Falkensteiner Höhle Wie Eugen Banzhaf 1995 aus der Höhle gerettet wurde

Eugen Banzhaf studiert die Veröffentlichungen aus jenen turbulenten Tagen im Februar 1995, als er aus der Höhle gerettet werden musste. Foto: Horst Rudel

Die Rettungsaktion aus der Falkensteiner Höhle hat Ende Juli zu einer Flut von Presseberichten geführt. 1995 war die Höhle schon einmal Schauplatz einer dramatischen Aktion. Der Kirchheimer Eugen Banzhaf war damals eingeschlossen. Ein Rückblick.

Grabenstetten/Kirchheim - Die geglückte Bergung zweier Höhlenbegeher aus Falkensteiner Höhle bei Grabenstetten (Kreis Reutlingen) hat zu Beginn der Woche nicht nur einen Großeinsatz von Rettern und Helfern ausgelöst. Schaulustige zog es ebenfalls zu der Höhle. Unter den Zaungästen war auch Eugen Banzhaf aus dem nahen Kirchheim/Teck. Der 71-Jährige konnte das Geschehen quasi aus zweierlei Blickwinkeln verfolgen – stand er doch vor 24 Jahren zusammen mit einem Freund im Mittelpunkt einer nicht minder spektakulären Rettungsaktion in der von der Elsach durchströmten Karsthöhle.

 

Es ist der 25. Februar 1995, als der 47-jährige Zimmermeister und Stadtrat Banzhaf sowie sein acht Jahre jüngerer Bekannter, der Wirtschaftsingenieur Gerhard Kallis aus Nabern, beschließen, statt sich ins närrische Treiben des Fasnetssamstags zu stürzen, die nur von natürlichen Geräuschen bestimmte und absolut dunkle Wasserhöhle auf sich wirken zu lassen. Das heißt, zur Fasnet hätte es streng genommen auch noch gereicht. Um ein Uhr mittags, bei leichtem Nieselregen, aber „klarem und sauberem Wasser im Bach“, wie es Banzhaf rückblickend beschreibt, passieren die beiden das imposante Höhlenportal. Schon fünf Stunden später wollen sie wieder draußen sein. Daraus wird nichts.

Als Wasser eindringt wird die Lage riskant

Ihr Vorhaben lässt sich für die Hobby-Höhlengänger zunächst gut an, erzählt Eugen Banzhaf: 1500 der auf rund 5000 Meter erforschten Höhle lautet die Vorgabe der beiden Männer. Beim Waschbrett, einem laut Banzhaf unter normalen Bedingungen meist trockenen sogenannten Halbsiphon – ein Siphon ist ein Höhlenabschnitt, der unter Wasser steht –, sind die Männer schon bei der Wegmarke 1250. Sie haben die als relativ sichere Biwakbastion geltende Reutlinger Halle hinter sich gelassen und bewegen sich anfänglich trockenen Fußes durch die tropfsteinreiche Königshalle.

Doch dann ändert sich alles: Schmutzwasser sucht sich seinen Weg durch die Felsspalten, eine Umkehr scheint unumgänglich. Das Waschbrett ist in kürzester Zeit auf einer Länge von etwa zehn Metern zu einem tosenden Strudel geworden. Dennoch gelingt es Eugen Banzhaf noch, seinen Begleiter Kallis am Führungsseil durch das Wasser zu schleusen; er selbst bleibt zurück und übt sich im Rückblick in galliger Ironie: „Es half nichts anderes, als sich häuslich einzurichten.“ Und dies bei völliger Dunkelheit und einer Temperatur von sechs bis neun Grad. Als Devise der Häuslichkeit habe in diesem Fall gegolten, möglichst weit weg vom Wasser zu bleiben, die physischen und psychischen Kräfte zu bewahren, mit der Energie zu haushalten und Wärme zu speichern.

„Ich habe keine Sekunde an einem glücklichen Ausgang gezweifelt!“

Schließlich ist es für den 47-Jährigen keine Frage, dass seine Familie die nötigen Schritte unternimmt, falls die Rückkehr der Höhlengänger überfällig ist. Banzhaf: „Ich habe keine Sekunde an einem glücklichen Ausgang gezweifelt.“

Die ersten Helfer, die sich noch in der Nacht zum Sonntag auf die Suche nach den beiden Eingeschlossenen machen, erkennen rasch, dass sie ohne Tauchgerät nicht weiterkommen. Erst am frühen Morgen erreicht ein Trupp des baden-württembergischen Höhlenrettungsvereins die Reutlinger Halle, in der die Männer vermutet werden. Doch Fehlanzeige, die Taucher müssen weitere Stunden gegen die Strömung ankämpfen, ehe sie die beiden finden.

Um 16.05 Uhr, so hat es Eugen Banzhaf festgehalten, sehen die Höhlengänger nach 27 Stunden erstmals wieder das Tageslicht.

Gerettete Männer feiern jedes Jahr zwei mal Geburtstag

Nachdem er seine Frau Elfi und die Kinder Andreas und Kerstin umarmt hatte, sagte der Kirchheimer damals in ersten Statements vor der Presse, dass er „auch noch zwei Tage in der Höhle hätte aushalten können“. Diese Äußerung stieß damals bei Matthias Leyk, dem Geschäftsführer des Höhlenrettungsvereins, sowie weiteren Experten auf heftigen Widerspruch. Der Tenor: Besonders bei Hochwasser sei es in Höhlen oft nur ein kleiner Schritt zur akuten Lebensgefahr. Banzhaf freilich bleibt bei seiner damaligen Sicht der Dinge. Aber er nimmt es auf seine Kappe, dass er und sein Nachbar trotz einer mangelhaften Ausrüstung und Notfallvorsorge den Höhlengang angetreten haben. Eine „Spur Leichtsinn“ sei nicht von der Hand zu weisen.

Jedenfalls wissen die beiden Höhlengänger seit jenen Stunden in klammer und misslicher Lage, was alljährlich am 26. Februar als Fixpunkt in ihrem Terminkalender festgezurrt ist: Sie feiern gemeinsam ihren zweiten Geburtstag.

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