„Schon x-mal habe ich über solche Telefonbetrüger in der Zeitung gelesen. Schon x-mal habe ich mich gefragt, wie immer wieder Leute darauf reinfallen können. Jetzt weiß ich es besser“, sagt der Mann. „Ich dachte, ich bin fit und merke das sofort. Aber in dieser Situation ist dann alles anders. Die Typen sind so gut, so top geschult. Du wirst so dermaßen verunsichert. Es ist heftig“, schildert er. „Danach war ich so aufgewühlt und fertig, ich hätte nicht Autofahren können.“
Angeblich Einbrecher unterwegs
Die Geschichte, die ihm der Anrufer auftischte: Es sei eine rumänische Einbrecherbande in der unmittelbaren Nachbarschaft des Angerufenen unterwegs gewesen – und man habe einige Mitglieder davon fassen können. Dabei hätten die Polizeibeamten ein Notizbuch gefunden. Darin sei neben vielen anderen Daten und Infos auch die Adresse des Angerufenen gestanden. Nun seien er – beziehungsweise sein Hab und Gut – in akuter Gefahr.
Handwerker unterstützt
„Mein Glück war, und das konnte der Betrüger ja nicht wissen: Ich war nicht allein, ein Handwerker war da“, schildert der Mann. Weil ihm die unterdrückte Nummer und das Geschilderte doch seltsam vorkamen, schaltete er auf Lautsprecher. Der Handwerker rief parallel die Polizei an und ließ sich bestätigen: Die Geschichte ist gelogen. „Erst dadurch – dass ich jemanden da hatte, der meine Zweifel geteilt hat und dann durch die Bestätigung der Polizei – habe ich meine Sicherheit zurückgefunden.“
Überrumpelungsversuch zu Beginn
Statt aufzulegen telefoniert der Mann deshalb weiter. Der „Kripobeamte“ sagt, er solle die Wertsachen aus dem Safe nehmen und vorbereiten, es komme in einer Stunde jemand in Zivil vorbei, der sie abhole. „Ich fragte mich: Woher weiß er von meinem Safe?“ Es war wohl geraten – aber dass der Anrufer so viel „wusste“ habe für eine gewisse Legitimation gesorgt.
Wenn in solchen Situationen die Angerufenen in Panik, einen Tunnel gerieten, „dann fällt einem so etwas nicht mehr auf. Dann hinterfragt man das nicht mehr. Man will nur noch Sicherheit und macht das, was einem gesagt wird“, ist sich der 62-Jährige sicher. Mit dieser emotionalen Überrumpelung funktionieren viele Betrugsmaschen, so wird beispielsweise häufig zu Gesprächsbeginn von schwer verunfallten Verwandten „berichtet“.
Wortgewandt und autoritär
Und diese quasi meisterhafte Gesprächsführung ist es, die dem Mann von den Anrufern – kurz darauf wurde er an einen „Staatsanwalt“ weitergeleitet – in Erinnerung geblieben ist. „Akzentfreie, firme, eloquente, wortgewandte Sprache und absolute Autorität. Die hatten auf jede Gegenfrage eine Antwort.“ Warum er keine Telefonnummer zum Rückruf herausgeben kann, begründete der erste Anrufer beispielsweise damit, das ginge aus Datenschutzgründen nicht und weil er eine „Kryptonummer“ verwende, die nur der Polizei bekannt ist.
Vertrauen aufgebaut
Außerdem, zählt der Mann auf, wurde vom Anrufer Vertrauen aufgebaut: „Er fragte, ob ich schon Einbruchspuren gesucht oder die Tür abgeschlossen hätte und sagte: Machen Sie nachher nicht einfach die Haustüre auf.“ Also wurde ein Codewort ausgemacht. Aus der Übergabe wurde aber nichts – „wahrscheinlich hatten sie keinen Abholer in der Nähe“, vermutet der Mann. Auf das Drängen, die Wertsachen nach Stuttgart zu bringen, ging er nicht ein. Seitdem: Funkstille.
Eigentlich : Sofort auflegen
Weil in den wenigsten Fällen gerade ein Handwerker zur Hand ist, um parallel die Polizei anzurufen, war der erste Reflex des Mannes – nämlich aufzulegen – genau richtig, betont eine Beamtin der Kriminalpolizei Rottweil zu dem Vorfall. „Wenn einem etwas komisch vorkommt – ob es nun um vermeintlich falsche Polizeibeamte oder etwas anderes geht – sollte man möglichst schnell das Gespräch beenden, 110 wählen oder die lokale Dienststelle anrufen und das Gesagte verifizieren lassen.“
Gefälschte Nummern
Manchmal, ergänzt sie, rufen die Betrüger nicht mit unterdrückter, sondern gar gefälschten Nummern an, so dass am Telefon beispielsweise die lokale Vorwahl angezeigt wird. Was „echte“ Polizeibeamte aber niemals machen würden, wäre konkret nach Geld oder Wertgegenständen zu fragen.
Immer melden
Häufig gingen die Betrüger nach Listen – Straße oder Nachname – aus dem Telefonbuch vor. Deshalb sei es auch, wenn man einen Betrug sofort erkannt und abgewimmelt hat, wichtig, dies dennoch der Polizei zu melden. So könnte anhand entsprechender Information über die Medien auch besser lokal gewarnt werden.