Farmer Boys im LKA Stuttgart Zuhause ist es fast am schönsten

Von Kathrin Horster 

Bei ihrem Konzert im LKA in Stuttgart haben die Farmer Boys am Samstagabend ein starkes Heimspiel abgeliefert. Auch ein paar junge Metal-Fans feiern mit.

„Come on, Stuggi, auf geht’s!“ Matthias Sayer und seine Farmer Boys heizten Stuttgart ein. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt 7 Bilder
„Come on, Stuggi, auf geht’s!“ Matthias Sayer und seine Farmer Boys heizten Stuttgart ein. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Stuttgart - Ob der Schorsch, ein ehemaliger Klassenkamerad von Farmer-Boys-Sänger Matthias Sayer, am Abschlussabend der „Born Again“-Tour im LKA in Stuttgart zugegen ist, ist nicht bekannt. Es heißt, jener Schorsch, Sohn aus bäuerlichen Verhältnissen aus der Gegend um Renningen, habe die Farmer Boys bei deren Gründung 1994 bei der Namensfindung inspiriert. Seither ist viel Zeit vergangen, die fünfköpfige Metal-Combo hat in teils wechselnder Besetzung einige Erfolge eingefahren.

Zuletzt war es allerdings ruhig geworden um Sänger Matthias Sayer, Gitarrist Alexander Scholpp, Bassist Ralf Botzenhart, Keyboarder Richard Duee und Schlagzeuger Timm Schreiner. Doch plötzlich sind die Farmer Boys wieder da, mit dem neuen Album „Born again“, das teils elegische Melodien mit warm wummerndem Gitarrenmetal mischt. In Stuttgart haben die fünf nun den Abschluss ihrer elf Städte umfassenden Wiedergeburtstour gefeiert, ein Heimspiel also.

Es braucht jedoch eine Weile, bis sich das LKA füllt. Der Altersdurchschnitt im Publikum liegt bei 35 Plus, ein paar sehr junge Metal-Fans unter zwölf haben es aber auch mit ihren Eltern zum Konzert geschafft. Die Stimmung ist entspannt und fröhlich, die Leute genießen die nostalgische Einlassmusik aus düsteren Gassenhauern der Neunziger; von Depeche Mode und Garbage etwa. Es macht nichts, dass die Farmer Boys mit einer halben Stunde Verspätung und einem herzlich donnernden „Hallo Stuttgart!“ von Matthias Sayer loslegen.

Stuttgarter Publikum bleibt erstaunlich ruhig

Der freut sich sichtlich, zu Hause zu sein, und breitet die Arme wie zu einer ­kollektiven Umarmung aus. Der Sound ist ordentlich abgemischt, doch das Schlagzeug knallt erst viel zu heftig. Man hat das Gefühl, als könne Timm Schreiner mit seinen Drumsticks Knochen brechen. Dazu gibt es es wuchtige Riffs von Alexander Scholpp zu hören. Matthias Sayer kommt anfangs nicht richtig gegen die Wucht hinter ihm an. Als er sich jedoch warmgesungen hat, ist es ein toller, dicker Sound in perfekter Harmonie. Und später wird Scholpp dem Abend mit einem mehrminütigem Gitarrensolo den Höhepunkt bescheren. Ekstatisch fiedelt der Virtuose über den Hals seines Instruments und erzeugt dabei beeindruckende Sounds von Jammern, Seufzen über Wimmern bis hin zu tiefem, sanften Gurren.

Das Stuttgarter Publikum bleibt derweil erstaunlich ruhig, es wippt locker mit, nur vereinzelt schütteln Fans ihre Mähnen. Dafür recken sich zahlreiche Hände mit abgespreiztem Zeige- und kleinen Finger in die Luft. Immer wieder versucht Sayer, die Leute aufzupeitschen, „Come on, Stuggi, auf geht’s!“, ruft er in die Menge, und fragt: „Wo sind die Ludwigsburger? Wo sind die Renninger?“ Nach gut anderthalb Stunden scheinen die Leute aber schon erschöpft, ein bisschen matt verlangen sie nach einer Zugabe. „Bei so einer Euphorie“, scherzt Sayer, „erzähle ich was von der Hasenzucht!“. Dann geben die Farmer Boys aber doch noch mal richtig Gas mit „Here comes the Pain“ aus dem Jahr 2000 und dem Stück „Born again“ vom aktuellen Album. Ein starkes Wiedersehen!