Für die rasche Einrichtung einer Verbindung zwischen der Stuttgarter Innenstadt und Leonberg demonstrierten am Samstag knapp 150 Radfahrer. Die Tour führt über die B14 und die Wildparkstraße.

Knapp 150 Teilnehmer machten sich am Samstagmittag unter Federführung des ADFC auf den Weg, um für den raschen Bau eines Radschnellwegs zwischen der Stuttgarter Innenstadt und Leonberg zu demonstrieren. Für den Autoverkehr wurden die Straßen zugunsten der Radfahrdemonstranten kurzzeitig gesperrt. Die geplante Tour führte von Vaihingen über die B14 und die Wildparkstraße (L 1180) Richtung Schloss Solitude. Von dort ging es zurück Richtung Innenstadt bis vor das Rathaus.

„Es gibt viele Pendler“, berichtet der BUND-Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer während des Demoauftakts. Zwischen Leonberg und Stuttgart wäre ein Radschnellweg aus seiner Sicht sinnvoll. Immerhin hat Leonberg rund 48.000 Einwohner. Es ist nach Sindelfingen und Böblingen die drittgrößte Stadt im Landkreis Böblingen. Bisher müssen die Radfahrer umständlich durch den Wald fahren. Das ist nicht zuletzt aus Umweltschutzgründen ungünstig, weil die Radfahrer in der Dämmerung das Wild stören können.

Radschnellweg auf der bereits vorhandenen Wildparkstraße

Besser wäre es aus Sicht der Radfahraktivisten, einen Radschnellweg auf der bereits vorhandenen Wildparkstraße einzurichten und dem Autoverkehr dort zwei der insgesamt vier Fahrspuren zu nehmen. „Es ist die kürzeste Verbindung mit wenig Einmündungen“, erklärt Pfeifer. Würde das Angebot erst einmal vorhanden sein, werde es auch gut angenommen, ist er sich sicher. Ferner müsse es einen Fahrradschnellweganschluss an die Achse Stuttgart-Leonberg aus Richtung Vaihingen geben, wie der Stuttgarter ADFC-Vorsitzende Tobias Willerding ergänzte.

Die Umnutzung von zwei Autofahrspuren für einen Radschnellweg wäre aus Sicht der Demonstrierenden ein deutliches Zeichen, dass die Landeshauptstadt die angestrebte Klimaneutralität 2035 auch im Sektor Verkehr ernst nimmt. Der Autoverkehr könne die verringerte Fläche verkraften, meint Pfeifer. Eine Verkehrswende könne nur dann geschafft werden, wenn die Bedingungen für den Radverkehr verbessert würden. „Man muss fördern und fordern“, meint Pfeifer. Anders werde ein Umstieg wohl nicht im erforderlichen Umfang gelingen. „Wir brauchen einen Schub.“

Mehr Flächen für Solarstrom

Ferner müsse es nicht beim Radschnellweg allein bleiben. Stuttgart wolle bereits im Jahr 2035 klimaneutral sein, betonte die Stadträtin Gabriele Munk (Bündnis90/Die Grünen). Sie nahm ebenfalls an der Fahrraddemo teil. „Wir wollen fünf Jahre früher dran sein als das Land“, sagte sie. Über einem Radschnellweg nach Leonberg könnten Photovoltaik-Anlagen gebaut werden. Diese könnten nicht nur klimafreundlich Strom erzeugen, sie würden die Radfahrer auch noch vor Regen oder Sonne schützen.

Die Stadt müsse mehr Flächen für Solarstrom finden, wenn die Klimaneutralität erreicht werden soll. „Wir können nicht nur auf die Dächer gehen, das reicht nicht aus“, meinte die Stadträtin. Rund fünf Millionen Kilowattstunden Strom könnten über dem Radschnellweg erzeugt werden, was dem Jahresstrombedarf von etwa 1.500 Haushalten entspricht.