Exzellenzinitiative des Bundes Unis streben nach Elitetitel

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Sechs Universitäten aus Baden-Württemberg gehen ins Rennen um den Status einer Exzellenzuniversität. Doch es sind deutschlandweit nur elf Standorte vorgesehen.

Zum ersten Mal kann sich die Uni Stuttgart für die Endrunde bewerben. Foto: Uni Stuttgart
Zum ersten Mal kann sich die Uni Stuttgart für die Endrunde bewerben. Foto: Uni Stuttgart

Stuttgart - Sechs der neun Landesuniversitäten in Baden-Württemberg machen sich Hoffnungen auf den Status einer Exzellenzuniversität und die damit verbundene millionenschwere Bundesförderung. Nach dem erfolgreichen Abschneiden in der ersten Stufe der Exzellenzstrategie dürfen Freiburg, Heidelberg, das KIT in Karlsruhe, Konstanz, Stuttgart und Tübingen ihre Bewerbungsunterlagen einreichen. Insgesamt konkurrieren 17 bundesdeutsche Universitäten und zwei Verbünde um den Titel, der an elf Hochschulen vergeben wird. Bewerbungsschluss ist im Dezember, die Entscheidung fällt im Juli 2019.

Ab November 2019 soll die Förderung beginnen. Dafür stehen jährlich rund 148 Millionen Euro zur Verfügung, wie Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) sagte. Bisher wurden Exzellenzuniversitäten für jeweils sieben Jahre gefördert. In Zukunft werden sie dauerhaft unterstützt. Mit dem Plan der langfristigen Förderung stehe man „eventuell am Beginn einer neuen Forschungsförderung“, erklärte Bauer.

Harte Konkurrenz

Jedoch sei der Wettbewerb für die Hochschulen aus dem Südwesten keinesfalls ein „gemähtes Wiesle“, sagte die Landeswissenschaftsministerin. Die Universitäten in Baden-Württemberg seien vergleichsweise klein. Konstanz etwa zählt 10 400 Studierende, die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität dagegen hat 50 900 Studierende. Die „verteilte Exzellenz“ in Baden-Württemberg sei nicht unbedingt ein Vorteil, wenn „Internationale Sichtbarkeit von Forschungsexzellenz“ ein wesentliches Auswahlkriterium ist, warnte Bauer vor zu großen Hoffnungen. Sie kündigte aber an: „Wir werden unsere Universitäten nach Kräften unterstützen.“ Für die Unis im Südwesten kommt es laut Bauer „ganz besonders auf die Kraft zur Kooperation mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, mit anderen Hochschulen sowie mit forschungsnahen Unternehmen an.“

Chance auf internationale Sichtbarkeit

Der Titel ist für Bauer nicht Ausweis „akademischer Eitelkeiten“, eine Exzellenzuni könne sich vielmehr als „herausragender Forschungsstandort profilieren und die klügsten Köpfe weltweit anziehen“.

Gegenwärtig sind Tübingen, Konstanz und Heidelberg unter den elf Eliteuniversitäten. Das KIT und Freiburg haben ihren Status als Eliteunis 2012 verloren. Die Universität Stuttgart hat zum ersten Mal die Chance, den Titel zu erringen. Voraussetzung für die Bewerbung ist, dass in der ersten Stufe des Exzellenzwettbewerbs mindestens zwei Cluster (übergreifende Forschungsprojekte) gewonnen worden sind.

Kretschmann lobt Bauer

In der ersten Stufe haben sieben Universitäten des Landes bereits im September zwölf von 57 Clustern gewonnen und damit 62 bis 75 Millionen Euro pro Jahr für die Spitzenforschung im Land eingeworben. Das lobte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) als „Ergebnis konsequenter Forschungspolitik“ seiner Parteifreundin Bauer. Der Wettbewerb sei durchaus eng gewesen, betonte Bauer. 195 Projekte seien eingereicht worden. Baden-Württemberg habe sich bei den geförderten Projekten deutlich gesteigert. Derzeit werden sieben Cluster im Land vom Bund gefördert.

Wasser in den Wein goss dagegen Nico Weinmann, der hochschulpolitische Experte der FDP-Fraktion. Er verwies darauf, dass die Anzahl der geförderten Netzwerke von geplanten 45 bis 50 auf 57 erhöht worden sei, und damit auch die Projektförderung geringer sei. Anfangs habe das Wissenschaftsministerium noch mit 84 bis 104 Millionen Euro Förderung gerechnet. Weinmann findet, die Erfolge hätten „fragwürdige Hintergründe“. Er vermutet, es sei nicht nach wissenschaftsgeleiteten Kriterien über die Anträge entschieden worden. Wenn politische Erwägungen hinter den Entscheidungen stünden, müsse das gesagt werden, verlangt Weinmann.

Wissenschaftliche Kriterien als Entscheidungsgrundlage

Das weist ein Sprecher Bauers zurück. Er unterstreicht, die Zahl der geförderten Projekte sei im September auch auf Betreiben der Wissenschaft erhöht worden. Kretschmann betonte mit Blick auf die Exzellenzuniversitäten: „Wir werden stark darauf hinwirken, dass nach wissenschaftlichen Kriterien entschieden wird.“ In den bisherigen Entscheidungsrunden war wiederholt befürchtet worden, Regionalproporz könnte bei den Zuschlägen eine Rolle spielen.