eingebaut werden, weichen die Täter zunehmend auf andere Sprengstoffe aus.