Facebook heißt „Meta“ Facebook wankt

Mark Zuckerberg stellt die Pläne von Facebook vor. Foto: dpa/Eric Risberg

Mark Zuckerberg stellt einen neuen Namen und eine neue Strategie für Facebook vor. Diese zielt in die richtige Richtung, blendet aber Probleme aus, kommentiert Erik Raidt.

Menlo Park - Wer soll Facebook noch aufhalten? Rund 2,8 Milliarden Menschen weltweit posten und lesen auf Facebook. Der Nettogewinn des Konzerns stieg im dritten Quartal 2021 zuletzt auf rund 7,9 Milliarden Euro. Der Tech-Konzern beherrscht auch dank Instagram und Whatsapp den Markt. Doch der Gigant ist zuletzt im Zuge von Skandalen bedrohlich ins Wanken geraten, er sucht mit fiebriger Nervosität nach einer Strategie für die Zukunft.

 

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Vor diesem Hintergrund muss die nun von Mark Zuckerberg verkündete Namensänderung der Dachmarke in „Meta“ verstanden werden. Kurzfristig geht es dem Tech-Unternehmen um ein PR-Manöver. Facebook versucht, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von den Enthüllungen seiner Ex-Mitarbeiterin Frances Haugen abzulenken.

Hiobsbotschaft für Facebook

Haugen berichtete kürzlich vor dem US-Kongress, dass Facebook skrupellos mit Falschnachrichten Umsätze erwirtschaftet, weil sich Skandale besser klicken. Die Firma habe von der toxischen Wirkung vieler Inhalte auf Demokratie und Gesellschaft gewusst – und dies aus Profitgründen ignoriert. Der Image-Schachzug von Facebook mit „Meta“ wird kläglich scheitern. Vor allem in den westlichen Demokratien gibt es inzwischen zu viele kritische Stimmen aus Politik und Gesellschaft. Das Ansehen von Facebook ist auf das Niveau eines Chemieunternehmens herabgesunken, das heimlich giftige Abwasser in einen Fluss kippt. Für ein Unternehmen, dessen Umsatz und Gewinn praktisch vollständig von Werbeerlösen abhängen, ist das eine Hiobsbotschaft.

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Es stellt sich die Frage, was Facebook mittelfristig mit der Neuausrichtung des Unternehmens anstrebt? Das Internet mit seinen dominierenden Akteuren Facebook, Google und Amazon steht vor einem Wandel. Die Platzhirsche werden unter anderem von Computerspiele-Unternehmen wie Epic Games herausgefordert, die für ihre Spieler neue Welten erschaffen. Hier können sich Menschen in virtuellen Räumen zu Konzerten echter Stars verabreden, virtuelle Immobilien erwerben, es werden Millionengeschäfte abgeschlossen. Metaverse – ein Begriff, der auf einen Science-Fiction-Roman zurückgeht – beschreibt diese Verschmelzung von echter und virtueller Welt. Auf dieser Vision baut Zuckerberg seine Pläne auf.

Spiele-Unternehmen greifen Facebook an

Die Entwicklung wird zwar von Spiele-Unternehmen vorangetrieben, ist aber viel mehr als eine Spielerei: Im Frühjahr sammelte Epic Games von Investoren 860 Millionen Euro ein, um damit sein eigenes Metaverse aufzubauen. Mark Zuckerberg hat offenbar erkannt, dass Facebook das Schicksal des alten Rom droht: Sein Imperium wird von äußeren Feinden attackiert und von inneren Grabenkämpfen erschüttert.

Es stimmt, dass sich manche Geschäftsideen mit Virtual-Reality-Brillen oder digitalen Parallelwelten wie „Second Life“ bisher nicht in Goldgruben verwandelt haben. Doch es spricht viel dafür, dass sich künftig mehr in dreidimensional aufgebauten virtuellen Welten verdienen lässt. Die Pandemie hat der Digitalisierung mit Videokonferenzen und digitalem Unterricht einen Schub verliehen, der weitere Innovationen hervorbringen wird. Facebook hat angesichts seiner wirtschaftlichen Macht alle Chancen, auch das neue Internetzeitalter zu prägen. Dass der Konzern allein in Europa 10 000 neue Mitarbeiter einstellen will, zeigt, dass er es mit dem Strategiewandel ernst meint.

Sollte Facebook jedoch weiterhin Lügen und Hass eine unkritische Plattform bieten, verspielt es seine Zukunft – unabhängig davon, welcher Name über dem Konzern steht. Dann könnte der Gigant in den nächsten Jahren auf ein menschliches Maß schrumpfen.

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