Auch vier Tage nach einer spektakulären Verfolgungsjagd über zwei Autobahnen hat die Polizei noch viel zu tun, um die Person am Steuer eines Mercedes AMG zu ermitteln. Wo liegt das Problem?

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Auf die alles entscheidende Frage, wer am Steuer saß, als ein Mercedes AMG in der Nacht zum Samstag vor der Polizei mit bis zu Tempo 300 davonraste, haben die Ermittelnden noch keine Antwort. Am Dienstag hat die Polizei aber nun mitgeteilt, auf wen das Auto zugelassen war – und das lässt ahnen, warum es nicht so einfach ist, den Fahrer oder die Fahrerin sofort zweifelsfrei festzustellen: Das Auto ist ein Leasingfahrzeug. Geleast hatte es aber keine Einzelperson, sondern ein Biberacher Autohaus. „Wir müssen also herausfinden, wer dort alles Zugriff auf den Schlüssel hatte“, sagt der Polizeisprecher Steffen Grabenstein vom Ludwigsburger Polizeipräsidium.

Der schwarze Mercedes AMG GT 63 S war der Polizei von mehreren Personen gemeldet worden, als er gegen 0.50 Uhr auf der Autobahnauffahrt Zuffenhausen wendete. Offenbar wollte der Fahrer oder die Fahrerin nicht in eine Verkehrskontrolle dort kommen. Entgegen der Fahrtrichtung fuhr der auffällige Wagen zurück auf die Bundesstraße 10 – deswegen die Notrufe. Danach verfolgte ihn die Polizei gut eine Stunde lang auf den Autobahnen 81 und 8.

Das Auto fand die Polizei in Mühlhausen im Täle (Kreis Göppingen), wo es zurückgelassen wurde. Wie der Fahrer oder die Fahrerin in dem kleinen Ort verschwinden konnte, ist der Polizei noch ein Rätsel: Sie suchte die Gegend erfolglos ab. Das Auto wird nun auf Spuren untersucht. „Aber das ist nicht so einfach“, erläutert Grabenstein. Zum einen seien in Fahrzeugen manche Oberflächen – etwa ein überzogenes Lenkrad – nicht aus glatten Materialien, darauf finde man nur selten klare Spuren. Zum anderen finde man in einem Auto, auf das viele Personen in einem Autohaus Zugriff hatten, natürlich auch Spuren mehrerer Menschen.

Die Polizei konnte den Wagen nicht stoppen – sogar nicht mal einholen. Der Mercedes AMG kann bis zu 315 Stundenkilometer in der Spitze fahren. „Das schaffen unsere Streifenwagen nicht“, sagt der Polizeisprecher. Der Hubschrauber, der ebenfalls im Einsatz war, kommt auf eine Spitzengeschwindigkeit von 280 Kilometern pro Stunde. „Ziel einer solchen Fahrt ist es, den Wagen nicht aus dem Blick zu verlieren und die Strecke nachzuvollziehen“, sagt Grabenstein. Die Polizei müsse dabei schließlich auch die Sicherheit im Blick haben – ihre und die anderer Verkehrsteilnehmenden. Eine Verfolgungsjagd, wie man sie aus dem Actionfilm kenne, entspreche nicht der Taktik der Polizei.

Ob an Messstellen Blitzerfotos entstanden seien – bei der geschätzten Geschwindigkeit wäre das kein Wunder – , prüfe die Verkehrspolizei noch. Ob diese bei der gefahrenen Geschwindigkeit allerdings scharf genug seien, um die Person am Steuer zu identifizieren, weiß die Polizei noch nicht.

Die Polizei bittet Zeuginnen und Zeugen, sich unter Telefon 07 11 / 6 86 90 zu melden – vor allem, falls jemand Handyaufnahmen des Mercedes gemacht haben sollte.