Im Mobilitäts- und Umweltausschuss gibt es ein Plädoyer für eine zweite Unterführung am Ludwigsburger Nahverkehrsknoten. Dabei muss aber auch die Bahn mitspielen.

Schon jetzt platzt der Ludwigsburger Bahnhof zu den Stoßzeiten aus allen Nähten. Was wäre, wenn es den Westausgang, der 2009 eröffnet wurde, nicht gäbe, will sich keiner vorstellen. Vor Corona stiegen an einem durchschnittlichen Werktag 66 500 Menschen am Verkehrsknoten in Bahn oder Bus ein, aus oder um. Vor zehn Jahren waren es rund ein Viertel weniger Fahrgäste gewesen.

Als die Pandemie kam, schwanden die Fahrgäste. Aber die Zahlen werden das alte Niveau bald wieder erreichen – und irgendwann auch übertreffen. Davon geht der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) fest aus. Hochrechnungen prognostizieren mindestens 79 000 Fahrgäste pro Tag im Jahr 2030. Sollte die neue Stadtbahn bis dahin zumindest auf dem Abschnitt bis Markgröningen fahren – was als ziemlich wahrscheinlich gilt – kommen nochmals rund 4000 Pendler hinzu.

VVS-Geschäftsführer: Stuttgart 21 bringt deutliche Verbesserung

Insbesondere dürfte aber die Zahl derjenigen steigen, die die Regionalbahn nutzen. Die Verkehrsplaner haben modelliert, dass ihre Zahl um etwa die Hälfte steigt. Der Grund: bessere Verbindungen. Nach Tübingen kommt man von Ludwigsburg mit der Regionalbahn zwar jetzt schon ohne umzusteigen. Allerdings werden Takt und Geschwindigkeit, wenn Stuttgart 21 fertig ist, noch einmal deutlich erhöht, verspricht VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger. „Auf den Fildern zu wohnen und zur Arbeit nach Ludwigsburg mit der Bahn zu fahren – oder anders herum – das ist dann überhaupt kein Problem mehr.“ Die Zahlen seien nicht einfach aus der Luft gegriffen, sondern „eher vorsichtige Prognosen“. In der Regel würden diese von der Wirklichkeit überholt, „das zeigen viele andere Bahnprojekte“, so Hachenberger.

Für den Ludwigsburger Bahnhof heißt das umso mehr: baulich kommt er irgendwann an seine Grenzen. Deshalb plädierten im Mobilitäts- und Umweltausschuss Frank Handel (Grüne), Sebastian Haag (FDP) und Jürgen Müller (Linke) für eine zweite Unterführung, die lange im Gespräch ist. Nathanael Maier (SPD) hätte diese gerne, zog aber in Zweifel, woher das Geld kommen soll. Für ihn, wie auch Klaus Herrmann (CDU), hat die Modernisierung des Busbahnhofs Priorität.

Barrierefreier Umbau mit Güterzügen nicht möglich

Was die Unterführung anbelangt, muss auch die Deutsche Bahn mitspielen. Dabei voranzukommen, sei mühsam, so Hachenberger. „Das sind äußerst dicke Bretter, die da gebohrt werden müssen.“ Den Wunsch der Grünen, die Bahnsteige barrierefrei auszubauen, beerdigte er direkt. Das Vorhaben würde daran scheitern, dass auf der Strecke auch Güterzüge verkehren. Die Breite der Waggons mache den Umbau unmöglich.